Teheran gibt sich optimistisch
Von Knut MellenthinAm Donnerstag soll in Genf das dritte »indirekte Gespräch« zwischen Vertretern Irans und der USA stattfinden. Wie bei den beiden vorherigen Treffen auch soll der omanische Außenminister Sayyid Badr Al-Busaidi die Statements zwischen den beiden Delegationen, die in getrennten Räumen plaziert sind, hin und her tragen. Die USA schicken voraussichtlich wieder Donald Trumps Chefunterhändler, Steve Witkoff, und den Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner – ein Familienfreund des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu –, nach Genf. Iran wird durch Außenminister Abbas Araghtschi vertreten sein.
Die iranische Seite gibt sich jedenfalls gewohnt »optimistisch«. Präsident Massud Peseschkian postete am Sonntag auf X, die ersten beiden Treffen hätten »positive Signale« produziert. Worin diese bestanden haben sollen, konkretisierte er nicht. Für die Öffentlichkeit wahrnehmbar sind nur die vulgären Erpresserdrohungen des US-Präsidenten. Zuletzt hatte Trump am Freitag angekündigt, dass er die in der Mittelostregion zusammengezogenen Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge zum Angriff auf Iran einsetzen werde, falls innerhalb der nächsten zehn bis 15 Tage kein »Deal« nach seinen Vorstellungen zustande komme.
Aber die iranische Diplomatie hat anscheinend ihre eigene Wahrnehmung der Vorgänge. In einem Interview, das vom US-Sender CBS am Sonntag ausgestrahlt wurde, sagte Araghtschi, er glaube, »dass immer noch eine gute Chance besteht, eine diplomatische Lösung zu bekommen, die auf einem Win-Win-Game beruht, und dass eine Lösung in unserer Reichweite liegt«. Auf hartnäckiges Nachfragen gab Araghtschi zu, dass die iranische Führung sich noch nicht auf den Wortlaut einer Antwort auf die US-Vorschläge geeinigt habe, die sie innerhalb weniger Tage versprochen hatte. Er glaube aber, »dass wir« bis zum nächsten Treffen »an diesen Elementen arbeiten, einen guten Text vorbereiten und zu einem schnellen Deal kommen können«.
Am Montag schloss Außenministeriumssprecher Esmail Baqaei in seiner wöchentlichen Pressekonferenz überraschend »die Idee eines Interimsabkommens« kategorisch aus, ohne dazu erklärende Ausführungen zu machen. Laut den Berichten israelischer Medien über die Sitzung von Netanjahus »Sicherheitskabinett« am Sonntag abend wolle Trump einen »Deal in Stufen« anstreben. Dabei sollen zuerst das wichtigste Thema, das iranische Atomprogramm, abgehakt werden. Dann soll die iranische Raketenproduktion und Teherans Unterstützung für ausländische Organisationen wie Hisbollah, Hamas, irakische Milizen und die jemenitische Ansarollah folgen.
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