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Aus: Ausgabe vom 05.03.2026, Seite 7 / Ausland
Iran-Krieg

Kampf um die Lufthoheit

Iran-Krieg weitet sich auf weitere Länder aus
Von Lars Lange
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Pause bei den Aufräumarbeiten: Auch der zentrale Revolutionsplatz in Teheran wurde von Bomben getroffen (4.3.2026)

In den ersten Kriegstagen haben die USA und Israel rund 2.000 Ziele im Iran, darunter Nuklearanlagen, Raketenlager, Einrichtungen der Basidsch-Miliz sowie Regierungsgebäude in Teheran, angegriffen. Dabei wurden mehr als 2.000 Wirkmittel eingesetzt. Nach der erheblichen Schwächung der iranischen Luftverteidigung kommen nun neben B-1- und B-2-Bombern auch B-52-Bomber zum Einsatz. Israel griff zudem am Mittwoch den Flughafen Mehrabad an, zerstörte ein Treibstofflager und mehrere Flugzeuge und schoss einen iranischen Jagdflieger des Typs Jak-130 über Teheran ab. Die Zahl der Toten der – wie eine Untersuchungskommission der UN am Mittwoch feststellte völkerrechtswidrigen – Angriffe im Iran stieg auf mindestens 1.045. Iran feuerte seinerseits über 500 ballistische Raketen und etwa 2.000 Drohnen auf Ziele in mindestens neun Ländern ab, ein großer Teil davon auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Sechs US-Soldaten wurden bei einem Angriff auf ein Kommandozentrum in Kuwait getötet.

Der Konflikt weitet sich zudem weiter aus: Ankara gab am Mittwoch an, eine Rakete aus dem Iran über dem Mittelmeer abgefangen zu haben. Sie sei von der NATO-Flugabwehr abgefangen worden und auf die Türkei gerichtet gewesen. Frankreich entsandte »Rafale«-Kampfflugzeuge zu Abfangpatrouillen über den VAE. Der Hafen Duqm im Oman wurde beschädigt, und eine Drohne traf den Parkplatz des US-Konsulats in Dubai. Auch über dem Irak wurde eine MQ-9-»Reaper« abgeschossen. Die saudische Aramco-Raffinerie Ras Tanura wurde erneut mittels eines unbekannten Geschosses angegriffen, blieb laut Riad jedoch funktionsfähig. Laut Reuters vom Mittwoch steht auch Italien kurz davor, ein Luftabwehrsystem an Golfstaaten zu liefern.

Iranische Raketen und Drohnen nahmen in den ersten Kriegstagen gezielt US-Raketenabwehr- und Kommunikationsinfrastruktur in der Region ins Visier. Satellitenbilder deuten darauf hin, dass dabei das AN/FPS-132-Frühwarnradar auf der Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar beschädigt wurde – eines von weltweit nur etwa sechs Systemen dieser Art mit Baukosten von rund 1,1 Milliarden Dollar. Aufnahmen zeigen zudem die Angriffe auf Radaranlagen der THAAD-Systeme in Saudi-Arabien, Jordanien sowie in den VAE; in Bahrain wurden zwei AN/GSC-52B-Radare zerstört, auf der Basis Arifjan in Kuwait mehrere Gebäude der militärischen Satellitenkommunikationsinfrastruktur beschädigt. Die Ausfälle dürften große Lücken in die regionale Raketenwarnung reißen.

Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise auf eine US-Luftüberlegenheit zumindest über der iranischen Hauptstadt. Der Iran hat mutmaßlich einen Großteil seiner Radaranlagen bereits am ersten Kriegstag verloren und ist seither verstärkt auf Drohnen zur Luftraumüberwachung angewiesen; ohne funktionierende Radare können auch iranische Kampfjets nur eingeschränkt eingesetzt werden. Die USA erklärten laut AP, die iranische Luftverteidigung sei »erheblich degradiert« worden. Israelische Militärsprecher meldeten zudem einen Rückgang der Raketenabschüsse aus dem Iran.

Während Iran seine Raketen- und Drohnenangriffe fortsetzt, könnte den Aggressoren die Abfangmunition knapp werden. Berichten zufolge werden drei bis vier Abfangraketen pro Rakete eingesetzt – etwa 300 täglich. SM-3-Bestände könnten nur noch etwa eine Woche reichen, »Arrow«-3 wenige Tage, »Patriot«-Raketen werden bereits rationiert. Iranische Angriffe auf Munitionslager im Golf haben die Lage zusätzlich verschärft. Offiziell bestätigt sind diese Angaben nicht.

Nach einem U-Boot-Angriff auf ein iranisches Schiff vor der Küste Sri Lankas ist dieses am Mittwoch gesunken. 32 Seeleute wurden gerettet, mindestens 101 Menschen werden vermisst. Laut US-Militär sind bereits 17 iranische Kriegsschiffe mit dem Ziel versenkt worden, die Marine des Landes vollständig auszuschalten. Während die Trauerfeier für Irans »obersten Führer« Ali Khamenei am Mittwoch ohne Angabe eines Grundes verschoben wurde, steht eine Entscheidung über einen Nachfolger laut Al-Dschasira kurz bevor. Als Favorit gilt Sohn Modschtaba, der den Angriff auf seinen Vater am Sonnabend überlebt haben soll.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (7. März 2026 um 11:21 Uhr)
    »Iranische Raketen und Drohnen nahmen in den ersten Kriegstagen gezielt US-Raketenabwehr- und Kommunikationsinfrastruktur in der Region ins Visier«, das ist eine Nachricht, die ich auch in anderen Medien bestätigt gefunden habe. Der Herr Merz macht indes aus »gezielt« ein »willkürlich«. In seiner gemeinsam mit Starmer und Macron verfassten Stellungnahme heißt es: »Iran muss seine willkürlichen Militärschläge unterlassen«, so die »Höflichkeitsübersetzung« auf bundeskanzler.de (englisch: »Iran must refrain from indiscriminate military strikes«). Warum nur beschwert sich Merz über die ihm jüngst nachgesagte Pinocchio-Nase? Ich finde, die steht ihm ganz gut.

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