Gipfel der Unterwerfung
Von Volker Hermsdorf
Eine Szene zum Auftakt charakterisiert besser als jede Analyse den von Donald Trump am Sonnabend in Miami einberufenen Minigipfel »Schild der Amerikas«, an dem zwölf der 33 Staats- und Regierungschefs Lateinamerikas teilnahmen. Zu Beginn seiner 30minütigen Eröffnungsrede erklärte Trump gegenüber der spanischsprachigen Runde rechter Politiker: »Ich werde eure verdammte Sprache nicht lernen.« US-Kriegsminister Pete Hegseth legte nach: »Ich spreche nur Amerikanisch.« Die düpierten Gäste schwiegen betreten. Vasallen mucken nicht auf.
Der Gipfel »Escudo de las Américas« war als Machtdemonstration inszeniert. Offiziell sollte er eine neue »Allianz gegen Drogenkartelle und Migration« begründen. Tatsächlich kündigte Trump eine militärische Koalition an, die – so seine Worte – »tödliche Gewalt« einsetzen werde, um Kartelle »auszurotten«. Washington werde »alles Notwendige« tun, um seine Sicherheit zu verteidigen, begründete er vor der ausschließlich aus willfährigen Verbündeten bestehenden Runde die Neuauflage der Monroe-Doktrin aus dem 19. Jahrhundert. Nicht eingeladen waren die Regierungen Mexikos, Kolumbiens und Brasiliens, deren linke Präsidenten sich Washingtons Kurs widersetzen.
Trump nutzte das Treffen auch für Drohungen. Mexiko sei ein »Epizentrum der Kartellgewalt«, die USA würden das »nicht länger tolerieren«. Besonders scharf attackierte er Kuba: Nach 50 Jahren sei die Insel »reif«. Die sozialistische Regierung befinde sich in ihren »letzten Atemzügen«. Er werde sich dem Thema widmen, sobald er im Iran fertig sei, drohte Trump. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel warnte auf X: »Der kleine reaktionäre und neokoloniale Gipfel in Florida, der von den USA mit Hilfe der rechten Regierungen der Region einberufen wurde, verpflichtet diese dazu, den tödlichen Einsatz der US-Streitkräfte zur Lösung interner Probleme und zur Aufrechterhaltung der Ordnung in ihren Ländern zu akzeptieren.«
Tatsächlich offenbarte der Gipfel, wie Washington das Narrativ vom Kampf gegen die Kartelle pflegt, um sich in Lateinamerika einzumischen. Dahinter steckt mehr als eine außenpolitische Anmaßung. Es ist Teil eines globalen Krieges, den die Trump-Regierung führt. Der Völkermord in Palästina, die Bombardierung des Iran und die Invasion in Venezuela sind Symptome einer neuen Phase imperialer Politik. Damit Washingtons Eroberungsfeldzüge fortgesetzt werden können, muss Lateinamerika kontrolliert werden – als stabiler Energielieferant und Ressourcenbasis für die Kriegsökonomie. Die Unterwerfung Venezuelas zielt auf die Kontrolle über sein Öl, die Blockade gegen Kuba darauf, das letzte Symbol des Widerstands und der Würde in der Region zu tilgen.
Trump, dessen Innenpolitik kläglich gescheitert ist, konstruiert angesichts drohender Verluste bei den Zwischenwahlen im November externe Bedrohungen. Die Vasallen in Miami schwiegen dazu und unterschrieben ein Dokument der Unterwerfung.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Majid Asgaripour/WANA/REUTERS03.03.2026Globaler Süden geht auf Distanz
Matias Delacroix/AP/dpa12.01.2026Imperialismus im Hyperantrieb
Palacio de La Revolución06.01.2026Cuba Sí – Yanqui No!
Regio:
Mehr aus: Ansichten
-
Mord mit Aussicht
vom 09.03.2026 -
Unser Krieg
vom 09.03.2026 -
Männerministerin des Tages: Karin Prien
vom 09.03.2026