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Documenta

Spuren tilgen

Die Erinnerung an die Documenta 15 verschwindet aus dem Kasseler Stadtraum

Foto: Rüdiger Wölk/IMAGO
Alles muss weg: Die bunte Bemalung des »Ruruhauses« wird getilgt

Anfang Juni macht die Kasseler Lokalzeitung Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) mit der Nachricht auf: »Ruruhaus: Documenta-Bemalung verschwindet«. Und tatsächlich sah man bereits Einrüstungen an dem Haus direkt an der Ecke zum Friedrichsplatz, dem zentralen Veranstaltungsort der Documenta-Ausstellungen. Bei der vergangenen wurde das ehemalige Kaufhaus als Verwaltungsgebäude genutzt, als zentraler Anlaufpunkt mit Kassen, Buchhandel, einem Bistro und verschiedenen Veranstaltungsflächen, auf denen auch das »public program«, also die Beiträge der Stadtgesellschaft zur Documenta 15, stattfinden konnte.

In Anlehnung an den Namen des Kuratoren-Teams Ruangrupa bekam das Gebäude den Namen »Ruruhaus«, den es auch nach Ende der Ausstellung behielt. Die Fassade des tristen Baus aus den 1950er Jahren wurde mit den Logofiguren der Documenta 15 verschönert. Sie waren ein willkommener farblicher Blickfang in der ansonsten monotonen Kasseler Innenstadt. Nachdem jedoch zum Juni 2026 der Mietvertrag der Documenta gGmbH auslief, ordnete die Stadt Kassel an, diese Bemalung unverzüglich zu entfernen, das Gebäude stehe schließlich unter Denkmalschutz. Die Bemalung der Fassade sei für die Weltkunstschau nur temporär genehmigt, die spätere Entfernung bereits im Vorfeld vertraglich fixiert worden.

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Das Ruruhaus soll zu einem Kultur- und Begegnungsort mit integrierter Stadtbibliothek umgebaut werden. Dafür wurde bereits ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. In einem mehrstufigen Verfahren wird bis zum Jahresende der Siegerentwurf gekürt. Im schönsten Politikersprech erklärt Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller (Bündnis 90/Die Grünen): »Mit der modernen Stadtbibliothek, einer Offenen Bühne und weiteren Angeboten entsteht hier ein Ort des Austauschs, des Teilens und der Gemeinschaft – ein Ort, an dem sich Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Gäste unserer Stadt willkommen fühlen sollen.« Nur eines soll es hier nicht mehr geben: eine Erinnerung an die letzte Documenta, die seitens der Medien und der Kulturbürokratie als »antisemitischer Skandal« verleumdet wurde. Während viele andere Kunstwerke früherer Ausgaben im öffentlichen Raum in Kassel zu finden sind, soll nach dem Willen der politisch Verantwortlichen von der Documenta 15 möglichst wenig sichtbar bleiben. Die 16. Ausgabe wird vom 12. Juni bis 19. September 2027 zu sehen sein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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