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Wasserspringen

Und es hat »Platsch!« gemacht

Klassisch oder frei: Die Weltmeisterschaften im Døds Diving in Norwegen

Foto: International Døds Federation
Bevor der Bauch am Ende wehtut: Zusammenrollen!

Am 22. August fanden in Arendal im Süden Norwegens die 19. Weltmeisterschaften im Døds Diving statt, von Insidern schlicht »Dødsing« genannt, auf Deutsch so viel wie »Wasserspringen des Todes«. Allerdings: Der Sport ist nicht ganz so dramatisch wie der Name. Es handelt sich um einen angedeuteten Bauchplatscher (je nach Region auch als Bauchklatscher oder Bauchfleck bekannt), der in letzter Sekunde durch ein Zusammenrollen des Körpers verhindert wird. Ist so bescheuert, wie es klingt. Doch gerade deshalb macht das Zusehen Spaß.

Die Ursprünge des Sports liegen in den 1980er Jahren. Damals duellierten sich Gruppen aus verschiedenen Stadtteilen Oslos am Sprungturm des Frognerbadet. Heute wird alles professionell für die Generation Z aufbereitet. KI-generierte Bilder werben für Livestreams auf Youtube und Dazn, die Auftritte in den sozialen Medien sind piekfein, die Kommentatoren finden alles »awesome«.

Gesprungen wird aus einer Höhe von maximal 13 Metern, ansonsten lässt sich die Sicherheit der Athleten nicht gewährleisten. Es gibt zwei Stile: klassisch und frei. Im klassischen Stil gibt es einen angedeuteten Bauchplatscher ohne Firlefanz zu sehen. Im freien Stil dürfen Saltos und Pirouetten gedreht werden, man kommt dem gewöhnlichen Turmspringen näher. Bei der Weltmeisterschaft werden beide Stile kombiniert.

Bei Wettbewerben im Dødsing gibt es fünf Punktrichter, die jeweils für einen Bereich verantwortlich sind: Anlauf und Absprung, technischer Wert, Eintauchen, Coolness und Gesamteindruck. Es kann knapp hergehen, manchmal entscheiden Zehntelpunkte. Favoriten springen schnell an den Finalrunden vorbei. So schied Reagan Popoff aus den USA bei der WM als Zwölfter schon nach der Vorrunde aus. Nur die ersten acht der insgesamt 24 teilnehmenden Männer schafften es ins Finale. Dabei hatte Popoff in diesem Jahr die World Tour, die sich aus Wettbewerben auf Tobago, in den USA, Frankreich und Norwegen zusammensetzte, gewonnen. Bei den Frauen bestand die Finalrunde aus vier Springerinnen. Das Startfeld war mit acht Athletinnen eher bescheiden besetzt.

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Die meisten Teilnehmer bei Dødsing-Wettbewerben kommen nach wie vor aus Norwegen, doch die internationale Konkurrenz holt auf. Die wenigsten Teilnehmer konzentrieren sich ausschließlich auf Dødsing, sondern kommen aus anderen Sportarten: vom Snowboarden, Trampolinturnen oder Klippenspringen.

Nicht weniger als drei der acht Teilnehmerinnen bei der Frauen-WM kamen aus Deutschland. Nina Baars als Sechste und Lara Weber als Siebte verpassten den Finaleinzug, doch Sofia Hrubasik verwies die vierfache Weltmeisterin Asbjørg Neske im Finale auf Rang zwei. Hrubasik, die an der Sporthochschule Köln Sportmanagement studiert, kam über das Klippenspringen zum Dødsing.

Der einzige deutsche Teilnehmer bei den Männern, Felix Tretner, kam auf Rang 17. Es setzte sich ein Dødsing-Spezialist durch. Der Norweger Jakob Liabø ist schon seit mehreren Jahren auf der Tour mit dabei. Er gewann hauchdünn vor dem Franzosen Côme Girardot, dessen Karriere nach einer schweren Verletzung im Sommer 2025 schon vorüber schien. Ein Dødsing-Sprung aus 34 Metern Höhe auf Mallorca endete mit zwei gebrochenen Rückenwirbeln. Girardot wäre erst der zweite nichtnorwegische Weltmeister im Dødsing gewesen. 2024 gewann der Spanier Pacome Pegaz, der dieses Mal nur 19. wurde.

Auch wenn die Wettbewerbe der Døds Diving League unter der Ägide der International Døds Federation sich auf Höhen von maximal 13 Metern beschränken, ist die Jagd nach Höhenrekorden in den sozialen Medien in vollem Gange. Der momentane Rekord liegt bei 48,7 Metern und wurde von Florian Märker aufgestellt, einem deutschen Klippenspringer, der im Internet auch als Chucko oder @­flyingfloou bekannt ist. Das dort kursierende Video seines Rekordsprungs an einem Wasserfall in Oregon ist durchaus ansprechend, zur Nachahmung sind Stunts dieser Art freilich nicht empfohlen.

Auch bei den offiziellen Wettbewerben wird mittlerweile mit dem Risiko gespielt. So wurden »No-Hands-Landungen« populär, das heißt, die Arme werden nicht mehr zum Schutz vor dem Aufprall auf dem Wasser vors Gesicht gezogen. Schaut brutal aus, doch die Teilnehmer tauchen in der Regel wieder auf. Es lässt sich wohl alles lernen.

Vertreter der Døds Diving League haben inzwischen die Teilnahme bei Olympischen Spielen als Ziel ausgerufen. Das ist nicht bei allen Athleten beliebt. Die Diskussionen erinnern an jene, die es lange im Lager der Skateboarder und Snowboarder gab: Unabhängigkeit, Spaß und Show gegen Fremdbestimmung, Reglementierung und Konkurrenz. Nun, sehr wahrscheinlich ist eine Aufnahme von Dødsing ins olympische Programm nicht, wobei: Mittlerweile sind auch BMX und 3×3-Basketball olympisch, also wer weiß? Sollte Oslo jemals den Zuschlag für Olympische Sommerspiele erhalten, könnte sich das Internationale Olympische Komitee großzügig zeigen und Dødsing zumindest einmal zulassen. Die bereits jetzt im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl erfolgreichste Sportnation der Welt hätte damit zusätzliche Medaillen ziemlich sicher.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.08.2026, Seite 16, Sport

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