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Bosch baut um und ab
Konzern lagert 62.500 Beschäftigte in neue Tochtergesellschaften aus und streicht zugleich 22.000 Stellen
Die Streichung von mehr als 20.000 Arbeitsplätzen bis 2030 beim Automobilzulieferer Bosch in Deutschland ist schon länger bekannt. Nun kündigte die Geschäftsleitung der Robert Bosch GmbH die Neuordnung ihrer Konzernstruktur an. Im Mittelpunkt steht dabei der Mobilitätssektor.
Insgesamt 62.500 Beschäftigte sollen bis August 2027 innerhalb des Unternehmens in vier neu entstehende Tochtergesellschaften wechseln, berichtete der SWR am vergangenen Donnerstag abend. Neben der Mobilitätssparte geht es um die Servicebereiche »Bosch Digital«, »Global Business Services« und »Global Real Estate«. In der Robert Bosch GmbH verbleiben im wesentlichen die Unternehmenszentrale und die Konzernforschung mit insgesamt etwas mehr als 3.000 Beschäftigten. Die Aufgaben zwischen Zentrale und den operativen Einheiten sollen laut einem Bericht des Onlineportals automotiveit.eu künftig neu verteilt werden. Die Robert Bosch GmbH solle vor allem als »strategische Dachgesellschaft« fungieren, hieß es. Schon jetzt existieren eigene Tochtergesellschaften in den Bereichen »Industrial Technology«, »Consumer Goods« sowie »Energy and Building Technology«. Sie und die vier neuen Tochtergesellschaften bekommen mehr Entscheidungskompetenzen im Tagesgeschäft. Die Robert Bosch GmbH solle »strategische Leitplanken« setzen, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christian Fischer. Sie werde sich jedoch weniger »ins operative Geschäft einbringen«.
Das Traditionsunternehmen, das wie alle Automobilzulieferer hierzulande kriselt, verspricht sich von der neuen Konzernstruktur mehr Schnelligkeit, Innovationskraft und Profitabilität, um im Wettbewerb etwa mit chinesischen Herstellern besser mithalten zu können. Als eigenständige Gesellschaft könne Bosch Mobility schneller auf Marktveränderungen reagieren, hieß es beim SWR mit Verweis auf die Bosch-Geschäftsführung. Trotz neuer Struktur sollen alle Tochtergesellschaften integraler Bestandteil der Bosch-Gruppe bleiben. Die Arbeitsverträge der 62.500 betroffenen Beschäftigten gehen in die neuen GmbHs über, die Konditionen bleiben identisch. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Bosch Mobility Solutions, Frank Sell, erklärte seine Bereitschaft, die geplanten Änderungen konstruktiv und kritisch mitzugestalten. Wichtig sei dabei, »dass dieser Umbau nicht zu Lasten der Beschäftigten geht«. Perspektivisch könnte sich allerdings vieles zum Negativen verändern, denn die Bestandsgarantie für Arbeitsverträge und -plätze gilt nicht für alle Zeiten. Nach dem Ende des gesetzlich geschützten Betriebsübergangs könnte Bosch grundsätzlich die Arbeitsbedingungen in den Tochtergesellschaften umgestalten, hieß es beim SWR unter Bezugnahme auf den Hamburger Arbeitsrechtler Rainer Fuhlrott.
Die Umstrukturierung bei Bosch hat ihren Anfang bereits Anfang 2024 genommen, als Bosch Mobility zum integrierten Geschäftssektor wurde, wie automotiveit.eu berichtete. Dort werden die Kompetenzen etwa in den Bereichen Antrieb, Fahrerassistenz, Fahrzeugbewegung, Software und Fahrzeugcomputer gebündelt. Künftig soll Bosch Mobility seine Aktivitäten stärker bereichsübergreifend ausrichten, Finanzmittel sollen gezielter eingesetzt werden. Der Chef der Mobility-Tochter, Markus Heyn, erhofft sich von der Neustrukturierung die Chance auf Partnerschaften und weitere Geschäftsmodelle.
Für die Beschäftigten sieht die Zukunft bei Bosch düster aus. Auch wenn dem Konzernumbau keine weiteren Stellen zum Opfer fallen sollen, werden bis Ende 2030 insgesamt 22.000 Arbeitsplätze gestrichen, schwerpunktmäßig in der Mobilitätssparte. Schon im vergangenen Jahr war die Streichung von rund 13.000 Stellen bekannt geworden, die vor allem die Standorte Stuttgart-Feuerbach, Schwieberdingen, Waiblingen, Bühl und Homburg betrafen. Am 22. September dieses Jahres hatten Tausende Beschäftigte aus der Automobil- und der Zuliefererindustrie an einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall teilgenommen. Eine große Kundgebung fand am Bosch-Werk in Nürnberg statt, wo rund 500 Beschäftigte protestierten und ihrer Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust Ausdruck verliehen, denn der Standort hänge fast vollständig von Verbrennerautomobilen ab, hieß es auf Instagram. Seit langem verzichte die Belegschaft auf Vergütungsbestandteile und leiste unbezahlte Mehrarbeit. Im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2026 ausgeschlossen. Mit dem Ende der Vereinbarung sollen nun rund 900 Arbeitsplätze in Nürnberg abgebaut werden, wie laut automotiveit.eu im Oktober bekannt wurde.
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