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Neue Vonovia-Zahlen: Kerngeschäft Abzocke
Immobilienkonzern erbeutet 2,2 Milliarden Euro Gewinn in neun Monaten. Konzernchef hat trotzdem Sorgen
Abzocke bleibt der stärkste Ertragsbringer bei Vonovia. Am Mittwoch hat Europas größter Immobilienkonzern die Geschäftszahlen zum dritten Jahresquartal vorgelegt. Einmal mehr profitierten die Bochumer von gestiegenen Mieteinnahmen sowie Erlösen durch Zusatzdienstleistungen in den Bereichen »Handwerkerorganisation und Energiegeschäft«. Die jeweiligen Zuwächse beliefen sich auf 3,5 Prozent beziehungsweise 31,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nicht so gut lief es beim Verkauf von Wohnungen und im Neubaugeschäft, was den hohen Finanzierungskosten geschuldet sei, wie es in einer Unternehmensmitteilung heißt. Gleichwohl legte der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 3,3 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro zu.
Die Ergebnisse belegten erneut die »Resilienz unseres Kerngeschäfts«, erklärte der Vorstandsvorsitzende Luka Mucic. »Die Nachfrage nach bezahlbaren und modernisierten Wohnungen ist unverändert hoch.« Vonovia gehörten Ende September 527.488 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. Der Bestand ist damit um rund 5.000 Einheiten geschrumpft. Die Mieter mussten in den ersten neun Monaten des Jahres 3,5 Prozent mehr zahlen als im Vorjahreszeitraum. In der BRD liegt der Preis pro Quadratmeter im Schnitt bei 8,41 Euro, wogegen in der Alpenrepublik lediglich 5,87 Euro fällig werden. Der Konzernboss gab sich zuversichtlich: Man sei »langfristig gut aufgestellt«, und »wir nutzen unsere Stärken, um langfristig Wert zu schaffen: für unsere Aktionäre, unsere Mieter und unsere Mitarbeitenden«.
Tatsächlich befindet sich die Vonovia-Aktie seit Monaten im Sinkflug und hat sich seit Ende Februar im Wert fast halbiert. Der Konzern sei in einer »schwierigen Situation«, teilte am Mittwoch Maximilian Fuhrmann vom nordrhein-westfälischen Landesverband des Deutschen Mieterbunds (DMB) mit. »Das Geschäftsmodell von schuldenfinanziertem Wachstum, maximalen Mieterhöhungen, hohen Dividenden und überbewerteten Beständen stößt an seine Grenzen.« Ein Stimmungskiller für die Börsianer ist speziell das Vorhaben der Berliner Linkspartei, in einer möglichen Koalition mit Grünen und SPD Zehntausende Vonovia-Wohnungen in der Hauptstadt zu vergesellschaften. »Die Pläne bereiten uns natürlich Sorgen«, äußerte sich gestern auch Mucic. Das wäre »aus unserer Sicht schlicht der falsche Weg und darüber hinaus natürlich auch rechtlich höchst fragwürdig«, sagte er. Per Enteignung werde »keine einzige zusätzliche Wohnung« geschaffen, dabei suchten viele Menschen »verzweifelt ein Zuhause«, weshalb gelte: »Wir müssen mehr bauen und investieren.«
Dass Mucic angesichts der Vorgänge in Berlin damit droht, den Neubau einzustellen, »schreckt uns nicht«, bemerkte gestern Jasmina Rühl, selbst Vonovia-Mieterin und aktiv im »Berliner Bündnis gegen Vonovia & Co«. Der Konzern habe im ganzen Jahr 2025 lächerliche 2.090 Wohneinheiten neu errichtet, und »der Bau von Sozialwohnungen geht gegen null, weil sich damit keine saftigen Renditen für Aktionäre erwirtschaften lassen«, zitierte sie der gemeinnützige Mediendienstleister »das momentum«. Laut Rühl bewegen sich die Neubaumieten in der Spreemetropole zwischen 18 und 22 Euro pro Quadratmeter und erreichen in der Spitze bis zu 27 Euro. Das könne sich kaum jemand leisten: »Auf solche Investoren können wir gut verzichten. Berlin ist besser dran ohne sie«, so die Aktivistin und weiter: »Wir können und werden nicht weiter zulassen, dass ein Dax-Konzern das Grundrecht auf Wohnen der Dividende opfert.«
Im ersten Halbjahr hat Vonovia Immobilien im Wert von rund 700 Millionen Euro veräußert, was einem durchschnittlichen Stückpreis von 140.000 entspricht. Die Berliner Koalitionäre in spe wollen pro verstaatlichter Wohnung 100.000 Euro an Kompensation zahlen, also maximal 16 Milliarden Euro bei 160.000 Objekten. Für Vonovia sprängen so rund zwölf Milliarden Euro heraus. Die Financial Times hatte den Immobilienbestand des Konzerns auf rund 20,4 Milliarden Euro geschätzt, was einen Verlust von 8,4 Milliarden Euro bedeute. Dem widersprach Fuhrmann vom Deutschen Mieterbund NRW. Er nennt das Angebot »eine Entschädigung zum Marktwert«. Vonovia sei an der Börse »nur noch 14 Milliarden Euro wert« und habe zugleich 40 Milliarden Euro Schulden. Der Gesamtbestand von knapp unter 530.000 Wohnungen sei nach dieser Berechnung nur 54 Milliarden Euro wert, was besagten 100.000 Euro pro Einheit entspräche.
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Onlineabonnent*in Andreas E. aus S. 4. Nov. 2026 um 21:56 UhrMir als Vonovia-Mieter kommt beim Lesen dieser Zeilen der Kaffee hoch. Ich wohne seit ziemlich genau 14 Jahren in einer Vonovia-Wohnung, die vor vier Jahren von der Deutschen Wohnen verkauft wurde. Was haben wir erlebt? Mieterhöhungen, Erhöhung der Betriebskosten, grundlegend falsche Betriebskostenabrechnungen - aber keine Sanierungen, Reparaturen auf dem Niveau der möglichst minimalen Erhaltung der Funktionen eines Hauses. Allein das Abwassersammelsystem ist nur noch Flickschusterei. Wir haben kaputte Fenster - die mit der Reparatur beauftragte Firma sagte uns, dass wir als Mieter ein Anrecht auf eine jährliche Überprüfung hätten. Anfrage bei Vonovia - keine Reaktion. Mitmieter in unserem Haus haben Schimmel in der Wohnung - sie warteten mehrere Jahre auf eine Reparatur des undichten Daches - mussten das vor Gericht einklagen! Aber 2,2 Milliarden Gewinn - für die Aktionäre und diejenigen im Konzern, die wie Herr Mucic (Gehalt laut Prognose für 2026 zwischen 3,5 und 4 Millionen plus Zulagen etc.) sich eine goldene Nase verdienen - auf Kosten derjenigen, die kaum eine Chance haben, anderweitig bezahlbaren Wohnraum zu mieten. Die Diskussion um eine Entschädigung für die Enteignung halte ich für absolut daneben. Hier verrät in Berlin die Linke den Volksentscheid zur Enteignung. Wohnen ist Grundrecht und darf nicht der Regulierung durch den Markt geopfert werden und schon gar nicht den privaten Interessen von irgendwelchen Vorständen!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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