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05.05.2026
- → Feuilleton
Inkompetenzbolzen
Unterzeile
Über die Bundesregierung ließe sich viel sagen, nur nicht viel Gutes. Immerhin folgt sie Prinzipien. Genauer: einem Prinzip, dem Peter-Prinzip, und das auch nur zu 50 Prozent. Mehr ist nicht drin, wer wie im Wahn Panzer baut, kann sich ganze Prinzipien nicht leisten. Das halbierte Peter-Prinzip der Regierung verkörpert der Bundeskanzler, wie der Reichskanzler behelfsweise genannt wird, seitdem der letzte seiner Art von den Russen ausgebombt wurde. Merz bestätigt den Leitgedanken des Peter-Prinzip-Entdeckers Dr. Laurence J. Peter, der da lautet: »Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen«, weil er seine Inkompetenzgrenze überschritten hat.
Des weiteren folgert Dr. Peter: Seine »Arbeit wird von den Mitarbeitern erledigt, die ihre Stufe der Inkompetenz noch nicht erreicht haben«, was auf das Bundeskabinett nicht zutrifft. Auch die Minister sind Knallchargen, deshalb schießt sich die Exekutive dauernd ins Knie. Ist vielleicht besser so. Ein irrer Despot mit funktionierendem Staatsapparat verursacht leicht Beschwerden wie Bombendurchfall und Verstopfung wichtiger Handelswege. Nein, → »Das Peter-Prinzip« sollte prinzipiell überwunden werden, und wie das geht, will Martin Haidinger in der nächsten »Science Arena« verraten (Mo., 16.05 Uhr, Ö 1). Der Wissenschaftsjournalist weiß Bescheid, lebt seit 56 Jahren inmitten ritualisierter Ignoranz: Er ist Österreicher.
Für die sieben Tage bis dahin schlägt die Radioprogrammkommission zehn Sendungen vor, von denen die schärfste, das sei vorangestellt, ganz am Ende steht. Da wäre zunächst das Hörspiel → »Ländliche Küche in Zentralfrankreich« von Harry Mathews über eine inzestuös gefüllte Lammschulter (DLF/HR, 2008, Di., 20.05 Uhr, DLF). Heinrich Baumgartner liest in den »Radiogeschichten« aus Ivan Cankars Roman → »Das Haus der Barmherzigkeit« (Mi., 11.05 Uhr, Ö 1). Das Hamburger Freie Radio berichtet →»10 Jahre nach dem Neonaziangriff auf Connewitz« über den Nachgang der Randale 2016 in Leipzig (Radio Blau 2026, Do., 14 Uhr, FSK).
Das »ARD-Radiofeature« blickt in → »Kampf der Geheimhaltung« zurück auf 20 Jahre Wikileaks und 14 Jahre Jagd auf Julian Assange (NDR 2026, Do., 15.04 Uhr, HR 2 Kultur, Fr., 15.05 Uhr, SWR Kultur, Sa., 13.05 Uhr, Bayern 2, 17.04 Uhr, SR Kultur, 18.05 Uhr, Bremen Zwei, So., 13.04 Uhr, WDR 5). Andreas Ammer hat dem jüdisch-deutsch-karibischen US-Poeten Bob Kaufman das Stück → »Thank Bob for Beatniks« gebaut (BR 2020, Fr., nach 20.03 Uhr, Bayern 2). Dominik Bartas Romanhörspiel → »Vom Land« beginnt bei Theresa, die ihrem Sohn aus der Stadt die Familiengeschichte vermacht (ORF 2021, Sa., 14 Uhr, Ö 1).
In einer plötzlich populären spätromantischen Oper von Erich Wolfgang Korngold zieht ein trauernder Witwer in die → »Die tote Stadt«, um sich unglücklich zu verlieben; zu hören live aus dem Staatstheater Hannover (Sa., 19.05 Uhr, DLF Kultur, NDR Kultur). Aus München kommt der neue »Radio-Tatort« von Su Turhan, betitelt → »Blasted«, weil es andauernd bumst (BR 2026, Sa., 19.04 Uhr, HR 2 Kultur, 20.03 Uhr, Bayern 2). Als abgründig ist → »Der Beifahrer« von Pascal Garnier angekündigt, darin will sich ein gehörnter Gatte an seiner toten Frau rächen (HR 2026, So., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur). Und der versprochene Knüller ist der → »Untergang des Egoisten Fatzer – Ein Fragment« von Heiner Müller, montiert aus Brechts Entwürfen und musikalisch erschüttert von den Einstürzenden Neubauten (Rundfunk der DDR 1987, So., 18.30 Uhr, DLF Kultur).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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