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Gelegenheit für Geschäfte
Tag zwei der »Berlin Security Conference«: Teilnehmer können Reden von »hybrider Bedrohung« wohl nicht mehr hören oder sind verkatert
»Deutsche Soldaten auf unseren Straßen bringen uns ein Gefühl von Sicherheit«, schwadroniert er geschichtsvergessen. Der zweite Tag der 25. »Berlin Security Conference« beginnt am Mittwoch mit einer Eröffnungsrede des litauischen Verteidigungsministers Robertas Kaunas. Litauen ist dieses Jahr das Partnerland der Konferenz. Seine Eltern hätten 50 Jahre unter »sowjetischer Besatzung« gelebt. Das Ziel der Russischen Föderation sei es, die Sowjetunion wieder aufzubauen. Dass die zahlreichen Vertreter der Techfirmen, Waffenproduzenten und Rüstungslobbyisten,gekommen sind, sich das anzuhören, darf bezweifelt werden. Sie sind hier, um sich fürs Geschäftliche zu vernetzen.
Dann betritt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Bühne. Er schwärmt vom deutschen Bundeswehr-Dorf an der NATO-Ostflanke: 4.800 Soldaten und 200 zivile Beschäftigte sollen dort stationiert werden. Der Aufbau der Panzerbrigade 45 laufe nach Plan. Diese sende »eine klare Botschaft in Richtung Russland – eine Botschaft der Abschreckung«, sagt Pistorius, grinst väterlich und schaut zu seinem jüngeren Amtskollegen aus Litauen. Die beiden wollen noch am selben Tag einen Vertrag zur strategischen Zusammenarbeit unterzeichnen.
Uniformierte und Anzugträger wirken am zweiten Tag der Konferenz abgeschlagen. Vielleicht können auch sie den Begriff »hybride Bedrohung« nicht mehr hören, oder sie sind verkatert. Schlapp lehnt sich ein blasser Mann mit der litauischen Flagge als Anstecker am Anzug gegen eine Drohne. Sein Kollege bringt ihm einen Kaffee. Hingegen voller Energie bei so viel »Kriegstüchtigkeit« ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie gefällt sich erkennbar in ihrer Rolle als Kongresspräsidentin der »BSC 26«. Betont lässig trägt die FDP-Politikerin Sneaker, während sie die erste »hochrangige Debatte« des Tages moderiert. »Brauchen wir aufgrund der hybriden Bedrohung eine neue Definition des Bündnisfalls nach NATO-Artikel 5?« fragt sie salopp den Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses, Admiral Giuseppe Cavo Dragone. Dieser findet, man müsse anhand der Auswirkung eines solchen Angriffes entscheiden: »Kann ein NATO-Staat bei einer Cyberattacke gegen Krankenhäuser oder Supermärkte schon Artikel 5 ziehen?« fragt er. Die Frage bleibt unbeantwortet. Hoffentlich für immer.
Auf weiß gedeckten Tischen finden sich die Snacks zur Kaffeepause. Gugelhupf Caprese, zweierlei Nudelsticks süßsauer oder doch ein Kokos-Kirsch-Smoothie? Die jüngeren unter den Anzugträgern sehen aus wie verkleidet. Sie versammeln sich zum Startup-Wettbewerb »Military Mobility«. »Was wir brauchen, ist militärische Mobilität bis an die Frontlinie«, ruft der Moderator euphorisch ins Mikrofon. Das litauische Startup-Unternehmen Pekkla »pitcht« eine Flugdrohne, die ohne GPS funktionieren soll. Der CEO, lässig im Holzfällerhemd, kann die erste Frage der Jury nicht beantworten. »Zu technisch für einen Finance guy«, entschuldigt er sich. »Wir wechseln von der Luft auf den Boden«, frohlockt der Moderator. Der offizielle Sponsor des Wettbewerbs ist die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers.
Der Ingenieur des nächsten Startups trägt eine Art Miniquad auf die Bühne. Es sieht aus, wie ein sehr teures Geburtstagsgeschenk für ein achtjähiges Kind. Die »Ratten«, so nennt der Entwickler die Fahrzeuge, funktionieren autonom. Sie verstecken sich im Gebüsch, rollen an und detonieren. Im Feld getestet wurden sie unter anderem von der Panzerbrigade 45 in Litauen. Triumphierend blickt der Ingenieur in Richtung der fünfköpfigen Jury: »Wenn du die Ratte siehst, ist es schon zu spät für dich, Mann!«
Der Rüstungshersteller Hensoldt möchte sich gegenüber junge Welt nicht äußern. Auch die Luftwaffe der Bundeswehr hüllt sich in Schweigen. Zu einer schriftlichen Antwort ist Airbus bereit. »Die Berlin Security Conference bietet uns eine gute Gelegenheit, uns mit unseren Kunden und Partnern auszutauschen und zu zeigen, wie unsere Verteidigungslösungen dazu beitragen, unsere Freiheit und demokratischen Werte zu schützen«, so ein Sprecher des Rüstungskonzerns. In der E-Mail befindet sich auch ein Link zu den Geschäftsergebnissen der ersten neun Monate des laufenden Jahres. Umsatz: 50,6 Milliarden Euro.
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