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Wirtschaftspolitik

Kostentreiber Kraftstoff

Gewerkschaftsnahes Institut IMK warnt vor neuem Energiepreisschock und kritisiert die EZB‑Zinspolitik

Foto: IMAGO/photothek
Alltagsphänomen Energiearmut: Trotz klirrender Kälte draußen bleiben die heimischen Heizkörper lau

Die Inflation geht vor allem wegen der weiter steigenden Preise für Kraftstoffe in die Höhe. Im August stieg sie um 0,1 Punkte auf 2,9 Prozent. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat für seinen aktuellen Inflationsmonitor die spezifischen Teuerungsraten von neun verschiedenen Haushaltstypen untersucht.

Die steigenden Preise für Kraftstoffe würden sich danach am stärksten auf Familien mit mittleren und niedrigen Einkommen auswirken, da sie oft ein Auto benötigten, um etwa ihre Kinder zu transportieren. Ihre Inflationsrate stieg zwischen Juli und August um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte. Die Inflationsexpertin Silke Tober untersuchte die neun Haushaltstypen – bei acht von ihnen lag die Inflationsrate in einem Bereich zwischen 2,7 und 3,2 Prozent. Bisher hätten sich die steigenden Energiepreise noch nicht bei den Kosten für andere Waren niedergeschlagen, stellte sie fest. Nahrungsmittel wurden zwischen August 2025 und August 2026 um im Durchschnitt 0,1 Prozent teurer. Strom und Gas waren gegenüber dem Vorjahr geringfügig günstiger, was mit langen Vertragslaufzeiten der Kunden erklärt wird. Alleinlebende mit niedrigen Einkommen, die selten oder nie Auto fahren, Reisen unternehmen oder aufwendigere Dienstleistungen konsumieren, hatten im August mit zwei Prozent die niedrigste Inflationsrate aller Haushaltsgruppen. Das unterscheide die derzeitige Teuerung in ihrem Ausmaß und der sozialen Verteilung stark von der Inflation im Jahr 2022, als nach dem Beginn des Ukraine-Krieges die Preise für Heizung, Strom und Lebensmittel sehr schnell in die Höhe gingen. Das traf damals besonders stark Haushalte mit geringeren Einkommen. Familien mit niedrigen Einkommen mussten elf Prozent und ärmere Alleinlebende 10,5 Prozent Inflation verkraften. Am besten kamen Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen weg, für die die Teuerungsrate 7,9 Prozent ausmachte.

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Aktuell werde die Inflationsrate laut Tobers Analyse allein von den Kraftstoffpreisen getrieben, und sie ist in Folge des Iran-Krieges von 1,8 Prozent im Dezember 2025 auf 2,9 Prozent im August 2026 gestiegen. Im Euro-Raum zeigt sich ein ähnliches Bild. Allerdings stiegen in einigen Nachbarländern auch wegen anderer Vertragslaufzeiten die Preise für Gas und Strom stärker. Inflationsexpertin Tober kritisierte die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins zu erhöhen. Der Energiepreisschock könne so nicht wirksam bekämpft werden. Gleichwohl habe die EZB »im September die Finanzierungskosten für die ohnehin stark belastete Wirtschaft erneut erhöht«. Da derzeit die Dynamik bei Lohnsteigerungen nachlasse, der Arbeitsmarkt sich abgeschwächt habe und zudem die Teuerung bei Dienstleistungen und weiteren Produkten sogar gesunken sei, gebe es keinen »hinreichenden Grund, die Konjunktur durch Zinserhöhungen zusätzlich zu schwächen«. Die Regierungen der Euro-Länder sollten hingegen bei den Preisen für Rohöl und Mineralölprodukte dämpfend eingreifen, wenn es nicht sehr bald zu einer Entschärfung der Lage komme. Für Deutschland nennt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, eine erhöhte Subventionierung der Stromnetzentgelte ebenso als sinnvolle Maßnahme wie eine Neuauflage des Tankrabatts. »Wir sind gerade wieder mitten in einem heftigen Energiepreisschock«, so Dullien. »Für die wirtschaftliche Stabilität sollten alle Instrumente zur Preisdämpfung geprüft werden, einschließlich Preisdeckeln, vorübergehenden Subventionen und Übergewinnsteuern.«

Das sei um so dringender, da die Bundesregierung selbst mit einigen ihrer politischen Maßnahmen die Preise in die Höhe getrieben habe, betonte Tober. So steigen die Zuzahlungen bei Arzneimitteln und Krankenhausbehandlungen für gesetzlich Krankenversicherte zum 1. Januar 2027, was die Teuerung wieder antreiben dürfte. Dullien: »Damit steigt das Risiko weiterer Zinserhöhungen und eines abrupten Endes der aktuellen wirtschaftlichen Erholung.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2026, Seite 5, Inland

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