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Podcast »Radio Migrant«

»Migranten sind auch politische Subjekte«

Im Podcast »Radio Migrant« berichten Betroffene in Deutschland von ihren alltäglichen Kämpfen. Ein Gespräch mit Polina Manolova

Foto: Oliver Berg/dpa
Die Weseler Straße im Duisburger Stadtteil Marxloh (9.3.2018)

Sie haben Ende August die dreiteilige Podcastserie »Radio Migrant – Stimmen aus Südosteuropa« veröffentlicht. Wie kamen Sie darauf?

Die Idee entstand aus meiner Forschung zu und meinem Engagement in den Kämpfen migrantischer Menschen in Duisburg. Ich habe erlebt, wie Zwangsräumungen in Marxloh und Hochfeld die Wohn-, Arbeits- und Lebensverhältnisse bulgarischer und rumänischer Migrantinnen und Migranten beeinflussen. Der Podcast macht die rassistisch aufgeladenen Konflikte sichtbar, die Verdrängung aus Wohnraum, segregierte Arbeitsmärkte und einen zunehmend repressiven Sozialstaat prägen.

Wer kommt zu Wort?

Im öffentlichen Diskurs werden Menschen aus Südosteuropa häufig entweder als Menschen, die Sozialleistzungen misbrauchen, oder als Opfer krimineller Netzwerke dargestellt. Ich wollte zeigen, dass Migranten auch politische Subjekte sind, die sich organisieren und für bessere Arbeitsbedingungen, sicheren Wohnraum und soziale Rechte kämpfen. In den Folgen kommen etwa Menschen zu Wort, die von Zwangsräumungen betroffen sind, Bauarbeiter, die von schweren Arbeitsunfällen und deren Vertuschung berichten, sowie eine rumänische Frau, die einen fünfjährigen Rechtsstreit gegen das Jobcenter gewann. Außerdem zeigen wir, wie Basisinitiativen wie »Stolipinovo in Europa« gegen Ausbeutung in der Industriereinigung und gegen Zwangsräumungen kämpfen.

Die erste Folge untersucht die Wohnverhältnisse südosteuropäischer Migranten in den Duisburger Stadtteilen Marxloh und Hochfeld.

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Duisburg hat ein spezifisches Modell der Migrationskontrolle entwickelt, das stark auf Zwangsräumungen setzt. Seit 2014 nimmt die städtische »Taskforce Problemimmobilien« Wohngebäude unter dem Vorwand des Brandschutzes ins Visier. Bis November 2024 wurden 140 Gebäude geräumt und für unbewohnbar erklärt. Davon waren 3.330 Menschen betroffen, darunter 1.234 Minderjährige. Aktivisten schätzen, dass bis Anfang 2026 rund 5.000 Menschen verdrängt wurden; etwa 80 Prozent von ihnen waren bulgarische und rumänische Staatsangehörige. Die Familien verlieren nicht nur ihre Wohnungen, sondern auch ihre Meldeadresse und den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Sozialleistungen. Dadurch steigt ihre Abhängigkeit von schlecht bezahlter, nicht sozialversicherter und unsicherer Arbeit. Die Räumungen verringern zudem das verfügbare Wohnungsangebot und treiben die Mieten in die Höhe.

Das Bundeskabinett hat vor kurzem einen »Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und Ausbeutung« beschlossen. Wie bewerten Sie den?

Der Aktionsplan erkennt zwar an, dass Migranten von Arbeitgebern, Vermittlern und Vermietern ausgebeutet werden, sieht aber keine konkreten Maßnahmen vor, um diese Ausbeutung zu bekämpfen. Ich befürchte, dass dadurch besonders schutzbedürftige Menschen, die selbst Opfer von Ausbeutung sind, bestraft werden, anstatt diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die davon profitieren. Eine Reinigungskraft, die 40 Stunden im Monat arbeitet, kann beispielsweise auf ergänzende Grundsicherung angewiesen sein, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Nach den geplanten Änderungen könnte ein längerer Leistungsbezug eine Überprüfung des Beschäftigungsverhältnisses auslösen, obwohl die Person arbeitet. Am Ende droht, dass Beschäftigte kriminalisiert werden, die von niedrigen Löhnen nicht leben können.

Der Plan muss auch im Zusammenhang mit der Reform der Grundsicherung und den politischen Kampagnen betrachtet werden, die Migration aus Südosteuropa mit »Mafiastrukturen« und »Sozialleistungsmissbrauch« verknüpfen. Diese neoliberalen Erzählungen werden etwa von Bärbel Bas und Sören Link vorangetrieben. Der Podcast zeichnet die historischen Wurzeln dieses Diskurses nach und untersucht, wie er sich in Institutionen und politischen Maßnahmen verfestigt.

Die dritte Folge widmet sich der Reinigungsbranche. Welche Zustände werden beleuchtet?

Die Folge ist Refat Süleyman gewidmet, einem bulgarisch-türkischen Arbeiter, der 2022 bei Thyssen-Krupp Steel ums Leben kam. Die Arbeitsbedingungen für Industriereiniger haben sich seither nicht verändert. Thyssen-Krupp Steel plant außerdem, bis 2030 weitere 7.000 Arbeitsplätze abzubauen, während die anhaltende gewerkschaftliche Mobilisierung Leiharbeiter häufig außer Acht lässt. Ihre Arbeit bleibt unsichtbar.

Polina Manolova ist Soziologin und im Verein »Stolipinovo in Europa« engagiert.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.11.2026, Seite 3, Inland

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