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Junge Kommunisten in Brandenburg

»Viele tragen mit Stolz Hammer und Sichel«

In Brandenburg an der Havel treten junge Kommunisten offen auf und suchen den Konktakt mit der Bevölkerung. Ein Gespräch mit Malte W.

Foto: Rotes Kollektiv Brandenburg
Bannerdrop-Aktion zum Schulstreik gegen Wehrpflicht (Brandenburg an der Havel, 5.3.2026)

Die SPD-geführte Landesregierung in Brandenburg behandelt alle Organisationen, die in einem Jahresbericht der 17 Verfassungsschutzbehörden genannt werden, als verfassungsfeindlich. Begründet wird das mit dem Einhegen von AfD-Aktivitäten an Schulen. Welche Konsequenzen hat das für linke Zusammenschlüsse?

Das trifft am Ende diejenigen, die wirklich gegen rechts kämpfen. Solche Hirnwürmer reihen sich ein in Debatten über ein AfD-Verbot.

Was macht diesen Ansatz unwirksam?

Wenn man einem 14jährigen seinen AfD-Kugelschreiber in der Schule abzieht, dann fühlt der sich in seiner Ansicht bestätigt, dass man als AfDler widerständig wäre und die Schulen sowie der Staat von Linksradikalen unterwandert seien. Das macht für uns die Hürde viel höher, an solche jungen Leute heranzukommen.

Das »Rote Kollektiv Brandenburg« wird vom Brandenburger Verfassungsschutz als »kommunistische Jugendgruppe« der Kategorie »Dogmatische Linksextremisten« zugeordnet. Entspricht das Ihrem Selbstverständnis?

Die Frage gefällt mir (lacht), weil der Dogmatismusbegriff in dieser Form nur ein Kampfbegriff ist. Nach dem Motto: Schaut her, das sind die Ewiggestrigen, die Kommunisten, die Theorien von vor 100 Jahren anhängen, mit denen man die Welt heute gar nicht mehr richtig beschreiben kann. Ja, wir sind eine kommunistische Jugendgruppe, marxistisch-leninistisch – aus einem einfachen Grund: Die Analysen von damals passen konkret auf die Verhältnisse von heute. Dabei ist der Streit um die richtige Auffassung des Marxismus ein dauerhafter Prozess, und wir bemühen uns, ihn auf die Brandenburger Verhältnisse anzuwenden.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit in Brandenburg an der Havel?

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Wir reden viel mit Leuten aus der Stadt, die teils aktiv auf uns zukommen. Wenn wir dabei merken, dass unser Auftreten oder unsere Auffassung keinen Anklang findet, diskutieren wir das aufrecht auch untereinander. Das Ziel ist, von den Leuten zu lernen, denen wir alltäglich begegnen. In der Stadt sind wir sehr präsent, machen da hauptsächlich Angebote für junge Leute. Wir wollen vor allem die Arbeiterjugend ansprechen, sind dafür beispielsweise bei Fußballturnieren, bieten Bildungsangebote, betreiben Infostände. Dort kommen wir in Kontakt mit nicht anpolitisierten Leuten, die uns vielleicht bei Instagram gesehen haben oder die vom Einkaufen oder von der Arbeit kommen.

Wie lange machen Sie das schon?

Wir haben uns rund um den 1. Mai 2024 gegründet, sind also seit ungefähr zweieinhalb Jahren aktiv. Unser »Rotes Kollektiv« besteht mittlerweile aus rund 30 Aktiven und ist mit anderen Kollektiven vernetzt, die sich wie wir als Teil der bundesweiten roten Jugendbewegung begreifen.

Was bekamen Sie zuletzt im Kontakt mit der Bevölkerung zu hören?

Die Menschen sind wütender als noch vor zwei Jahren und auch offener für unsere Positionen. Sie kommen zu uns an den Infostand und loben uns für unseren Mut sowie für unsere Aktivitäten. Das waren nicht nur Jugendliche, die unseren Instagram-Auftritt kennen, sondern zum Beispiel auch die klassische alleinerziehende Mutter. Wir sagen denen nicht einfach nur: Schau auf unsere Flyer mit Hammer und Sichel und schließ dich an. Wir reden über die Spritabzocke, die sogenannte Rentenreform oder den Aufrüstungskurs der Bundesregierung. Auf der Basis versuchen wir herzuleiten, dass alles zusammenhängt.

Das verfängt?

Auf jeden Fall. Das muss es auch, denn wo die kommunistische Bewegung schwächelt und keine Fundamentalopposition aufstellt, um die Wut aufzugreifen, suchen die Menschen woanders Antworten. Ich sehe aber, wie sich sehr viele Jugendliche nicht mehr dafür verstecken, dass sie Hammer und Sichel auf ihren T-Shirts tragen, sondern darauf stolz sind.

Was können Sie vor diesem Hintergrund zum politischen Kräfteverhältnis in Ihrer Stadt sagen?

Es gibt zum Glück keine organisierten rechten Zusammenschlüsse. Was es gibt, sind einzelne Freundesgruppen, die sich über eine rechte Subkultur identifizieren. Andererseits kann das auch ein höheres Gewaltpotential zur Folge haben, wenn keine AfD-Jugend disziplinierend wirkt oder alte Vordenker aus den 90er Jahren die rechten Jugendlichen strategisch zur Zurückhaltung anhalten. Die anderen bürgerlichen Organisationen haben sehr wenig Zulauf. Dort werden die Jugendlichen vor allem eingespannt, um in Wahlkämpfen zu unterstützen oder für »die Demokratie« zu agitieren.

Was raten Sie jungen Menschen, die sich organisieren wollen?

Wir waren früher auch an dem Punkt, dass es nichts für uns gab und wir uns deshalb unseren eigenen Zusammenschluss geschaffen haben. Heute können wir anderen helfen. Junge Genossen können sich bei uns oder der Roten Jugend Deutschland melden. Das Wichtigste ist: Versteckt euch nicht. Seid in eurem Sportverein, seid im Betrieb, seid in der Schule als Kommunisten ansprechbar. Sprecht mit den Leuten über Sorgen und Nöte, guckt, wo ihr Gleichgesinnte findet, und schließt euch zusammen. Das ist die einzige Chance, die wir haben. Und die müssen wir nutzen.

Malte W. (Name geändert) ist aktiv im »Roten Kollektiv Brandenburg« in der gleichnamigen Havelstadt

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.10.2026, Seite 2, Inland

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