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Schaeffler streicht Jobs: Von wegen Krise
Schaeffler kündigt das nächste Kürzungsprogramm an. Der Autozulieferer will 3.500 Stellen streichen und fünf Werke schließen, davon vier in Deutschland
Der Plan sah anders aus. Dienstag morgen wollten die 430 Kollegen von Schaeffler in Dortmund die Arbeit niederlegen, um gegen das anmaßende Angebot der Metall- und Elektrounternehmen zu protestieren – sozusagen als ihr Beitrag in der aktuellen Tarifrunde. Doch plötzlich ging es nicht mehr um Lohnforderungen, sondern um Arbeitsplätze und die Existenz ganzer Familien in der Region. Wieder einmal.
Der Autozulieferer hatte tags zuvor alle Betriebsräte der deutschen Standorte nach Herzogenaurach kommen lassen, um sie beziehungsweise den Wirtschaftsbeirat der Konzernbetriebsrates über das nächste Kürzungsprogramm zu informieren. Das sieht vor, in Europa weitere 3.460 Stellen zu streichen, davon 2.660 in Deutschland. Fünf Werke sollen geschlossen werden, vier davon hierzulande: Berlin, Morbach, Schwalbach und – als größten der betroffenen Standorte – Dortmund. Darüber hinaus sind »Kapazitätsanpassungen« an acht weiteren Standorten geplant, darunter beim Werkzeugbau in Höchstadt an der Aisch und dem Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt.
Über die Details sollten die Beschäftigten am Dienstag in Belegschaftsversammlungen informiert werden. Zu Beginn jeder Schicht. Doch IG-Metall-Sekretär Jan Tacke äußerte im Gespräch mit jW Zweifel, ob das Management nach dem ersten Town Hall Meeting »noch Bock darauf hat«. Gewiss war schon vorher: Der geplante Streik wird stattfinden. Nur wann er enden würde, war am Dienstag morgen noch nicht klar. Solange es noch Aufträge gibt, bleibe Streik eine Option, so Tacke.
Offizielle Begründung für die neuen Kahlschlagpläne ist die Automobilkrise in Europa. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass das vorgeschoben ist. »Es geht um Gewinnmaximierung«, sagt Tacke und erinnert sich an seine erste Betriebsversammlung bei Schaeffler in Dortmund. Das war erst im Juni. Die Werksleitung malte zwei Balken an die Wand, von denen einer etwas länger war. Das Bild sollte offenbar das Konzernergebnis darstellen, anhand dessen der Managementvertreter – ohne genauere Zahlen zu nennen – erklärte: »Hier stehen wir, dort wollen wir hin.«
Dabei kritisiere der Betriebsrat schon lange, dass Schaeffler in Dortmund einseitig auf Produkte für Verbrennermotoren setze und sich nicht um neue Produkte bemühe, so Tacke. Wenn man dann gleichzeitig E-Mobilität eine Absage erteilt, komme es zu den besagten »Überkapazitäten«, die nun abgebaut würden. Erst 2024 hatte Schaeffler den börsennotierten Automobilzulieferer für Antriebstechnologien, Vitesco, übernommen, der unter anderem ein Werk in Dortmund hatte. Nun wird es geschlossen. Der Gewerkschafter vermutet, dass es Schaeffler im wesentlichen um die Marke ging.
Und tatsächlich sagt der Konzern es ja selbst. Das Programm, mit dem bis 2030 Einsparungen von 300 Millionen Euro pro Jahr erzielt werden sollen, nennt Schaeffler »Ergebnisverbesserungsprogramm«. In den ersten neun Monaten des Jahres setzte der Konzern mit 17,5 Milliarden Euro fast genauso viel um wie ein Jahr zuvor. Der Gewinn beträgt nun aber elf Millionen nach 244 Millionen Euro Verlust im vergangenen Jahr. Erreicht wurde das durch zahlreiche Kürzungsprogramme. Der neueste – »Horizon« genannte – Kahlschlag betrifft rund neun Prozent der Belegschaft in Deutschland. Zusammen mit bisherigen Sparprogrammen und bereits unterzeichneten 1.800 Altersteilzeitverträgen beträgt der Jobabbau 18 Prozent der hiesigen Belegschaft.
Der Unternehmensbeauftragte der IG Metall, Thomas Höhn, kritisiert, dass es außer einem Abbaukonzept und globalen Wachstumsplänen keine Antwort auf die Frage gäbe, »welche Produkte und Technologien künftig in Deutschland entwickelt und gefertigt werden, wo investiert wird und wie viel Beschäftigung Schaeffler hier bis 2030 sichern will«. Im Gegenteil wird eine Strategie sehr deutlich, und die heißt: Wachstum durch Abbau und Arbeitsverdichtung. Aber dagegen kann man sich wehren.
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