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Sparorgie bei Jaguar Land Rover

Britische Autoindustrie in der Krise

Jaguar Land Rover will bis zu 4.000 Stellen vernichten; Gewerkschaft schreitet ein

Foto: PA Wire/Jaguar Land Rover via dpa
Bald womöglich arbeitslos: Beschäftigte von Jaguar Land Rover im Werk bei Wolverhampton

Der britische Autohersteller Jaguar Land Rover (JLR) plant, Tausende Stellen zu streichen. Wie JLR am Wochenende mitteilte, sollen in den kommenden zwei Jahren rund 1,7 Milliarden Pfund Sterling (rund zwei Milliarden Euro) gekürzt werden. Einem Bericht der Times zufolge könnten dieser Sparorgie bis zu 4.000 Stellen zum Opfer fallen. Das entspricht rund zehn Prozent der weltweit rund 43.000 Köpfe zählenden Belegschaft.

JLR erklärte lediglich, ein Programm für freiwillige Aufhebungsverträge aufzulegen, um den »sich wandelnden Marktbedingungen« gerecht zu werden. Vorstandschef Pathamadai Balachandran Balaji beteuerte, man sei bestrebt, alle Betroffenen während des Stellenabbaus »mit Sorgfalt, Fairness und Respekt zu unterstützen«. Die BBC zitiert ihn mit den Worten: »Die Automobilindustrie steht vor erheblichen Herausforderungen, geprägt von technologischem Wandel, intensivem Wettbewerb und anhaltender geopolitischer Unsicherheit.« Daher rührt vermutlich die Drohung des Konzerns, bei Bedarf auch betriebsbedingte Kündigungen zu weniger großzügigen Konditionen auszusprechen, sollten der Stellenabbau vermittels freiwilliger Aufhebungsverträge bis zum 4. Oktober nicht gelingen.

Das ruft freilich Unite, die Gewerkschaft der JLR‑Beschäftigten, auf den Plan. Deren im August wiedergewählte Generalsekretärin Sharon Graham traf sich gemeinsam mit Labour-Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds und den Vorständen des Unternehmens am Dienstag nachmittag. Zudem liefen Gespräche mit Richard Parker, dem Bürgermeister der West Midlands, schrieb Unite auf X. Dort ist der britische JLR-Standort nahe der Stadt Coventry angesiedelt. Man habe »bereits eine entscheidende Rolle dabei gespielt, JLR nach dem Cyberangriff staatliche Finanzierungsmittel in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund (1,75 Milliarden Euro) zu sichern«, erklärte die Gewerkschaft. Nun müssten »alle verfügbaren Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Arbeitsplätze und die Zukunft der Automobilindustrie zu schützen«.

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Verantwortlich für die Misere sind laut Unite jahrelange Investitionsdurststrecken, sprich mangelnde Modernisierung und daher verpasste Anpassung an Marktveränderungen, zudem hohe Energiekosten für die Industrie sowie unrealistische Vorgaben für emissionsfreie Fahrzeuge. Dies alles setze der einst großen britischen Automobilbranche zu. Kurzum: »Die Beschäftigten dürfen nicht für Versäumnisse zur Kasse gebeten werden, die sie nicht selbst zu verantworten haben.« Graham kritisierte zudem »deutliche Diskrepanzen zwischen den Informationen, die der Belegschaft hinsichtlich des Zeitplans sowie des Umfangs übermittelt wurden, und den Aussagen vom Wochenende«.

Des Quinn, nationaler Unite-Organisator, fügte hinzu: »Dies ist eine unglaublich besorgniserregende und belastende Zeit für die Beschäftigten von JLR. Wir arbeiten rund um die Uhr daran, das bestmögliche Ergebnis für unsere Mitglieder zu erzielen.« Über mögliche Arbeitskampfmaßnahmen wollte sich die Gewerkschaft nicht äußern. Unite gehörte in den vergangenen Jahren zu den kämpferischsten Gewerkschaften des Landes. Laut eigenen Angaben wurden 80 Prozent der Arbeitskämpfe gewonnen. An ihrer Streikbereitschaft hat auch die seit Juli 2024 amtierende Labour-Regierung nicht gerüttelt. Graham gehört im Gegenteil zu den bekanntesten Labour-Kritikern innerhalb der britischen Gewerkschaftsbewegung.

Der Sprecher des Premierministers Andy Burnham erklärte: »Wir verstehen, dass dies für die Betroffenen eine Zeit der Ungewissheit und der Sorge sein wird.« Offen bleibt somit, was wann wie genau gegen den Kürzungskurs bei JLR unternommen wird. Zu hoffen bleibt indes, dass Unite das in der deutschen Automobilindustrie erprobte Komanagement nicht übernimmt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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