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Bund bestellt Gaskraftwerke bei LEAG und RWE
Klimaschädlichste und teuerste Lösung für Dunkelflauten: Bundesnetzagentur erteilt Zuschläge für elf neue Gaskraftwerke
Die junge Generation wird mal wieder so richtig verarscht. Eigentlich längst nichts Neues mehr, dennoch immer wieder erwähnenswert. Der neueste Clou der Bundesregierung zum Auftakt der nächste Woche beginnenden UN-Klimakonferenz: Mit neuen Gaskraftwerken weitere zwei Jahrzehnte die Klimakrise eskalieren und das Ganze auch noch von den Stromverbrauchern bezahlen lassen.
Der Reihe nach: Die Bundesnetzagentur hat am gestrigen Dienstag die Zuschläge für elf neue Gaskraftwerke vergeben. Offiziell war die Ausschreibung offen, aber so gestaltet, dass Anbieter mit weniger klimaschädlichen Anlagen, wie etwa neuen Batterie- oder anderen Speichern, keine Chance hatten. Die großen Gewinner waren RWE mit drei und die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) mit sechs Projekten. Je nach Größe und Umfang des abgegebenen Gebots werden die Betreiber der neuen Anlagen jährlich 60 bis 100 Millionen Euro einstreichen. Dafür müssen sie nicht mehr tun, als ihre Anlagen jederzeit einsetzbar zu halten. Zusätzlich können sie Einnahmen mit dem Verkauf des erzeugten Stroms erwirtschaften. Eine neue Umlage, die ab 2031 mit der Stromrechnung zu zahlen sein wird, soll diese für 15 Jahre garantierten Subventionen finanzieren.
Offiziell sollen die neuen Gaskraftwerke der jederzeit sicheren Versorgung mit Strom dienen, wenn im nächsten Jahrzehnt die letzten Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Weitere Ausschreibungen sind geplant. Das Problem ist real, die nun angestrebte Lösung allerdings keineswegs die einzig mögliche, sicherlich die klimaschädlichste und vermutlich auch die teuerste. Batterie- und Druckluftspeicher wären eine Alternative. Pumpspeicherkraftwerke in alten Bergwerken oder Gravitationsspeicher, die große Gewichte mit überschüssigem Strom in die Höhe ziehen, ebenso. Der letztgenannte Speichertyp wurde in der Schweiz entwickelt. Die Gewichte werden bei Bedarf abgesenkt und treiben damit einen Generator an. Eine erste Anlage dieser Art wurde kürzlich in China in Betrieb genommen.
Das Problem mit der Versorgungssicherheit besteht darin, dass der Strom aus Windkraftanlagen und Solarpaneelen wetter- und tageszeitabhängig ist. Zeitweise sind sie inzwischen in der Lage, über 100 Prozent des Bedarfs in Deutschland und auch bei einer Reihe anderer EU-Mitglieder abzudecken. Im Jahresdurchschnitt sind es hierzulande bereits über 60 Prozent. Doch hin und wieder gibt es Phasen, wie in den letzten Tagen, in denen ein ausgedehntes Hochdruckgebiet die Winde dämpft und zugleich niedrige Temperaturen für Hochnebel sorgen, der die Sonneneinstrahlung mitblockiert. Diese sogenannten Dunkelflauten mit besonders niedriger Solar- und Windenergieproduktion treten nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem im Herbst und Winter auf, und zwar ein- bis fünfmal pro Jahr. Für gewöhnlich dauern sie nicht einmal vier Tage. In den bis zum Jahr 1950 zurückreichenden Daten dauerte das längste Ereignis dieser Art knapp zehn Tage. Neben den genannten und weiteren Speicherlösungen könnte eine bedarfsgerechte Steuerung der zahlreichen Biogaskraftwerke, an der es bisher mangelt, helfen, die Lücken aufzufüllen. Außerdem könnte sich ein Teil der Großverbraucher mehr als bisher an das Stromangebot anpassen.
Lösungen, die bereits seit vielen Jahren diskutiert und zum Teil auch erprobt, aber offensichtlich nicht gewollt sind. Statt dessen kommen einmal mehr die großen Konzerne zum Zuge, darunter ausgerechnet auch die zur tschechischen Holding EPH gehörende LEAG, die seinerzeit die Braunkohletagebaue in der Lausitz sowie die dazugehörigen Braunkohlekraftwerke vom schwedischen Staatskonzern Vattenfall geschenkt bekommen hat. Die Schweden hatten sogar 1,8 Milliarden Euro draufgelegt, um sich der fossilen Altlast zu entledigen. Nun sollen die Stromkunden der LEAG auch noch die Umrüstung der alten Anlagen auf Erdgas finanzieren.
Erdgas, das zunehmend durch Fracking gewonnen wird und daher besonders klimaschädlich und auch sonst für die Anwohner der Förder- und Verschiffungsanlagen in den USA und Argentinien eine einzige Umweltkatastrophe ist. Bei Förderung und Transport entweichen größere Mengen Methan, das ein besonders effektives Klimagas ist. Eigentlich sollte den Energiekonzernen mit einer EU-Verordnung auferlegt werden, diese Emissionen besser zu überwachen und später auch einzudämmen. Konservative und Rechtsextreme arbeiten jedoch im EU-Parlament in trauter Eintracht mit der Bundesregierung daran, die Fristen dafür möglichst lange hinauszuschieben. RWE und LEAG wird es doppelt freuen.
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