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Die Fesseln ablegen

Foto: United Archives/IMAGO
Waren mal irgendwie wichtig: Tic Tac Toe

Das Freie Radio in Halle (Saale) stärkt seine Basis. Radio Corax (95,9 MHz) will am kommenden Dienstag die Kampagne »959 Freunde« starten, deren Ziel es ist, möglichst viele neue Mitglieder in den Förder- und Freundeskreis des Senders zu holen. Nicht etwa, weil es nice wäre, mehr Buddies zu haben. Corax bereitet sich auf die drohende Regierungsübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt nach der Wahl im Herbst vor. Die Faschisten haben angekündigt, den Hallensern den Hahn abzudrehen. Und anstatt herumzujammern, suchen die Radioraben nach Möglichkeiten, Mittel einzuwerben, damit ihr Sender weniger von öffentlicher Förderung abhängig ist.

Das ist konsequent und längst überfällig, in allen freien Radios in deutscher Sprache. Die behauptete Freiheit ist begrenzt, wenn die Sender Geld vom Staat nehmen – ein grundsätzliches Problem, nicht erst, seitdem die AfD ein Machtfaktor geworden ist. Der erste Schritt zurück in die Freiheit besteht darin, sich die Unterstützung der eigenen Hörer zu holen. Dafür ist es nötig, Ideen zu entwickeln, mit welchen Benefits man sich diese Unterstützung verdienen könnte. Radio Corax lädt seine Hörer und Freunde ein, am 2. Juni um 19 Uhr in den Sender am Unterberg 11 zu kommen, um die Kampagne »959 Freunde« anzuschieben. Danach wird gegessen, getrunken und getanzt.

Zu den Programmvorschlägen: Wieviel Shakespeare in Bob Dylan steckt, hat Julia Reuter für ihr Feature →  »All the world’s a stage« ausgerechnet (ORF 2017, Di., 16.05 Uhr, Ö 1). Und Vanessa Schlesier interviewte in Kabul afghanische Frauen, um deren → »Verlorene Freiheit« zu beschreiben (DLF 2026, Di., 19.15 Uhr, DLF).

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Die Bewegung für die Befreiung Südafrikas war notwendigerweise militant, aber auch sinnlich, das klingt an in der Sendung → »Performing the Struggle: Anti-Apartheid-Musik« im Wiener Freien Radio (Mi., 18 Uhr, ­Orange 94.0). Literarisch auseinandergesetzt mit revolutionärer Militanz hat sich Ricarda Huch 1910 in der Novelle → »Der letzte Sommer«; sie wird ab Donnerstag von Rosemarie Fendel in acht Teilen vorgelesen (HR 1998, 9.30 und 14.30 Uhr, HR 2 Kultur).

Das Hitradio gesprengt haben vor dreißig Jahren drei Girlies aus der Vorstadt, die rotzig (»Ich find dich scheiße«) schwierige Themen aufwarfen; Meret Reh erinnert am Freitag abend im »Bayern 2 Salon« an → »Tic Tac Toe – Made in Germany« (1/4) (BR 2026, nach 20.03 Uhr). Noch später, zu Moonshine und Tüten, gibt’s bei den »Milestones« das John-Lee-Hooker-Album → »It serves you right to suffer«, dude, and now you pass the doober over and shut the fuck up (Fr., 22.05 Uhr, DLF).

Große Radiokunst: Das Hörspiel →  »Joseph Fouché«, von Frau und Freunden dem Nachlass von Otto M. Zykan entrissen (ORF 2007, Sa., 14 Uhr, Ö 1). Sehr bunte Bühne: Gabriela Lena Franks Oper → »El Último Sueño de Frida y Diego« über einen Diego Rivera, der seine Frida Kahlo der Unterwelt entreißen will, am Sonnabend zeitversetzt-live aus der Met (20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3).

In »Essay und Diskurs« stellt Nils Schniederjann → »Die Machtfrage – Muss die Linke sich von ihrem eigenen Liberalismus befreien?« (So., 9.30 Uhr, DLF). In der Komödie → »Chloé« von Mike Stott meuchelt sich eine englische Lady durch die bucklige Verwandtschaft (WDR 2009, So., 17.04 Uhr, WDR 5) und »Am Morgen vorgelesen« wird ab Montag → »Zsömle ist weg« (1/15) von László Krasznahorkai, die Geschichte vom guten Onkel Jozsi, der partout nicht König von Ungarn werden will (Mo., 8.30 Uhr, NDR Kultur, 9.04 und 19.04 Uhr, MDR Kultur).

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.05.2026, Seite 14, Feuilleton

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