Zum Inhalt der Seite
Nürnberg

Die Tauben und das Nebelhorn

Vor dem Karstadt in der Nürnberger Fußgängerzone hat gestern nachmittag ein Klarinettist aufgespielt. Er hat sich sehr bemüht, mit dem Rhythmus mitzugehen, der aus dem Keyboard wummerte, schaffte es aber nie. Die Töne traf er manchmal, die Einsätze verpasste er meistens, zumindest solange ich auf der Bank gegenüber saß und ein Bratwurstweggla verspeiste.

Die Tauben, die darüber auf den Laternen saßen, hören offenbar besser, als es ihr Name behauptet. Sie flogen davon, als der Klarinettist mit einem besonders jammervollen Stück anfing, das vermutlich den Namen »Ode des Nebelhornbläsers« trägt.

Als ich mit meinen Bratwürsten fertig war, bin ich aufgestanden und habe dem Musikus meinen Obolus entrichtet. Warum auch nicht? Würde er so Politik machen, wie er ins Rohr bläst, würden Union, SPD und die Grünen ihn als Kanzlerkandidaten aufstellen – und er würde gewählt!

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 02.09.2021, Seite 10, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!