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Guatemala

Widerstandskämpfer im Hausarrest

Guatemala: Aktivisten auf Kaution frei, »Terrorismus«-Verfahren läuft weiter

Foto: Cristina Chiquin/REUTERS
Bürger kleben Plakate: »Luis und Héctor sind keine Kriminellen« (Guatemala-Stadt, 23.4.2026)

Die beiden politischen Gefangenen Luis Pacheco und Héctor Chaclán haben am Mittwoch das Gefängnis Mariscal Zavala in Guatemala-Stadt verlassen. Gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 160.000 Quetzals (rund 18.200 Euro) wurden sie in den Hausarrest überstellt. Das Gericht gab damit einem Antrag der Verteidigung statt.

Pacheco und Chaclán hatten dem Vorstand der 48 Kantone angehört, eine indigene Selbstverwaltung im Municipio Totonicapán, welche Ende 2023 die Proteste gegen den »formaljuristischen Staatsstreich« organisierten. Damit sollte der Amtsantritt des gewählten Sozialdemokraten Bernardo Arévalo durchgesetzt werden. Pacheco wurde im August 2024 Vizeminister für Bergbau und Energie in der Regierung Arévalo und übte das Amt bis zu seiner Festnahme im April 2025 aus.

Pacheco und Chaclán wurden beim Verlassen des Gefängnisses von Freunden und Verwandten empfangen und von einem Autokorso nach Totonicapán begleitet. Bei einer Ansprache vor Hunderten Menschen sagte Pacheco, es sei »eine Ehre, im Gefängnis gewesen zu sein, weil wir dem Volk von Totonicapán dienten«. Er bedankte sich für die »immense Solidarität« während seiner Haft und sagte: »Bei unserer Verabschiedung aus dem Gefängnis haben sogar die Wärter geweint, weil sie wissen, dass wir keine Kriminellen sind.«

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Die Festnahme wurde von vielen als »Racheakt« der Generalstaatsanwaltschaft für die Streiks 2023 und die indigene Selbstverwaltung interpretiert. Die Generalstaatsanwaltschaft war ein zentraler Akteur bei dem Versuch gewesen, die damaligen Wahlen zu annullieren und Arévalos Präsidentschaft zu blockieren. Nach seinem Amtsantritt blieb die Generalstaatsanwaltschaft allerdings ohne personelle Veränderung im Amt.

Pacheco und Chaclán müssen sich monatlich bei der Staatsanwaltschaft melden und dürfen Guatemala nicht verlassen. Das Verfahren wird weitergeführt. Ebenfalls angeklagt sind Basilio Puac, der 2023 auch Vorstandsmitglied der 48 Kantone war, und Esteban Toc, der im selben Jahr als stellvertretender indigener Bürgermeister im Departamento Sololá amtierte, ein wichtiger Verwaltungsbezirke für den Beginn der Proteste. Beide wurden 2025 einige Monate nach Pacheco und ­Chaclán verhaftet, allerdings bereits Tage danach in den Hausarrest entlassen. Die Vorwürfe lauten »Terrorismus« und »Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung«, daher drohen weiterhin hohe Haftstrafen. Beobachter gehen davon aus, dass bis zum Prozessbeginn noch einige Zeit vergeht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 7, Ausland

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