Gegründet 1947 Dienstag, 24. Februar 2026, Nr. 46
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 24.02.2026, Seite 6 / Ausland
Iran

Teheran gibt sich optimistisch

Von Knut Mellenthin

Am Donnerstag soll in Genf das dritte »indirekte Gespräch« zwischen Vertretern Irans und der USA stattfinden. Wie bei den beiden vorherigen Treffen auch soll der omanische Außenminister Sayyid Badr Al-Busaidi die Statements zwischen den beiden Delegationen, die in getrennten Räumen plaziert sind, hin und her tragen. Die USA schicken voraussichtlich wieder Donald Trumps Chefunterhändler, Steve Witkoff, und den Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner – ein Familienfreund des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu –, nach Genf. Iran wird durch Außenminister Abbas Araghtschi vertreten sein.

Die iranische Seite gibt sich jedenfalls gewohnt »optimistisch«. Präsident Massud Peseschkian postete am Sonntag auf X, die ersten beiden Treffen hätten »positive Signale« produziert. Worin diese bestanden haben sollen, konkretisierte er nicht. Für die Öffentlichkeit wahrnehmbar sind nur die vulgären Erpresserdrohungen des US-Präsidenten. Zuletzt hatte Trump am Freitag angekündigt, dass er die in der Mittelostregion zusammengezogenen Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge zum Angriff auf Iran einsetzen werde, falls innerhalb der nächsten zehn bis 15 Tage kein »Deal« nach seinen Vorstellungen zustande komme.

Aber die iranische Diplomatie hat anscheinend ihre eigene Wahrnehmung der Vorgänge. In einem Interview, das vom US-Sender CBS am Sonntag ausgestrahlt wurde, sagte Araghtschi, er glaube, »dass immer noch eine gute Chance besteht, eine diplomatische Lösung zu bekommen, die auf einem Win-Win-Game beruht, und dass eine Lösung in unserer Reichweite liegt«. Auf hartnäckiges Nachfragen gab Araghtschi zu, dass die iranische Führung sich noch nicht auf den Wortlaut einer Antwort auf die US-Vorschläge geeinigt habe, die sie innerhalb weniger Tage versprochen hatte. Er glaube aber, »dass wir« bis zum nächsten Treffen »an diesen Elementen arbeiten, einen guten Text vorbereiten und zu einem schnellen Deal kommen können«.

Am Montag schloss Außenministeriumssprecher Esmail Baqaei in seiner wöchentlichen Pressekonferenz überraschend »die Idee eines Interimsabkommens« kategorisch aus, ohne dazu erklärende Ausführungen zu machen. Laut den Berichten israelischer Medien über die Sitzung von Netanjahus »Sicherheitskabinett« am Sonntag abend wolle Trump einen »Deal in Stufen« anstreben. Dabei sollen zuerst das wichtigste Thema, das iranische Atomprogramm, abgehakt werden. Dann soll die iranische Raketenproduktion und Teherans Unterstützung für ausländische Organisationen wie Hisbollah, Hamas, irakische Milizen und die jemenitische Ansarollah folgen.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Iran wappnet sich und übt gemeinsam mit Russland in der Meerenge...
    21.02.2026

    Ruhe vor dem Sturm

    Irans Regierung spielt Risiko eines US-Angriffs herunter. Russland beteiligt sich an Marinemanöver
  • Gedrückte Stimmung am Nationalfeiertag: Die US-Forderungen laufe...
    19.02.2026

    Deal oder Krieg

    Atomgespräche zwischen Iran und USA in Genf: Weißes Haus setzt auf Drohungen, Teheran sieht positive Zeichen
  • Übung fürs Foto: Das US-Militär macht in der Arabischen See auf ...
    17.02.2026

    USA bereiten größeren Einsatz gegen Iran vor

    Militär im Golf bringt sich für wochenlange Operationen in Stellung. China unterstützt Teheran nachrichtendienstlich

Regio:

Mehr aus: Ausland