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Rennsport

Treue Tiere fliegen schneller

Wetten dass: Mit Brieftaubenrennen lässt sich viel Geld verdienen – da hat mancher Vogel nichts zu lachen

Foto: Jean-marie De Craene/REUTERS
Und ab geht’s: Taubenmassenstart im belgischen Quievrain (1988)

Alle paar Jahre geistert sie durch die Medien: die »Brieftaubenmafia«. Es handelt sich um kriminelle Netzwerke, die siegreiche Vögel im Brieftaubensport stehlen. Klingt verrückt? Mag sein, ist jedoch Realität. Bei Brieftaubenrennen werden die Tiere in Abständen von bis zu 1.000 Kilometern von ihrem Taubenschlag freigelassen. Die Taube, die am schnellsten zu Hause ist, hat gewonnen. Über 7.000 Vögel können an großen Rennen teilnehmen. Trotz der langen Distanzen entscheiden manchmal nur Sekunden über den Sieg.

Es geht um großes Geld. In asiatischen Ländern werden Millionen Euro auf Brieftaubenrennen gewettet. Die Preisgelder bei den größten Rennen belaufen sich auf über eine Million Euro. Der höchste bisher für eine Championtaube gezahlte Preis lag bei 1,8 Millionen Euro. Was mit gestohlenen Vögeln zu verdienen ist, dürfte jetzt klar sein. Kenner suchen sich sorgfältig die wertvollsten aus. Perfide ist dabei, dass die Tauben selbst manchmal gar nicht das Ziel sind. Immer wieder werden gestohlene Tauben wieder aufgefunden – allerdings mit nur einem Bein, da das Bein mit dem Metallring, den sie zur Identifizierung tragen, abgehackt wurde. Die Metallringe, die dann an anderen Tauben angebracht werden, können auf dem Schwarzmarkt hohe Preise erzielen und sind weit einfacher zu transportieren als die Tauben selbst.

Die Taube gilt als ältester domestizierter Vogel der Welt. Schon im alten Ägypten wurden Brieftauben eingesetzt. Paul Julius Reuter verwendete Brieftauben zwischen Aachen und Brüssel, bevor er 1851 in London die nach ihm benannte Nachrichtenagentur gründete. Die CIA spionierte mit Hilfe von Brieftauben in der Sowjetunion, Drogendealer nutzen sie, um ihre Ware zu transportieren.

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Tauben haben einen wissenschaftlich noch nicht gänzlich erschlossenen Orientierungssinn, der ihnen erlaubt, auch aus langen Distanzen nach Hause zu finden. Der dafür wichtigste Antrieb scheint die lebenslange Treue zu ihren Paarungspartnern zu sein. Die schnellsten von ihnen erreichen Fluggeschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern. Die Tierschutzorganisation PETA will dem Brieftaubensport ein Ende setzen. Unter Überschriften wie »Treue Tiere mit ausgeprägtem Familiensinn werden skrupellos ausgenutzt« fordert sie dies auf ihrer Website. Tatsächlich werden viele Tauben bei Training oder Rennen Opfer von Raubvögeln und Strommasten; andere werden zu müde und verlieren die Orientierung. Vögel, die die zunehmend längeren Trainingsdistanzen nicht rasch genug bewältigen, werden aussortiert. PETA nimmt kein Blatt vor den Mund: »Dabei wird der Hals der Tiere lang gezogen und ihr Kopf umgedreht – alles ohne Betäubung.«

Das Zentrum der Brieftaubenelite ist seit dem 19. Jahrhundert Flandern. Hier werden die erfolgreichsten Tauben gezüchtet. Beim Training macht man keine Abstriche. Züchter Ronny Van Reet erklärte auf der Nachrichtenplattform Voxeurop: »Jede Woche fahre ich extra dreimal nach Valenciennes, um sie dort fliegen zu lassen. Ich gebe ihnen sehr teures Futter und ganz spezielle Vitamine. Die Vögel werden aufgrund ihrer Muskeln und ihrer Intelligenz ausgesucht.« Bleibt zu hoffen, dass die Tauben Van Reets wirklich nur Vitamine bekommen. Doping ist im Brieftaubensport weit verbreitet. Auch das Wachstum von Muskeln lässt sich medizinisch vorantreiben. Bei jedem Rennen wird getestet.

Flandern ist, wenig überraschend, auch das Zentrum der Taubendiebstähle. Obwohl die bekanntesten Taubenschläge mit Überwachungskameras, Bewegungsdetektoren und Lasersensoren ausgestattet sind, kommt es zu mehreren erfolgreichen Raubzügen pro Jahr. Im November 2024 gelang mit dem Diebstahl der Taube Finn aus der Zucht Tom Van Gavers ein besonderer Coup. Van Gaver hatte bis dahin die Nachkommen von Finn für 100.000 Euro per Exemplar verkauft. Der Champion bleibt verschwunden.

Die Spuren der Täter führen meist über Osteuropa nach Asien. Die Kommunistische Partei Chinas ist nicht allzu glücklich darüber, dass Wetten auf Brieftaubenrennen im Lande populär sind. Immer wieder geht sie dagegen im Namen der Bekämpfung »illegalen Glücksspiels« vor. Vielleicht ist es auch ein bisschen Kulturkampf. Die meisten Brieftaubenrennen der Welt werden auf Taiwan veranstaltet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.09.2026, Seite 16, Sport

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