Wer gackert, muss …
Erste Warnstreiks in der Metallindustrie
Die Provokation hat keine andere Antwort verdient. Die Kapitalisten boten den Metallarbeitern in der vergangenen Woche in allen Tarifgebieten eine Nullrunde bis Mitte 2028 an. Dann soll es mit sechs Monaten Restlaufzeit 1,3 Prozent mehr Lohn geben. Mitte 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent, aber nur wenn die Geschäfte gut laufen. Am Sonntag morgen gingen daher prompt nach Ende der Friedenspflicht um Mitternacht bundesweit die ersten Warnstreiks in der Metallindustrie los. Bereits am Montag wollen die Gewerkschafter mit weiteren kurzfristigen Ausständen nachlegen.
Dabei hatte die Industriegewerkschaft Metall (IGM) mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Lohn für ein Jahr bereits reichlich tiefgestapelt. Die Unternehmer belohnten die zur Schau gestellte Bescheidenheit freilich nicht. Nun bleibt der IGM-Führung um die Vorsitzende Christiane Benner nicht mehr viel Spielraum. Im Interview mit der FAZ vom Freitag drohte sie mit einer »Eskalation des Tarifkonflikts«, wenn die Metallbosse »ihren Kurs nicht deutlich korrigieren«. Und das bereits in der nächsten Verhandlungsrunde.
Doch wer gackert, muss auch legen. Die Gewerkschaftschefin wird bald an ihren Worten zu messen sein. Denn nach der ersten Warnstreikrunde werden die Unternehmer an den Tisch zurückkehren, auch das gehört zum über Jahrzehnte eingeübten Ritual. Die jahrelange Nullnummer, die sie beim letzten Mal im Gepäck hatten, lässt ihnen deutlich Luft nach oben. Auch ein denkbar schlechtes, aber trotzdem höheres Ergebnis ließe sich als schmerzhafter Kompromiss verkaufen, der einmal wieder bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit geht.
Gerade den bereits gebeutelten Autobauern droht in der diesjährigen Lohnrunde ein zweifelhaftes Schicksal. Trotz der Ohrfeige, die das »Minusangebot«, so Benner in der FAZ, darstellt, bietet sie nur wenige Sätze später die andere Wange an. Das Pforzheimer Abkommen, das Abweichungen nach unten vom Flächentarif vorsieht, will sie »an der einen oder anderen Stelle noch erweitern«. Sprich: noch weniger Geld für noch mehr Beschäftigte. Und das auf die Frage nach der Sicherung von Produktionsstandorten und Arbeitsplätzen.
Fraglich allerdings, was sich die Mitglieder diesmal unterjubeln lassen. So könnte ein besonders gelbgefärbter Gewerkschaftsbezirk mit einem Pilotabschluss voranpreschen. Das ginge aber nicht ohne grünes Licht von oben. Oder die Metaller senden mit der jetzigen Warnstreikrunde ein Signal, das den Verhandlern rote Linien aufzeigt. Dann müssten mächtigere Warnstreiks oder der erste Erzwingungsstreik seit 2002 folgen.
Ist dafür jetzt noch Druck im Kessel oder haben der Automobilaktionstag und der ebenfalls eintägige Protest gegen Sozialabbau Ende September zum Dampfablassen in der Fläche ausgereicht? Schließlich will der Kapitalverband Gesamtmetall mit seiner Nullnummerprovokation den Generalangriff der Monopolisten vorantreiben. Womöglich hat er sich damit verkalkuliert. Die Metaller haben es endlich selbst in der Hand, die nächste Antwort zu liefern.
Hinweis: In der Printversion dieses Beitrags heißt es, die Einmalzahlung solle 1,3 Prozent betragen, es ist aber nur ein Prozent. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. (jW)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
