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14.03.2026
- → Der schwarze Kanal
Trumps Flötentöne und Kohlers Mitmachmarine
Am Donnerstag lästerte Le Monde, Donald Trump zeige üblicherweise Verachtung für die G7-Treffen, meide sie, die er für sinnlos und langweilig halte, weil dort um Kommata gestritten werde. Seine Gastgeber habe er beleidigt, »wie beispielsweise 2018, als er den kanadischen Premierminister Justin Trudeau als ›unehrlich und schwach‹ bezeichnete, oder er ist abrupt abgereist, wie im Juni 2025 während einer israelischen Offensive gegen den Iran, mit der Begründung, er habe in Washington Wichtigeres zu tun. Am Mittwoch, dem 11. März, zeigte sich der amerikanische Präsident nach dem G7-Gipfel, der auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der in diesem Jahr die G7-Präsidentschaft innehat, per Videokonferenz stattfand, sichtlich erfreut. ›Ich glaube, wir haben einen enormen, ja geradezu unglaublichen Einfluss auf die Welt‹, staunte Trump. Tatsächlich verabschiedeten die G7-Mitglieder jedoch keine gemeinsame Erklärung.« Nur Emmanuel Macron und die japanische Ministerpräsidentin Takaichi Sanae verbreiteten jeweils dürre Kommuniqués. Auf der offiziellen Internetseite des deutschen Bundeskanzlers wird das Treffen nicht erwähnt. Ein Totalausfall.
Zum Glück hat Deutschland aber mit der FAZ und deren Koherausgeber Berthold Kohler einen Wächterrat. Am Freitag berichtete der in seinem Blatt: »Die G7-Staaten richten sich auf eine lange Auseinandersetzung mit Iran ein. Sie treffen Vorbereitungen für eine Marinemission, um die Straße von Hormus nach Ende der israelisch-amerikanischen Militäroperation für die Handelsschiffahrt befahrbar zu machen. Öltanker und Frachtschiffe sollen von Kriegsschiffen begleitet werden.« So viel Aussicht auf militärische Hilfe rührte Trump zu Flötentönen: Der Oval-Office-Wüterich sprach plötzlich von »wir«, obwohl nur er als einziger unglaublichen Einfluss auf die Welt ausübt. Ihm hat offensichtlich gefallen, was seine G7-Partner in Crime vorschlugen: eine »lange Auseinandersetzung«. Trump hatte zwar am Montag angekündigt, der Krieg sei »bald, sehr bald« zu Ende. Aber das war nach zwei Tagen aus dem, was sich zwischen seinen Ohren befindet, verschwunden.
Weil er aber morgen wieder anders kann, übernahm Kohler gebrüllmäßig die deutsche Kommandobrücke: »Dann auch die deutsche Marine«. In der Internetfassung steht da immerhin ein vollständiger Befehlssatz: »Dann muss auch die deutsche Marine mitmachen.« Wobei sich »mitmachen« für einen General »Vorwärts« an der Tastatur sehr mäßig liest.
Aber der geniale Stratege Kohler sieht sich von militärischen Versagern umgeben: »Hat Donald Trump als Feldherr einen ähnlichen Fehler gemacht wie Wladimir Putin? Der hatte geglaubt, er könnte seine Kriegsziele in der Ukraine, an erster Stelle die Beseitigung der Regierung in Kiew, in wenigen Tagen erreichen. Auch im Weißen Haus scheint man überrascht zu sein, dass das Mullah-Regime immer noch nicht kollabiert ist, sondern die Lage im Land unter Kontrolle hat und weiter mit Raketen um sich schießt.« Da müssen die Deutschen an die Front: »In Deutschland kann man sich dann auch schon einmal an den Gedanken gewöhnen, daran teilzunehmen. Denn wenn unsere europäischen Verbündeten vor der Küste Irans Tanker eskortieren und Minen entschärfen, wird Deutschland nicht wie vor 36 Jahren, als es in der Kuwait-Krise Solidarität mit den Verbündeten zeigen wollte, nur ein paar altersschwache Minenjagdboote ins Mittelmeer schicken können, um sie vor Kreta versunkene Ölfässer suchen zu lassen.«
Denn es muss endlich wieder deutsch geschossen werden. Weil Trump vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Die Kohlers stehen mit ihm im Durchgeknalltheitswettbewerb und nehmen den wörtlich.
Denn es muss endlich wieder deutsch geschossen werden. Weil Trump vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Die Kohlers stehen mit ihm im Durchgeknalltheitswettbewerb und nehmen den wörtlich.
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