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Aus: Ausgabe vom 02.01.2021, Seite 8 / Ansichten

Klare Botschaft

Angriff auf Flughafen Aden im Jemen
Von Wiebke Diehl
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Rollfeld nach den Detonationen am Flughafen Aden (30.12.20)

Die Explosion auf dem Flughafen der jemenitischen Stadt Aden vom Mittwoch, die bislang mindestens 26 Todesopfer und 110 Verletzte gefordert hat, sei erwiesenermaßen mit vier vom Flughafen Al-Dschund in Tais abgefeuerten ballistischen Raketen von den Ansarollah (»Huthis«) ausgeführt worden. Das erklärte am Donnerstag die Berliner Botschaft der zwar von Teilen der »internationalen Gemeinschaft« anerkannten, demokratisch aber schon seit 2014 nicht mehr legitimierten Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi. Die »terroristischen Ziele« der Ansarollah hätten sich bestätigt, es handle sich um »einen offensichtlichen Verstoß gegen das humanitäre (Völker-)Recht und ein abscheuliches Verbrechen (…), das die Verurteilung aller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft (einfordere)«, um eine »klare Botschaft« zu übermitteln, so die Verlautbarung weiter.

Eine Erklärung, wie die angebliche Untersuchung in solcher Windeseile durchgeführt werden konnte, fehlte freilich genauso wie Beweise für die behauptete Urheberschaft der Ansarollah. Wozu auch? Wer sonst sollte es gewesen sein in einem Land, in dem es von Al-Qaida-Kämpfern, Anhängern des sogenannten Islamischen Staates und anderen terroristischen Banden nur so wimmelt? In dem sich die von Riad geförderten Anhänger der Hadi-Regierung und die von den Vereinigten Arabischen Emiraten protegierten Separatisten des Südübergangsrats in den letzten zwei Jahren mehrfach bis aufs Blut bekämpft haben? Weder sind deren fundamentale Differenzen mit Bildung der am vergangenen Sonnabend von »Präsident« Hadi in Saudi-Arabien vereidigten »Einheitsregierung« beendet, noch mangelt es an Kritik. Denn nicht alle Regionen fühlen sich angemessen repräsentiert von einem Kabinett, das sich zudem zum ersten Mal seit 20 Jahren ausschließlich aus männlichen Ministern zusammensetzt.

Aber natürlich geht es nicht um die Wahrheit, sondern um die geforderte »klare Botschaft«: Nur wenige Tage verbleiben Noch-US-Präsident Donald Trump, die Ansarollah doch noch als terroristische Vereinigung zu listen – ein Schritt, der fatale Folgen für die humanitäre Versorgung von Millionen von Jemeniten hätte, wie Hilfsorganisationen seit Monaten eindringlich warnen. Trotzdem »prüft« die US-Regierung ihr Abschiedsgeschenk an Riad unbeirrt weiter und hat Anfang Dezember bereits fünf Ansarollah-Mitglieder mit Sanktionen belegt.

Und das Völkerrecht? Davon sollte eine Regierung von Gnaden der saudisch geführten Kriegskoalition, die seit fast sechs Jahren einen mörderischen Angriffskrieg gegen die jemenitische Zivilbevölkerung führt und am Donnerstag »Vergeltungsbombardements« auf 15 Ziele mitten in der Hauptstadt Sanaa flog, lieber schweigen. Sie vertritt die Interessen westlicher Rüstungsindustrien, nicht aber der sich nach Frieden sehnenden Bevölkerung, in der die Ansarollah breite Unterstützung genießen.

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