Aus der Defensive
Treffen von Trump mit Xi
Immer wieder lohnt es sich bei der Beobachtung der internationalen Politik, sich unscheinbare Details vor Augen zu führen. Als US-Präsident Donald Trump im Mai in Beijing eintraf, da begrüßte ihn am Flughafen Chinas Vizepräsident Han Zheng. Wenn umgekehrt Präsident Xi Jinping am Mittwoch in Washington, D. C., ankommt, soll nicht J. D. Vance, sondern Trump persönlich ihn an der Joint Base Andrews willkommen heißen. Das deutliche Gefälle in den protokollarischen Ehren, das sich da zeigt, hat seinen Grund: Trump braucht das Treffen mit Xi und, wenn nur irgend möglich, einen diplomatischen Erfolg erheblich dringender als die chinesische Seite. Das protzige Gehabe ihres Präsidenten kann längst nicht mehr darüber hinwegtäuschen: Gegenüber China geraten die Vereinigten Staaten inzwischen fast schon in die Defensive.
Da wäre der Wirtschaftskrieg, mit dem Trump die Volksrepublik in die Knie zwingen wollte, der ihn nun aber selbst immer stärker in die Bredouille bringt. Beijings Haupthebel sind nach wie vor die seltenen Erden, bei denen die USA weiterhin von Importen aus China abhängig sind. Im August hat die Volksrepublik ihre Lieferungen um ein Fünftel reduziert: ein kleiner Hinweis darauf, wer hier auf wen angewiesen ist. Und nicht nur das. Während die Volksrepublik zuletzt trotz aller US-Attacken ihre Exporte immer weiter steigern konnte und damit gutes Geld verdient, kassiert Trump einen Backlash nach dem anderen. Der Iran-Krieg ist für ihn – Stichworte: hohe Spritpreise, schwere Schäden an den US-Stützpunkten in Mittelost – zum vollen Eigentor geworden. Die Umfragewerte? Sie sind im Keller. Die KI? Auch da holt China auf.
Trump, die Zwischenwahl im November vor Augen, die für ihn zum Desaster zu werden droht, hat also kaum eine andere Wahl, als dem heimischen Publikum ein Erfolgstreffen mit Xi zu präsentieren. Das verschafft Beijing einigen Manövrierspielraum. China benötigt, will es sein Wachstum und damit seinen globalen Aufstieg fortsetzen, vor allem eines: Stabilität. Die wird es nun von Washington einzufordern suchen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es dabei Fortschritte erzielt: Weitere riskante Manöver, die letzten Endes nach hinten losgehen, kann sich Washington zur Zeit nicht wirklich leisten. Trump wird sich daher wohl tatsächlich zur Joint Base Andrews bequemen müssen. Bereits dies ist – auf symbolischer Ebene – ein kleiner Punktgewinn für Beijing.
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