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10.06.2026
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Al-Wali, 50 Jahre später
Westsahara: Der »Tag der Märtyrer« wurde von einem tödlichen Drohnenangriff Marokkos überschattet. Eine Erinnerung
Am Sonntag wurden bei einer marokkanischen Drohnenattacke in der besetzten Westsahara drei sahrauische Kämpfer getötet. Unter ihnen ist auch Lahbib Mohammed Aziz, ein Sohn des langjährigen Generalsekretärs und Mitgründers der Westsahara-Befreiungsfront Polisario, Mohammed Abdelaziz (1948–2016). Anders als im Mai, als ein sahrauischer Raketenangriff auf einen marokkanischen Militärstützpunkt internationalen Protest auslöste, obwohl er keine größeren Schäden anrichtete, fand das tödliche marokkanische Bombardement wenig Widerhall. Unabhängig von den jüngsten Geschehnissen erreichte jW der nachstehende, hier gekürzt wiedergegebene Text zum sahrauischen »Tag der Märtyrer« am Dienstag – eine Hommage an Al-Wali, den charismatischen Nationalhelden der Sahrauis.
Al-Wali Mustafa Sajed gilt als Initiator der Sahrauischen Revolution und der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS). Er starb am 9. Juni 1976. Vor 30 Jahren haben wir gemeinsam seine Biographie verfasst. Im Vorwort schrieb der mauretanische Schriftsteller und antikoloniale Aktivist Ahmed Baba Miské: »Al-Wali hatte eine Aufgabe zu erfüllen: sein Volk zu einen und in eine neue Etappe seiner Geschichte zu führen. Paradoxerweise sollte gerade sein Tod dazu beitragen. Denn von diesem Zeitpunkt an wollte jeder Sahraui seinem Beispiel folgen. Mit Al-Wali als Vorbild vollbrachten die sahrauischen Kämpfer, Aktivisten, Diplomaten, Männer wie Frauen, beispiellose Heldentaten.«
Al-Wali hatte seine besten Kräfte drei Bereichen zukommen lassen: Der erste war die Organisation der Sahrauis. Wenn nämlich das sahrauische Volk einen geeinten Block darstellt und sich durch Bewusstheit und Entschlossenheit auszeichnet, kann es jeder Schwierigkeit trotzen. Es ist zum revolutionären Handeln aufgerufen, auch wenn es nicht über ausreichende Mittel dazu verfügt. Denn revolutionäres Handeln ist immer Initiative und kein Abwarten. Dabei ist stets von einem Ungleichgewicht gegenüber den Kräften des Feindes auszugehen.
Der zweite Bereich ist die militärische Aktion. Al-Wali bestand darauf, dass die Überwindung der ungerechten Situation, in die das sahrauische Volk gestürzt worden war, nur im Kampf möglich ist und höchste Opfer erfordern würde. Dabei stand er von Anfang an selbst an vorderster Front. Das war schon bei der ersten militärischen Aktion der Polisario-Front im Jahr 1973 der Fall, bei der er von Soldaten der spanischen Kolonialarmee gefangengenommen wurde, und reichte bis zu seinem Tod im Gefecht.
Der dritte Bereich ist die Diplomatie. Al-Wali hatte ursprünglich darauf gebaut, dass die sahrauischen Freiheitsbestrebungen von fortschrittlichen Organisationen in Marokko und Mauretanien unterstützt würden. Schließlich waren alle drei Völker Opfer: Die Sahrauis sahen sich einer Kolonialisierung durch Marokko und Mauretanien konfrontiert, die Marokkaner und Mauretanier wiederum litten unter ihren mit den alten Kolonialmächten verbündeten volksfeindlichen Regimes. Allerdings rückten jene Organisationen von der sahrauischen Sache ab und stellten sich hinter ihre Machthaber. Al-Wali schmiedete dagegen Bündnisse, die die Revolution unterstützten. Algerien und Libyen wurden zum historischen Schutzschild der Westsahara.
Al-Wali erfuhr das angesichts des Ressourcenreichtums der Westsahara um so himmelschreiendere Elend seines Volkes aus nächster Nähe. Es gelang ihm, die Verzweiflung, die die seinerzeit vor Bombardements mit Napalm und weißem Phosphor fliehenden Sahrauis beherrschte, in Freude und Trotz zu verwandeln, indem er die DARS gründete. Der »Tag der Märtyrer« am 9. Juni, seinem Todestag, ist ein fortwährendes Bekenntnis zu Loyalität, Freiheit, Gerechtigkeit, nationaler Einheit, sozialem Zusammenhalt, Menschenwürde und Gleichheit. Er dient dem Gedenken an diejenigen, die gestorben sind, damit das sahrauische Volk in Würde leben kann, und erinnert daran, dass die Souveränität über die Westsahara beim sahrauischen Volk liegt und niemand es ignorieren darf.
→ Mohamed Limam Mohamed Ali ist sahrauischer Botschafter in Kenia, Felipe Briones Vives spanischer Staatsanwalt. Ihre Biographie »Luali: Ahora o nunca, la libertad« ist als PDF auf Spanisch unter kurzlinks.de/Wali-Leben abrufbar.
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