Das Problem der Saudis
Geheimtreffen zum Jemen-Krieg
Wie das eben so ist bei Geheimtreffen: Details über ihren genauen Inhalt sind meist schwer herauszufinden, und das um so mehr, als man bei geleakten Insiderberichten oft nicht wirklich weiß, wer da was mit welcher Intention und mit welchem Spin durchgestochen hat. Das gilt auch für das Geheimtreffen, das die Oberbefehlshaber der Streitkräfte der USA, Israels und sechs arabischer Staaten laut einem Bericht der US-Agentur Axios in der vergangenen Woche in Deutschland abgehalten haben. Ganz allgemein sei es dabei um den Iran-Krieg gegangen, hieß es; man habe über Möglichkeiten zur intensiven Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit diskutiert. Die USA hätten etwa berichtet, wie sie die Schiffahrt in der Straße von Hormus wieder in Gang bringen wollten. Israel habe seinerseits Saudi-Arabien angeboten, die Ölmonarchie im neu entbrannten Krieg im Jemen mit militärischer Aufklärung zu unterstützen. Von etwaigen Resultaten des Treffens wurde nichts bekannt.
Bekannt ist allerdings die Lage, in der sich die arabischen Golfstaaten aktuell befinden. Die US-Sicherheitsgarantien, auf die sie über Jahrzehnte gesetzt haben, erwiesen sich im Krieg als weithin untauglich, und schlimmer noch: Die US-Militärstützpunkte auf ihren Territorien haben sie erst zum Ziel iranischer Angriffe gemacht. Wirkliche Sicherheit, diese Auffassung setzt sich mehr und mehr durch, gibt es nicht gegen, sondern bloß mit Iran. Man braucht also einen Ausgleich mit Teheran. Und man braucht, wenn auch vielleicht noch nicht eine Alternative, so doch eine Ergänzung zum traditionellen Bündnis mit den USA. Lediglich die Emirate haben erklärt, voll und ganz auf die Kooperation mit Israel setzen zu wollen. Saudi-Arabien hat statt dessen das Mekka-Bündnis mit Pakistan und der Türkei geschlossen. Wer wie Riad jahrzehntelang mit Washington zusammengearbeitet hat, kann dies kaum von jetzt auf gleich beenden. Der saudische Herrscherclan beginnt aber, sich neu zu orientieren.
In dieser Situation fand nun das erwähnte Geheimtreffen statt. Es kommt hinzu, dass der Krieg mit den jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) Saudi-Arabiens Lage noch verschlechtert hat. Die »Huthis« sind in die Offensive gegangen, und es ist schwer zu erkennen, wie Riad seine Erdölanlagen und seine Tanker jetzt gegen sie schützen will. Die USA und Israel wittern wohl eine Chance, Saudi-Arabien mit attraktiven Angeboten für den Krieg gegen die Ansarollah wieder enger an sich zu binden – ähnlich wie bereits die Emirate. Ob dies gelingt? Man darf skeptisch sein. Riad hat genügend Erfahrung mit westlicher Unzuverlässigkeit. Ob das Land konkrete Hilfe gegen die »Huthis« annimmt? Mag sein. Von der Erweiterung seiner strategischen Kooperationen abbringen lassen wird es sich dafür aber kaum.
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