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Sowjetische KZ-Häftlinge

Chroniken von Mauthausen

A. W. Konopatschenkows Sammelband über Sowjetgefangene der Nazis in Wien vorgestellt

Foto: Rudolf Gigler/IMAGO
Feier zum 71. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen (5.5.2016)

Das KZ Mauthausen, nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz, war das einzige Konzentrationslager der Nazis auf österreichischem Gebiet. Zu ihm gehörte ein dichtes Netz von Außenlagern. Von 1938 bis 1945 wurden dort 200.000 Menschen festgehalten, von denen die meisten ums Leben kamen. Unter den Inhaftierten waren mehr als 30.000 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion. Mauthausen wurde im Mai 1945 von den westlichen Alliierten befreit. Einige Wochen zuvor war der Osten des Landes bereits von der Roten Armee befreit worden. Doch die einstigen Befreier sind heute nicht mehr willkommen.

Seit Jahren werden russische und belarussische Vertreter von den offiziellen Befreiungsfeiern ausgeschlossen. Statt dessen organisieren sie einen Tag zuvor, meist in Zusammenarbeit mit dem KZ-Verband Oberösterreich, ihr eigenes Gedenken. Ähnliches bei der Veranstaltung zum 80. Jahrestag des Ausbruchs aus Block 20 im Februar 2025: Nachkommen der sowjetischen Häftlinge reisten aus Russland an, Vertreter des offiziellen Österreichs oder politischer Parteien blieben fern. Diesem Geschichtsrevisionismus möchte A. W. Konopatschenkow mit einem neuen Band entgegentreten.

Zweisprachig, in Russisch und Deutsch, versammelt er in seinen »Chroniken von Mauthausen« Erinnerungen sowjetischer Gefangener. Die von Konopatschenkow gesammelten Texte sind damit zum ersten Mal auf deutsch veröffentlicht worden. Zusammengestellt wurden sie von der überregionalen Organisation »Vereinigung ehemaliger russischer Häftlinge des KZ Mauthausen«. Die Gesellschaft wurde 1999 gegründet: »Denn die Erinnerung an dieses schreckliche Kapitel der Menschheit darf nicht verlorengehen«, sagte Konopatschenkow bei der Buchpräsentation in Wien am vergangenen Donnerstag.

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Die Arbeit am Sammelband habe er begonnen, nachdem er mit einer Reisegruppe erstmals in Mauthausen gewesen war und sich gefragt hatte: »Warum gibt es so eine Hölle?« In Wien betonte er die Bedeutung der Veröffentlichung: »Im Frühjahr 1945 glaubten viele, dass der Faschismus verschwunden sei, doch er hat nur einen Schlag erhalten. Wie wir heute sehen, wurde er nicht gänzlich geschlagen.« Für Wolfgang Bandion vom Österreichischen Mauthausen-Komitee sind die Chroniken »das klassische Buch, das ich vielen jungen Menschen in die Hand geben möchte«.

Die ersten knapp 2.000 Sowjetbürger, die formal als »politische« Häftlinge galten, wurden am 23. September 1941 ins Stammlager Mauthausen gebracht. Weniger als einen Monat später, am 20. Oktober 1941, traf die erste Gruppe von 2.205 sowjetischen Kriegsgefangenen ein. Nur vier Tage später kam eine zweite, etwa gleichgroße Gruppe. Die Sowjetbürger wurden nach einer Überprüfung beim Bau des sogenannten Lagerreviers außerhalb des Konzentrationslagers eingesetzt. Die von ihnen errichteten Baracken wurden später als »Russenlager« bezeichnet. Nachdem dieser Bau fertiggestellt war, wurde ein großer Teil der sowjetischen Gefangenen in das im Bau befindliche Nebenlager Gusen verlegt. Praktisch alle Häftlinge, die 1941 ins Lager kamen, wurden im Frühjahr 1942 ermordet.

Eine weitere Möglichkeit, der sowjetischen Gefangenen in Mauthausen zu gedenken, bietet sich am 31. Oktober. Zu Ehren des sowjetischen Generalleutnants und Helden der Sowjetunion, Dmitri Michailowitsch Karbyschew, findet an seinem 146. Geburtstag am 26. Oktober eine Kranzniederlegung statt. In der Nacht zum 18. Februar 1945 war er im KZ Mauthausen von der SS ermordet worden. Laut Zeugenberichten wurde er bei eisigen Temperaturen so lange mit kaltem Wasser übergossen, bis er erfror.

A. W. Konopatschenkow (Hg.): Die Chroniken von Mauthausen. Aus den Erinnerungen sowjetischer Gefangener. Nauka-Verlag, Moskau 2026, 209 Seiten

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.10.2026, Seite 15, Antifaschismus

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