Zum Inhalt der Seite
Krieg in Nahost

Druck auf den Ölhandel

Die mit Iran verbündeten Ansarollah schlagen jemenitische Regierungstruppen zurück und erhalten Zugriff auf ein Nadelöhr im Roten Meer

Foto: Houthi Group Press Service/UPI Photo/IMAGO
Die Ansarollah attackieren saudische Lieferungen von Waffen, die für die jemenitischen Regierungstruppen vorgesehen waren (7.9.2026)

Kämpfer der Ansarollah (»Huthis«) haben in den vergangenen beiden Tagen innerhalb von 18 Stunden die gesamte jemenitische Rotmeerküste unter ihre Kontrolle gebracht. Nach dem Rückzug der Regierungstruppen aus der Hafenstadt Mokka drangen sie am Freitag nach Süden vor, nahmen Dubab und weitere Küstenorte ein und besetzten die vorgelagerten Hanisch-Inseln. Die Ansarollah erreichten zudem Majun an der Meerenge Bab Al-Mandab. Die jemenitische Regierungsarmee hat eine Gegenoffensive angekündigt; Zivilisten wurden aufgefordert, die Straße zwischen Mokka und der Gouvernementshauptstadt Taiz zu meiden.

Entscheidend ist nun, ob der schnelle Zusammenbruch der Regierungsfront einen Kaskadeneffekt auslöst. Binnen Stunden gingen strategisch entscheidende Städte und Inseln für die von Saudi-Arabien gestützte Regierung verloren. Sollte der militärische Zusammenbruch auf weitere Frontabschnitte übergreifen, könnte das auch zum politischen Zerfall der Regierung führen. Mahdi Al-Maschat, Präsident des von den Ansarollah eingesetzten Obersten Politischen Rates, rief die Regierungssoldaten zur Kapitulation auf und stellte ihnen Straffreiheit in Aussicht.

Während des Vormarschs blieb eine organisierte Gegenoffensive aus. Wie ungewöhnlich der Zusammenbruch selbst auf Regierungsseite wahrgenommen wurde, zeigt eine Äußerung gegenüber AP. Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte, man sei überrascht gewesen, dass die saudische Luftwaffe beim Vorrücken der Ansarollah auf Mokka nicht eingegriffen habe. Zugleich machte er mangelnde Abstimmung zwischen der jemenitischen Armee und verbündeten Kräften für den Rückschlag verantwortlich.

Saudi-Arabien konzentrierte seine Luftangriffe auf Al-Dschauf und Marib im Norden des Jemen und damit auf Städte, die für die Sicherung der eigenen Südgrenze und der verbliebenen Regierungsstellungen entscheidend sind. Jemenitische Regierungsvertreter führten die saudische Zurückhaltung auf zwei Faktoren zurück: Riad habe eine größere Luftkampagne aus Sorge vor weiteren Drohnenangriffen der Ansarollah auf saudisches Territorium vermieden, zugleich habe offenbar die politische Rückendeckung aus Washington gefehlt. Saudi-Arabien beschränkte sich deshalb weitgehend auf logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung sowie die begrenzten Angriffe im Norden.

Anzeige

Laut der Nachrichtenwebseite Axios bat Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump am Donnerstag zweimal um Luftangriffe gegen die Ansarollah; Trump lehnte demnach ab und hielt an der bisherigen Linie fest, Saudi-Arabien lediglich mit Aufklärung und Beratung zu unterstützen.

Riad steht unter Druck: Satellitenbilder zeigten am Donnerstag Rauch nahe der saudischen Ost-West-Pipeline, über die das Königreich seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus mehr Öl zum Roten Meer leitet; eine Bestätigung aus Saudi-Arabien gab es nicht. Zugleich fiel die saudische Rohölversorgung im August laut der Internationalen Energieagentur (IEA) um 2,3 Millionen Barrel täglich auf sechs Millionen Barrel – den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Der Ölpreis stieg zeitweise auf fast 110 US-Dollar je Barrel der Referenzsorte Brent.

Das rief auch Berlin auf den Plan: Es drohten »weitere Einschränkungen von Öl- und auch LNG-Lieferungen aus der Region«, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag mit. Die Bundesregierung verurteile, dass »die Huthis« die internationale Schiffahrt »in Geiselhaft nehmen« und auf Energieanlagen in Saudi-Arabien zielen – man unterstütze die »legitime Regierung im Jemen«. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sicherte auch Saudi-Arabien Unterstützung zu. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) erklärte derweil, dass aufgrund der Eskalation im Jemen und deren Auswirkungen auf den Lebensmittelwelthandel zusätzliche 45 Millionen Menschen hungern könnten.

Die Frage ist nun, ob die Ansarollah absehbar ein Mautsystem für den Bab Al-Mandab etablieren werden. Entsprechende Pläne waren bereits im Juli mit iranischen Beratern erörtert worden. Damals fehlte den Ansarollah dafür noch die territoriale Voraussetzung. Mit der Kontrolle über die Küste und die vorgelagerten Inseln an der Meerenge hat sich das geändert.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 12.09.2026, Seite 1, Titel

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

+++ No War On Cuba! Protestwache vor der US-Botschaft in Berlin! +++ No War On Cuba! Protestwache vor der US-Botschaft in Berlin! - No War On Cuba! +++