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Schweden

Hauchdünner Vorsprung

Vorläufiges Wahlergebnis in Schweden: 176 Sitze für rot-grünes Bündnis. Bürgerlich-rechte Allianz bei 173 Sitzen

Foto: TT/IMAGO
Magdalena Andersson von den Sozialdemokraten und Ulf Kristersson von den Moderaten bei einer Wahlkampfdebatte (Stockholm, 13.9.2026)

Nach dem Urnengang in Schweden zeichnet sich ein knappes Rennen ab. Die Parlamentswahlen am Sonntag lösen aller Wahrscheinlichkeit nach einen Regierungswechsel aus. Auch wenn zu Redaktionsschluss noch kein offizielles Endergebnis vorliegt – es wird am Mittwoch erwartet – sind bereits rund 95 Prozent der Stimmen ausgezählt. Demnach verbucht das rot-grüne Bündnis um die Sozialdemokraten 176 Mandate für sich, die regierende bürgerlich-rechte Allianz kommt auf 173. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,2 Prozent.

Das rot-grüne Bündnis und die bürgerlich-rechte Allianz stehen sich seit den Wahlen 2006 gegenüber. Lange Jahre bestand das rot-grüne Bündnis aus Sozialdemokraten, Grünen und Linkspartei, die bürgerliche Allianz aus Moderaten, Christdemokraten, Liberalen und der Zentrumspartei.

Nach den Wahlen 2022 kam es zu Verschiebungen: Nachdem sich die Moderaten, Christdemokraten und Liberalen zu einer Zusammenarbeit mit den ultrarechten Schwedendemokraten entschlossen hatten, wechselte die Zentrumspartei das Lager. Ihre Parteivorsitzenden hatten sich immer stark gegen die migrationsfeindliche Politik der Schwedendemokraten ausgesprochen. Die Partei war mit 20,5 Prozent als zweitstärkste Fraktion aus den Wahlen 2022 hervorgegangen und unterstützte in der darauffolgenden Legislaturperiode die bürgerliche Minderheitsregierung.

Aus den Wahlen 2026 werden wie gewohnt die Sozialdemokraten als stärkste Partei hervorgehen, auch wenn sie auf das historisch schlechteste Ergebnis bei Parlamentswahlen in Schweden zusteuern. Am Morgen nach der Wahlnacht kamen sie auf 28,1 Prozent der Stimmen. Die Linkspartei lag bei 8,2 Prozent, die Zentrumspartei bei 7,1 Prozent, die Grünen bei 6,1 Prozent. Alle legten im Vergleich zu den Wahlen 2022 leicht zu, die Linkspartei mit 1,5 Prozentpunkten. Die Schwedendemokraten verloren drei Prozentpunkte im Vergleich zu 2022. Am Montag morgen lagen sie bei 17,6 Prozent und waren im rechten Lager von den Moderaten unter Ministerpräsident Ulf Kristersson mit 19,9 Prozent überholt worden. Die Christdemokraten lagen bei 6,2 Prozent und die Liberalen bei 5,4 Prozent.

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Sollte es bei einer rot-grünen Mehrheit bleiben, wird die Regierungsbildung vom Verhandlungsgeschick der sozialdemokratischen Parteivorsitzenden Magdalena Andersson abhängen. Andersson hatte das Amt der Ministerpräsidentin bereits 2021/22 inne. Vor den Wahlen hatte die Zentrumspartei angekündigt, in keiner Regierung mit der Linkspartei sitzen zu wollen. Die Linkspartei wiederum beanspruchte im Falle einer rot-grünen Mehrheit Ministerposten.

Am Wahlabend beschwor Andersson einen »neuen Geist der Zusammenarbeit«, was mögliche Koalitionen über die Blockgrenzen hinaus andeutete. Bereits vorab wurde spekuliert, ob die Christdemokraten bereit sein könnten, sich einer von den Sozialdemokraten geführten Regierung anzuschließen. Auch das Szenario einer großen Koalition von Sozialdemokraten und Moderaten ist ein wiederkehrendes Thema.

Die ultrarechten Schwedendemokraten sind die großen Verlierer der Wahl. Erstmals, seitdem die in den 1990er Jahren im neonazistischen Milieu gegründete Partei 2010 ins schwedische Parlament einzog, hat sie Wählerstimmen verloren. Die Schwedendemokraten machten dafür am Wahlabend migrationsfeindliche Kleinstparteien verantwortlich. Diese vereinten jedoch weniger als ein Prozent der Stimmen auf sich. Auffällig sind die Verluste der Ultrarechten bei jungen Wählern und in ihren traditionellen Hochburgen im Süden Schwedens. Der Parteivorsitzende Jimmie Åkesson stellte sich am Wahlabend nicht der Presse.

Die Linkspartei legte zu, obwohl sie vor den Wahlen von Parteiaustritten gebeutelt wurde. Viele Mitglieder kritisierten die Zurückhaltung der Parteiführung in Bezug auf Israels Krieg in Gaza, einige von ihnen gründeten eigene Listen. Diese erzielten jedoch keine Erfolge, auch nicht in den gleichzeitig stattfindenden Regional- und Kommunalwahlen.

Die Kommunistische Partei trat nur in 18 Kommunen an. Ihr bestes Resultat fuhr sie mit 4,6 Prozent in Lysekil an der schwedischen Westküste ein. In der Hafenstadt mit etwa 7.600 Einwohnern ist die Partei traditionell stark. Sie wird dort weiter im Stadtrat vertreten sein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.09.2026, Seite 6, Ausland

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