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Ein Schwalbenflug

Entspannungssignale im Ukraine-Krieg

Von Reinhard Lauterbach
Foto: Jeff McIntosh/The Canadian Press/dpa
Kanadas Premier Mark Carney (r.) und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij in Calgary (10.9.2026)

Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer; aber ab der zweiten kann man sich ja mal Gedanken über die Jahreszeit machen: ob nämlich vielleicht in der festgefahrenen Kriegssituation um die Ukraine etwas in Bewegung kommt.

Die beiden »Schwalben« stehen auf verschiedenen Seiten. Die eine ist ein Interview von Wolodimir Selenskij mit dem öffentlich-rechtlichen kanadischen Sender CBC, in dem er nach ukrainischen Agenturmeldungen gesagt haben soll, es könne im ukrainisch-russischen Krieg keinen Sieger mehr geben, dafür seien die Zahlen der Todesopfer auf beiden Seiten zu hoch. Wenn ein kriegführender Politiker von Opfern beider Seiten spricht, dann heuchelt er entweder – das ist auch hier nicht ausgeschlossen – oder er redet in Wahrheit von den eigenen Opfern, die für keinen Sieg mehr zu verschmerzen seien. Der eigentliche Sieg, so Selenskij abschließend, sei ein Ende der Kampfhandlungen. Ist das ein verdecktes Kapitulationsangebot, zumal Selenskij bereits im Juli dem britischen Sender Sky News gesagt hatte, der nächste Winter werde »schlimm oder noch schlimmer«?

Randbemerkung zum Adressaten dieser Aussage: Kanada ist Standort einer starken ukrainischen Diaspora aus Kindern und Enkeln von ukrainischen Nazikollaborateuren. Diese Szene hat eine wesentliche Rolle beim organisatorischen Wiederaufbau des ukrainischen Nationalismus nach 1991 gespielt. Wollte Selenskij denen ins Gewissen reden?

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Die zweite »Schwalbe« ist Dmitri Peskow, Sprecher des Kremls. Der sagte am Montag, Russland habe nichts gegen den ukrainischen Vorschlag, gegenseitig auf Angriffe gegen Ziele der Energiewirtschaft zu verzichten – das sei eine »gute Idee«. Vorher klang das anders. Aber Peskow stellte zwei Bedingungen: Erstens müsse die Ukraine aufhören, Tanker mit russischem Öl oder Treibstoff im Schwarzen Meer anzugreifen, und zweitens: Die »antirussischen Sanktionen« müssten aufgehoben werden. Welche genau, sagte er nicht, aber aus dem Kontext liegt es nahe, an die Sperren gegen den Export von russischem Öl und Gas zu denken. Sie sind auf jeden Fall das Kernstück des westlichen Wirtschaftskriegs gegen Russland.

Russland verhandelt ja am liebsten direkt mit den USA, auf sogenannter Augenhöhe. Peskows Äußerungen sind wohl am besten als Antwort auf den etwas wirren Trump-Tweet vom Wochenende zu verstehen, in dem er, um den Iran-Krieg nicht erwähnen zu müssen, den russisch-ukrainischen Konflikt für den Höhenflug der Dieselpreise weltweit verantwortlich gemacht hat. Diesen Ball hat Russland jetzt anscheinend aufgenommen.

Zerreden lässt sich alles, und die Kriegstreiberfraktion wird es an Versuchen dazu nicht fehlen lassen. Aber vielleicht sollte man die Schwalben doch mal fliegen lassen?

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.09.2026, Seite 3, Ansichten

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