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Arbeitskämpfe Autoindustrie

VW-Arbeiter kommen in die Offensive

Gegen Leisetreterei und Rüstungsproduktion: Bei Volkswagen melden sich »Gewerkschafter von unten« mit einem offenen Brief zu Wort

Foto: Rene Chlopotowski/dpa
Gewerkschaftlich organisierte Metaller ziehen durch München (8.10.2026)

Lange haben die Gewerkschafter in den deutschen Industriekonzernen alles Mögliche hingenommen: Entgeltabschlüsse, die kaum die Preissteigerung ausgleichen, Arbeitszeitverlängerungen und Verzicht auf Sondervergütungen – wenn nur viele Stellen gesichert werden. Doch nun regt sich in Unternehmen der Automobilindustrie Widerstand von der Basis. Nach einer Protestresolution des Vertrauenskörpers bei Mercedes Untertürkheim haben sich Vertrauensleute und Betriebsräte aus Werken des Volkswagen-Konzerns zu Wort gemeldet.

Seit Monaten drohen die VW-Bosse mit dem Abbau Tausender Arbeitsplätze und der Schließung ganzer Werke. Die Kündigung der zentralen Tarifverträge Ende September durch die Geschäftsleitung und ihre Bereitschaft, Rüstungsgüter statt ziviler Automobile zu produzieren, scheint nun den innerbetrieblichen Widerstand voranzubringen.

Als »Gewerkschafter von unten« bezeichnen sich die Autoren eines offenen Briefes. Sie wollen auf das Vorhaben des VW-Vorstands mit einer offensiven Gegenstrategie reagieren. Statt sich weiter in Abwehrkämpfen zu verheddern, wollen die Verfasser die Kündigung der Tarifverträge als Chance nutzen, »Verbesserungen zu unseren Gunsten durchzusetzen und damit auch die Voraussetzungen dafür zu schaffen, rechtmäßig in die Tarifauseinandersetzung und in den Streik zu gehen«.

Es müsse Schluss sein mit sozialpartnerschaftlicher Leisetreterei – wie bei der als »Weihnachtswunder« bezeichneten Einigung zwischen IG Metall und Management vor zwei Jahren, zwar 35.000 Stellen zu streichen, aber über einen längeren Zeitraum und ohne Kündigungen vor Weihnachten 2024, verbunden mit einer Entgeltsteigerung von fünf Prozent und dem Verzicht auf tarifliche Leistungen.

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Das habe keine Ruhe in den Betrieb gebracht, zumal die Entgelterhöhung zunächst ausgesetzt wurde. Das damalige Agieren sei »ein Zeichen der Schwäche« gewesen und habe »den Vorstand ermutigt, zu glauben, dass für Porsche und Piëch noch mehr drin ist«, schreiben die »Gewerkschafter von unten«.

Leitidee des neunseitigen Briefes ist es, die Lage für die VW-Kollegen zu verbessern und keinen Verzicht mehr zu akzeptieren. Die jahrelange Praxis, sich am Ende auf das »kleinere Übel« einzulassen, habe sich an keiner Stelle bewährt und dürfe nicht fortgesetzt werden.

Bereits Anfang September hatte einer der Verfasser des jetzigen Schreibens, Christian Schulze, Vertrauensmann aus dem VW-Werk Braunschweig, sich in einem offenen Brief kritisch mit der eigenen Gewerkschaft IG Metall auseinandergesetzt. Tarifverträge, Entgeltsteigerungen, soziale Standards und vieles mehr, was Generationen von Kollegen durch Streiks und die Inkaufnahme persönlicher Nachteile erkämpft hätten, würden Stück für Stück abgebaut, ohne dass die Gewerkschaftsmitglieder und Beschäftigten das wollten. Dabei regele die Satzung der IG Metall klar, dass die Gewerkschaft die »wirtschaftlichen, sozialen, beruflichen und kulturellen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern« und sie in Entscheidungen einzubeziehen habe. Gewerkschaftliche Meinungs- und Willensbildung müsse von unten stattfinden.

Mit dem offenen Brief setzen die »Gewerkschafter von unten« bei VW diesen Anspruch um und listen zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Konzern auf. So müsse es Arbeitszeitverkürzungen geben, weil das der einzige Weg sei, »unsere Arbeitsplätze wirksam« zu verteidigen. Zugleich dürfe nicht akzeptiert werden, in weniger Zeit mehr zu arbeiten. Abstriche beim Lohn würden abgelehnt. Der Kündigungsschutz müsse verbessert werden. Die Betriebsräte sollten die »Sozialpartnerschaft« aufkündigen; die IG Metall müsse in allen wichtigen Fragen die Belegschaft und die Vertrauensleute in die Entscheidungen einbeziehen.

Schließlich sprechen sich die »Gewerkschafter von unten« klar gegen die Aufnahme von Rüstungsproduktion bei VW aus. Statt dessen solle es »zivile, nachhaltige und ökologisch sinnvolle Produktion an allen Standorten für eine kostengünstige und erschwingliche Mobilität für alle« geben, etwa Schienenfahrzeuge, Elektrosammelbusse und bezahlbare Elektroautos.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.10.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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