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Nahostkonflikt

Doppelt unter Druck

Ansarollah greifen saudische Ölraffinerie an und führen eine Offensive im Jemen durch. Das Ziel: Riads Ölexporte

Foto: Al Joumhouriya TV/Handout via REUTERS
Seit Wochen sind jemenitische Orte am Roten Meer das Ziel von Angriffen (Mokka, 10.8.2026)

Der Jemen-Krieg greift erneut auf Saudi-Arabien über. Am Montag wurde die Aramco-Raffinerie bei Dschisan im Südwesten des Landes angegriffen. Die Anlage verarbeitet rund 400.000 Barrel Rohöl täglich und zählt zu den modernsten Raffineriekomplexen Saudi-Arabiens. Über das Ausmaß der Schäden war zunächst nichts bekannt. Aramco äußerte sich nicht offiziell. Die Financial Times berichtete, die Schäden würden noch geprüft.

Dschisan war bereits Anfang August angegriffen worden. Damals kam es vorübergehend zu Produktionsausfällen. Auch die Anlage in Janbu am Roten Meer war zuvor Ziel eines Angriffs geworden. Aramco-Chef Amin Nasser hatte nach dem ersten Vorfall erklärt, die Attacken hätten lediglich kurzzeitige Produktionsunterbrechungen verursacht, so die Financial Times am Montag. An den Rohölmärkten zogen die Preise nach dem jüngsten Angriff dennoch an. Die Spannungen um die Straße von Hormus hatten bereits zuvor zu einer Erhöhung der Risikoprämie geführt. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Am vergangenen Sonnabend meldete die von Saudi-Arabien abhängige jemenitische Regierung unter dem Presidential Leadership Council (PLC) die Rückeroberung des Distrikts Hais südlich von Hodeida. Die Nachrichtenagentur AFP zeichnete jedoch ein vorsichtigeres Bild: Regierungskräfte hätten lediglich nördlich von Hais neue Stellungen bezogen, während die Ansarollah (»Huthis«) zugleich südlich und westlich der Ortschaft Richtung Taiz vorgerückt seien.

Inzwischen erstrecken sich die Kämpfe über mehrere Landesteile. Am Sonntag bezifferte AFP die Zahl der Toten seit Beginn der Ansarollah-Offensive am Donnerstag auf mehr als 300. Zugleich greift Saudi-Arabien wieder selbst in den Krieg ein: Nach Angaben der jemenitischen Organisation flog die saudische Luftwaffe Angriffe in Taiz, Al-Baida, Marib und Al-Dschauf; dabei seien auch Marschflugkörper eingesetzt worden.

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Strategisch entscheidend ist die Stoßrichtung der Offensive: Die Ansarollah versuchen nach Angaben jemenitischer Militärs, den von Regierungskräften gehaltenen Hafen Mokka abzuschneiden und in Richtung Bab Al-Mandab vorzurücken. Damit greifen sie nach der zweiten zentralen Meerenge der Region – während Iran gleichzeitig die Straße von Hormus blockiert.

Saudi-Arabiens Öleinnahmen geraten damit von zwei Seiten unter Druck. Auf der einen Seite kontrolliert Iran die Straße von Hormus und damit den nördlichen Zugang zum Golf. Auf der anderen Seite verfügen die Ansarollah über ein inzwischen modernes Arsenal aus Drohnen und Marschflugkörpern, mit dem sie wiederholt saudisches Territorium erreicht haben – zuletzt in Nadschran und Dschisan – und das bei anhaltenden Angriffen weitere Teile der Öl- und Raffinerieinfrastruktur des Regimes treffen könnte. Beide Fronten bedrohen dieselbe wirtschaftliche Achse: die saudische Ölexportfähigkeit als zentrale Einnahmequelle des Regimes – mit potentiell schweren innenpolitischen Folgen.

Gleichzeitig kündigte Teheran am Montag eine neue Sperrzone im Golf an, und zwar genau dort, wo die US-Blockade iranischer Gewässer beginnt. Jedes Schiff, das die Zone befahre, werde auf eine Sanktionsliste gesetzt, erklärte Mohsen Rezaei, Sekretär von Irans Oberstem Nationalem Sicherheitsrat. Zugleich kündigte er eine neue Karte für einen Passagekorridor durch die Straße von Hormus unter iranischer Verwaltung an. Eine Freigabe knüpfte er an das Ende von »Sabotage, Drohungen und Angriffe« durch Washington.

Die Angaben darüber, wie wirksam die Blockade bereits ist, gehen auseinander. Reuters ermittelte am Montag durchschnittlich zehn Frachtschiffe, die die Straße von Hormus pro Tag in den vergangenen zehn Tagen passierten – den niedrigsten Wert seit Mai. US-Energieminister Chris Wright bezifferte die durch die Meerenge transportierte Ölmenge am Sonntag gegenüber CNN dagegen auf über neun Millionen Barrel täglich – samt Ausweichpipelines entspricht das zwei Dritteln oder mehr der Vorkriegsmenge. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar: Reuters zählt Schiffe, Wright nennt transportierte Ölmengen einschließlich der Pipelines. Sie zeigen aber, dass die Straße von Hormus deutlich weniger genutzt wird als vor dem Iran-Krieg, während die Ausweichrouten über das Rote Meer durch den Jemen-Krieg zunehmend unter Druck geraten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.09.2026, Seite 6, Ausland

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