Sie reden wieder
Von Knut Mellenthin
Zum ersten Mal seit der Unterbrechung ihrer »indirekten Gespräche« durch den von Israel gestarteten Zwölftagekrieg im Juni vorigen Jahres sind Vertreter der USA und Irans am Freitag wieder in Maskat, der Hauptstadt Omans, zusammengekommen. Der Außenminister des arabischen Fürstentums trug die Botschaften zwischen den Delegationen beider Seiten hin und her, die in verschiedenen Räumen positioniert worden waren. Es gab lediglich eine kurze persönliche Begegnung, bei der sich die Teilnehmer mit einem Handschlag begrüßten – Fotos davon sind bis Redaktionsschluss nicht aufgetaucht.
Unklar ist, ob Irans Außenminister Abbas Araghtschi bei dieser Gelegenheit auch dem Kommandeur des für die Region zuständigen Central Commands der US-Streitkräfte, Admiral Brad Cooper, der in Uniform erschienen war, die Hand reichte. Coopers Beteiligung an dem Treffen war eine Abweichung vom Format der ersten Gesprächsrunde zwischen April und Mai 2025. Sie blieb nicht das einzige Zeichen dafür, dass die US-Regierung die iranische Seite durch eine demonstrative Vermischung von Diplomatie und militärischen Hintergrundgeräuschen herausfordern wollte. Am Sonnabend besuchten Chefunterhändler Steve Witkoff und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der ebenfalls zur US-amerikanischen Delegation in Maskat gehörte, den Flugzeugträger »Abraham Lincoln«, der sich als Flaggschiff eines großen Flottenaufmarsches in der Region aufhält. Witkoff bestätigte den Vorgang mit einem Posting auf seinem X-Account: Zusammen mit Kushner und Cooper sei er »den tapferen Seeleuten und Marines an Bord der USS Abraham Lincoln begegnet, der Kampfgruppe und der Air Wing 9 des Trägers, die über unsere Sicherheit wachen und Präsident Trumps Botschaft vom Frieden durch Stärke aufrechterhalten«.
Nach dem Ende des Treffens in Muskat am Freitag betonte Araghtschi in einer Pressekonferenz seine Zufriedenheit: »Ich denke, es gab eine gute Atmosphäre, und mit einem Satz kann ich sagen, dass es ein guter Start war.« Beide Seiten seien übereingekommen, dass die Gespräche einer Fortsetzung bedürften, über den Zeitpunkt und die Umstände der nächsten Gesprächsrunde sei aber noch nicht entschieden worden. Es sei »ein sehr gutes Treffen« gewesen, und es werde Anfang der kommenden Woche – also in dieser – eine weitere Begegnung geben, erzählte Trump am Freitag den Journalisten, die sich mit ihm an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One befanden. Die Iraner hätten den Wunsch, einen Deal zu machen, »weil sie es wünschen sollten. Sie kennen die Folgen, wenn sie es nicht tun. Wenn sie keinen Deal machen, werden die Folgen sehr stark sein.«
Ob das nächste Treffen wirklich schon Anfang dieser Woche stattfinden wird, ist zumindest ungewiss, nachdem am Sonnabend bekanntwurde, dass Benjamin Netanjahu am Dienstag nach Washington fliegen wird, um dort am Mittwoch mit Präsident Trump zu sprechen. Aber unabhängig von der genauen zeitlichen Abfolge ist offensichtlich, dass der israelische Regierungschef der wichtigste inoffizielle Teilnehmer der »indirekten Gespräche« ist. Netanjahu will, dass die Verhandlungen mit den Iranern die Beschränkung ihrer ballistischen Raketen und eine Beendigung der Unterstützung für ihre Verbündeten in der »Achse des Widerstands« enthalten, hieß es dazu in einer Stellungnahme aus dem Büro des Premierministers.
Die zentrale Rolle Netanjahus in Trumps »diplomatischen« Manöver wurde auch darin deutlich, dass Witkoff am Dienstag vergangener Woche vor der Begegnung mit Araghtschi zur Information und Konsultation mit dem israelischen Regierungschef zusammentraf. Dieser gab Trumps Unterhändler seine Meinung auf den Weg, Iran habe »wiederholt bewiesen, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass er seine Verpflichtungen einhält«.
Zu Trumps typischer Verbindung von »Diplomatie« und brutalen Drohungen gehört auch, dass er am Tag des Treffens in Oman eine Anordnung unterzeichnete, durch die Strafzölle für alle Importe aus Ländern eingeführt werden, »die direkt oder indirekt Güter oder Dienstleistungen vom Iran kaufen, importieren oder anderweitig erwerben«. Diese Maßnahme hatte Trump schon früher angekündigt, wählte aber ausgerechnet den 6. Februar für ihre Formalisierung.
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