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Wozu die kommende Zinsanhebung?

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Foto: jW

Die Prognose ist nicht besonders gewagt, dass die am kommenden Donnerstag versammelten EZB-Zentralbanker die Leitzinsen um einen Viertelpunkt auf dann 2,25 Prozent anheben werden. Wichtige Mitglieder des Zentralbankrates haben angedeutet, dass es so kommen wird. Darunter die beiden Direktoriumsmitglieder, die Deutsche Isabel Schnabel und der Ire Philip Lane, der zugleich Chefvolkswirt der Bank ist und im Rat die volkswirtschaftliche Begründung für die Zinsanhebung liefern muss. Die Argumente der beiden sind denkbar einfach: Sie erwarten, dass die Inflation in der Euro-Zone weiter steigen wird. Als sich Lane gegenüber der Nachrichtenagentur Nikkei äußerte, lag erst die jährliche Preissteigerungsrate für April mit drei Prozent vor. Im Mai ist die Rate weiter auf 3,2 Prozent gestiegen. Jedenfalls stellte Lane fest, dass die EZB angesichts des nicht endenden Krieges gegen den Iran und des immer noch deutlich über dem Vorkriegsniveau liegenden Rohölpreises im Lauf des Jahres mit weiter zunehmenden Preissteigerungsraten rechne. Kein Wunder, dass am Finanzmarkt mit einer Zinsanhebung zum nächsten Termin am 11. Juni und bis Jahresende sogar mit einem Leitzins von 2,5 Prozent gerechnet wird.

Vielleicht trägt Lane in der Sitzung des Zentralbankrates neben Prognosen der Inflationsrate auch eine vernünftige Begründung für eine deswegen notwendige Leitzinsanhebung vor. Schnabel spielt mit der Bemerkung »Wir (die EZB) können nicht einfach durch den Energiepreisschock hindurchstarren« auf die vorangegangene Inflationsphase an, als die EZB – auch damals schon unter dem Chefvolkswirt Lane – lange gezögert hatte, die Zinsen anzuheben. Sein Argument damals war, dass die Notenbank gegen einen einmaligen Preisschock von außen weitgehend machtlos sei und nicht reagieren solle, solange dieser Preisschock keine Sekundäreffekte haben und danach eine Inflationsspirale in Gang setzen würde.

Wie recht er damals hatte! Denn die Inflation ging nach dem Höhepunkt von 10,6 Prozent im Oktober 2022 auch schnell wieder zurück. Denn die höheren Preise wirkten sich ohnehin massiv auf die kaufkräftige Nachfrage aus. Und wie töricht war es, der steigenden Inflation mit steigenden Zinsen hinterherzuhecheln! Es hatte einer Anhebung der Zinsen nicht bedurft, um die ohnehin schwach gewordene Konjunktur in der Euro-Zone (und besonders in Deutschland) noch zusätzlich abzubremsen.

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Richtig ist allerdings auch, dass die rasante Anhebung der Zinsen keinen großen Schaden mehr anrichtete. Denn das Zinsniveau stieg damals und steigt auch heute wieder, ohne dass die Notenbank ihre Leitzinsen hochsetzt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist seit Kriegsbeginn Ende Februar um 0,35 Prozentpunkte auf über drei Prozent gestiegen. Die Notenbank wird auch jetzt wieder der Entwicklung des Finanzmarktes hinterherlaufen. Gegen die von außen kommenden Preissteigerungen ist sie machtlos.

Warum dann der Aufwand? Ein Motiv dürfte die Unterstützung der Banken des Euro-Gebiets sein. Der ab kommender Woche wahrscheinlich von zwei auf 2,25 Prozent erhöhte Einlagensatz bietet den Banken, die in Sparguthaben schwimmen, eine auskömmlichere Mindestrendite.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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