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09.06.2026
- → Feuilleton
Irre Zeiten beim WDR-Rundfunkrat
Man kann sich auf die ARD verlassen. Wenn man dem öffentlich-rechtlichen Senderverbund unterstellt, seine Hörer zu verscheißern, dann ist man meist auf der sicheren Seite. So ist vor einem Jahr dem Westdeutschen Rundfunk in dieser Kolumne Publikumsverarschung vorgeworfen worden. Anlass war die Versicherung des WDR, man wolle das interkulturelle Programm Cosmo »nicht abschalten, sondern weiterentwickeln«. Und was hat der WDR-Rundfunkrat auf Ersuchen der Intendanz vorigen Mittwoch beschlossen? Die Abschaltung, zugunsten einer neuen HipHop-Welle. Nicht etwa wegen Erfolglosigkeit, das einzige Ausländerradio der BRD hat seine Reichweite seit 2023 von 146.000 Hörern pro Tag auf zuletzt 254.000 deutlich steigern können.
Die Gründe liegen woanders. Die Länderanstalten müssen irgendwo Sender streichen und Kosten einsparen, und Ausländer haben eben keine Lobby in einem Land, in dem der Regierungschef gegen sie hetzt (»Probleme im Stadtbild«). Wir wollen die Cosmo-Abschaltung gleichwohl nicht zum Anlass nehmen, den WDR erneut zu verunglimpfen, das wäre zu milde. Sie rechtfertigt die Forderung nach dem Rücktritt von Intendantin Katrin Vernau und die Abberufung der 25 Rundfunkratsmitglieder, die dem Vorschlag Vernaus gefolgt sind. Wer seine Hörer in die Irre führt, gehört nicht in die Intendanz, und wer AfD-Politik betreibt, sollte nicht in Aufsichtsgremien entsandt werden, sondern zum Geschichtsaufbaustudium nach Auschwitz.
Der Autor regt sich wieder ab und fährt Vorschläge für die Radiowoche auf: Das Feature → »Die Goldgräber« bedauert gierige Anleger, die sich auf dem grauen Kapitalmarkt abzocken lassen (DLF 2025, Di., 19.15 Uhr, DLF). In der »Deep Doku« von Sarah Zaheer und Linh Tran geht es um verschacherte Kinder: → »Adoption aus Korea« (RBB 2026, Ursendung, Mi., 19.05 Uhr, Sa., 16.05 Uhr, Radio 3). Und im »Freispiel« gibt es Texte des Frühexpressionisten August Stramm, rhythmisch collagiert in → »Trieb. (Punkt) Krieg« von Luise Voigt (SWR 2023, Do., 22.05 Uhr, DLF Kultur).
Das Goethe-Institut hat im Februar urplötzlich seine Exilantenreihe eingestellt, nicht zufällig kurz vor einer Veranstaltung mit palästinensischen Autoren. Die Posse, erzählt im Feature → »Ich lasse mir keine Lyrik zu Schulden kommen«, belegt, warum Deutschland zu Recht vom Weltsicherheitsrad geschubst worden ist (Fr., 19.30 Uhr, DLF Kultur). → »Ingeborg Bachmann oder der Preis der Freiheit« ist Titel der neuen »Passage« zum Hundertsten der Klagenfurterin, die schon in jungen Jahren der Prosa überführt werden konnte (Fr., 20 Uhr, SRF 2 Kultur). 1893 uraufgeführt wurde die Komödie → »Eine Frau ohne Bedeutung« von Oscar Wilde, nicht viel jünger ist das Hörspiel, das Klaus Gmeiner für die Salzburger Festspiele aufgenommen hat (ORF 1968, 14 Uhr, Ö 1).
Kontrastprogramm am Samstag abend: Auf den ARD-Kulturwellen geben Kirill Petrenko und seine Berliner Phillyboys Richard Wagners → »Rheingold« (20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, Radio 3, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3), und der Deutschlandfunk sendet um 20.03 Uhr das Hörspiel → »Unser Deutschlandmärchen« von Dinçer Güçyeter (DLF 2026, Ursendung, auch So., 18.30 Uhr, DLF Kultur). Am Sonntag ist der Autor und Verleger Güçyeter, der früher Gabelstapler fuhr, in den → »Zwischentönen« zu Gast (13.30 Uhr, DLF). Zum Schluss noch einmal zur Literatur, die der Bachmann nachzuweisen war: Am Montag läuft bei HR 2 Kultur die erste von sechs ihrer Erzählungen, das → »Portrait von Anna Maria«, gelesen von Birgitta Assheuer (HR 1996, Mo., 9.30 und 14.30 Uhr).
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