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25. Bundeskongress der DFG-VK

»Wir geben der Jugend die Protestform nicht vor«

DFG-VK will Beratungsangebote stärken und Aufbegehren junger Menschen unterstützen. Ein Gespräch mit Yannick Kiesel

Foto: Swaantje Hehmann/IMAGO
Waffen zerbrechen, Generationen verbinden: Die Flagge der DFG-VK wird bei einer Schulstreikdemonstration geschwungen (Osnabrück, 5.3.2026)

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, DFG-VK, hat ihren 25. Bundeskongress Ende Oktober in Stuttgart absolviert. Dort sollten wichtige Weichen für eine unüberhörbare pazifistische Stimme gestellt werden. Ist Ihnen das gelungen?

Wir gehen gestärkt aus dem Bundeskongress hervor. Mit kontinuierlich steigenden Mitgliederzahlen und mir als neuem Politischen Geschäftsführer entwickelt sich unser Verband weiter. Unsere Abschlusserklärung mit dem Titel »Friedensfähig statt kriegstüchtig!« formuliert einen klaren Gegenentwurf zur Militarisierung. Wir müssen auch anerkennen, dass die Friedensbewegung in den vergangenen Jahren viele junge Menschen nicht mehr erreicht hat. Das beginnt sich gerade zu ändern – und wir müssen selbst bereit sein, uns dafür zu verändern. Die positive Resonanz auf die »Unzwingbar«-Demonstration vom 2. Oktober hat gezeigt, welches Potential darin steckt, auch über die Friedensbewegung hinaus.

Welche inhaltlichen Fragen und Anträge zur laufenden Arbeit wurden diskutiert?

Im Mittelpunkt standen der Widerstand gegen die Wehrpflicht, der Ausbau unserer Beratungsstrukturen, unsere Bündnispolitik und die Frage, wie wir neue Protestbewegungen unterstützen können. Wer sich gegen Sozialabbau, für Klimagerechtigkeit oder für die Selbstbestimmung junger Menschen einsetzt, hat viele gemeinsame Interessen mit der Friedensbewegung. Wir wollen zum Beispiel individuelle Verweigerung stärker mit kollektivem Widerstand verbinden: im Klassenzimmer, im Betrieb, an der Universität oder im eigenen Alltag. Dazu gehört zum Beispiel auch unser Verweigert-Solifonds für Menschen, die sich der verpflichtenden Wehrerfassung verweigern. Für 2027 arbeiten wir zudem auf einen dritten »Verweigert!«-Kongress hin.

Sicherlich gab es auch inhaltliche Kontroversen, oder?

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Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Einschätzungen zu internationalen Konflikten und politischen Strategien. Uns verbindet aber eine klare pazifistische Haltung: Menschenrechte und Völkerrecht gelten universell. Wir verurteilen russische Völkerrechtsbrüche in der Ukraine ebenso wie die der USA und Israels, etwa in Gaza und im Iran. Wir stehen an der Seite der Betroffenen und fordern Schutz und Asyl für Kriegsdienstverweigernde sowie Deserteurinnen und Deserteure weltweit. Gleichzeitig grenzen wir uns entschieden von Rechtsextremen ab, die sich als Friedenskräfte inszenieren. Antimilitarismus und Antifaschismus gehören für uns untrennbar zusammen.

Welche Beratungsangebote bietet die DFG-VK derzeit an, und wie wollen Sie diese verstärken?

Unsere ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater unterstützen bundesweit Menschen bei der Kriegsdienstverweigerung. Immer mehr junge Menschen engagieren sich inzwischen selbst in der Beratung. Das verbindet jahrzehntelange Erfahrung mit einer Generation, die sich gerade durch die Wehrpflichtdebatte politisiert. Für dieses Jahr rechnen wir mit bis zu 20.000 neuen Kriegsdienstverweigerungsanträgen. Unsere Beratungsarbeit ist für viele Menschen der erste Kontakt mit der organisierten Friedensbewegung – und für manche der Beginn ihres eigenen politischen Engagements.

Wie kann es aus Ihrer Sicht gelingen, die Zusammenarbeit mit Jugendorganisationen, Schülerinitiativen und anderen antimilitaristischen Gruppen auszubauen?

Indem wir jungen Menschen nicht vorgeben, wie Protest auszusehen hat, sondern ihre eigenen Initiativen unterstützen. Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht zeigen, dass eine neue Generation politisch aktiv wird. Wir können Infrastruktur, Beratung, Erfahrung und bundesweite Vernetzung einbringen. Ein klares Zeichen unserer Solidarität konnten wir bereits beim Bundeskongress setzen, als wir Vertreterinnen und Vertreter der Schulstreikbewegung den Ludwig-Baumann-Preis überreichen durften.

Wir müssen aber auch selbst offen für neue Aktionsformen und Perspektiven sein. Entscheidend ist, die Kämpfe zusammenzudenken: Wer Milliarden für Aufrüstung ausgibt, während bei Bildung, Sozialem und Klimaschutz gekürzt wird, schafft neue gesellschaftliche Konflikte. Hier liegt die Chance für eine breite, generationenübergreifende Friedensbewegung.

Yannick Kiesel ist Politischer Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e. V. (DFG-VK)

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.11.2026, Seite 3, Inland

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