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»Entscheidend ist der Wille, alle miteinzubeziehen«
Über das FLINTA-Basketballteam von Roter Stern Berlin, ungeklärte Fragen innerhalb der Verbände zur Geschlechtsidentität und den Aufbau einer eigenen Liga. Ein Gespräch mit Emma Rieve und Otto Wind
Sie sind ein FLINTA-Basketballteam. Wofür steht FLINTA?
Otto Wind: FLINTA ist ein Akronym für Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans und agender Personen.
Können Sie mehr über Ihren Verein erzählen, den Roten Stern Berlin?
O. W.: Der Rote Stern Berlin ist ein selbstorganisierter, linker Sportverein, der seit 2012 existiert. Er ist einer von mehreren Roter-Stern-Vereinen, die es in Deutschland gibt. Der bekannteste ist der Rote Stern Leipzig. Beim Roten Stern Berlin gibt es FLINTA-Gruppen in drei Sparten: Fußball, Kickboxen und Basketball.
Emma Rieve: Beim Roten Stern Berlin ist Sport auch für Leute mit wenig Geld zugänglich. Die Mitgliedsbeiträge sind vergleichsweise gering.
Seit wann gibt es das FLINTA-Basketballteam?
O. W.: Seit etwa einem Jahr. Ich war bei der Gründung dabei. Als nichtbinäre Person fühle ich mich nicht wohl in Angeboten, die nur für Frauen ausgeschrieben sind.
Wie oft kommen Sie zum Spielen?
O. W.: Wir trainieren einmal in der Woche und bestreiten Freundschaftsspiele gegen ein anderes selbstorganisiertes FLINTA-Team. Aber wir sind nicht im Ligabetrieb.
E. R.: Es wäre wichtig, öfter zu spielen. Bei den Spielen lernst du am meisten.
Welche Möglichkeiten gäbe es denn, mehr Spiele zu bekommen?
E. R.: Im Grunde zwei: Wir finden mehr Teams, mit denen wir eine selbstorganisierte Freizeitliga aufbauen können. Oder wir suchen um eine Teilnahme in der Bezirksliga an. Aber dort spielen wir nur, wenn alle von uns mitspielen dürfen.
Ist das nicht garantiert? Welche Regelungen gibt es in der Bezirksliga?
O. W.: Der Deutsche Basketballbund hinkt in Fragen zur Geschlechtsidentität ziemlich hinterher. Es gibt gar keine Regelungen. In der Spielordnung steht nur, dass es einen Männer- und einen Frauenbetrieb geben muss. Der DFB erlaubt trans Personen im Amateurbereich seit 2022, zwischen Männer- und Frauenteams zu wählen. Allerdings bleibt einiges im Regelwerk des DFB schwammig. Letztlich kommt es darauf an, wie die Regeln auf Landesebene umgesetzt werden. In manchen Ländern tun das sehr kompetente Personen, in anderen Ländern haben die Zuständigen keine Ahnung.
Sie sprachen vom Amateurbereich. Ist die Unterscheidung zwischen Amateursport und Profisport wichtig, wenn es um Geschlechtsidentität geht?
O. W.: Nicht für mich. Aber diese Unterscheidung wird von den Verbänden getroffen.
E. R.: Im Profibereich mögen sich besondere Fragen stellen, aber zum Glück müssen wir die nicht lösen. Entscheidend für uns ist, dass alle Personen gleichberechtigt Sport ausüben können. Wie genau das in der Praxis funktioniert, lässt sich austesten. Jedes Regelwerk lässt sich ändern. Entscheidend ist der Wille, alle miteinzubeziehen.
Wo liegen die Vorteile einer FLINTA-Freizeitliga? Wo jene des Antritts in der Bezirksliga?
E. R.: Bei einer Freizeitliga sind wir unter uns und bestimmen selbst. Wir müssen nicht am Wochenende spielen und sparen Geld. Die Teilnahme an der Bezirksliga kostet. Außerdem stellt sich angesichts der Wahlerfolge der AfD die Frage, was Sportvereinen in Zukunft noch alles abverlangt wird. In Sachsen-Anhalt fordert die Partei eine »patriotische Grundhaltung«. Wer will das unterschreiben? Aber natürlich ist es nicht ohne, eine eigene Liga aufzuziehen.
O. W.: Wenn wir in der Bezirksliga antreten, müssen wir uns um viele Dinge nicht selbst kümmern: Spielorte, Spielpläne, Schiedsrichterteams. Die Frage ist, ob für den Aufbau einer eigenen Liga die Kapazitäten reichen. Wenn wir eine solche gründen, stehen wir auch in der Verantwortung. Es sollen sich ja dort auch alle wohlfühlen, und das ist nicht garantiert. Zu Konflikten kann es immer kommen.
In den USA ist die Frage von Geschlechtsidentität im Sport Kulturkampf. Präsident Trump wettert gegen die Inklusion von trans Personen, und zwei seiner Anhänger, Basketballprofis, haben jüngst mit der Ankündigung aufhorchen lassen, sich für den Draft der WNBA, der Profiliga der Frauen, anzumelden. Wie begegnet man solchen Provokationen?
O. W.: Die WNBA ist die queerste Liga der Welt, und in der Liga gibt es viel Unterstützung für trans Personen. Provokationen wie die, die du ansprichst, sind Ablenkungsmanöver. Die betroffenen Spieler sind keine trans Frauen und werden nicht in der WNBA spielen.
E. R.: Ich denke, es ist wichtig, keine Rückschritte zu machen. Kein Mensch soll gezwungen werden, seine Geschlechtsidentität zu beweisen oder Dokumente vorzulegen, die Persönlichkeitsrechte verletzen. Es könnte Kommissionen geben, die Provokationen melden. Ja, wir wollen offen sein, aber wir müssen auch verteidigungsfähig bleiben. Das sind wir im Patriarchat gewohnt.
Haben Sie die Basketball-WM der Frauen verfolgt? Was bedeutete das Turnier für Sie?
E. R.: Eine FLINTA-WM wäre noch krasser gewesen, und irgendwann reden wir vielleicht gar nicht mehr über Geschlechter. Aber es war wunderschön, Frauen dabei zuzusehen, wie sie Basketball auf diesem Niveau ausüben. Bei mir kam schon ein Gefühl auf wie: »Das sind meine Leute!«
O. W.: Es ist wichtig zu betonen, dass der Zugang zu Sport für Frauen auch immer eingeschränkt war. Deswegen organisiere ich mich als nichtbinäre Person im Sport auch mit Frauen. Es ist toll, dass durch die WM Aufmerksamkeit auf Basketball der Frauen gelenkt wird.
Sie haben am Tag des Finales einen Aktionstag organisiert, um mehr Bewusstsein für Geschlechtervielfalt im Sport zu schaffen. Was sind die nächsten Schritte?
O. W.: Wir versuchen, andere Gruppen zu finden, die mit uns spielen und vielleicht sogar eine eigene Liga aufbauen wollen. Wer sich melden will, soll das gern auf Instagram unter @rsbflintabasketball tun.
Bevor am Sonntag abend in der Berlin-Arena das Basketball-WM-Finale der Frauen USA gegen Frankreich stieg (nach Redaktionsschluss), organisierte das FLINTA-Basketballteam von Roter Stern Berlin einen Aktionstag für Geschlechtervielfalt im Sport: Am Nachmittag gab es ein Basketballturnier am Breitscheidplatz, abends Quiz und Feier. Die Debatte um trans Personen im Sport flammte zuletzt in der WNBA wieder auf, der Profiliga der Basketballerinnen in den USA. junge Welt traf sich auf ein Gespräch mit Emma Rieve und Otto Wind, beide im FLINTA-Basketballteam von Roter Stern Berlin aktiv.
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