Missverstandener des Tages: Maurizio Cattelan
Wer kein Anliegen hat, kann wenigstens provozieren. Was bei politischen Aktivisten durchaus enerviert, in der Kunst trägt es zur Unterhaltung bei. Im Betrieb stoßen ästhetisierte Heiterkeit und geschäftsmäßige Bedeutungsschwere aufeinander. Maurizio Cattelan ist ein witziger Mann, er hat sein Filousein zum Beruf gemacht. Er hat den Papst mit einem Meteoriten erschlagen, eine Toilette vergoldet und Gäule von der Decke baumeln lassen. Eine mit Panzerband an die Wand geklebte Banane brachte ihm ein paar Millionen. Dass das witzig ist, liegt gerade daran, dass es keinen Sinn hat.
Kuratoren, Kritiker und wer sonst immer vom Drumherum lebt, müssen allerdings in jener freien Heiterkeit beharrlich Sinn finden. Der tiefschwere Betrieb um die heiterleichte Kunst tötet das Heitere an ihr, wie er paradoxerweise zugleich die notwendige Bedingung für ihren Erfolg ist. Cattelan hat dieser Tage in der Neuen Nationalgalerie Berlin seine erste große Einzelausstellung auf deutschem Boden vom Stapel gelassen. Was witzig sein könnte, gäbe es da nicht auch noch den Museumsdirektor.
Biesenbach heißt der Mann, als käme er direkt aus einem Hörspiel mit Benjamin Blümchen. Eine Reproduktion des Brandenburger Tors nebst kniendem Miniaturhitler ruft in Biesenbach, so Biesenbach, »Demut hervor«. Die ausgestellten Arrangements treten in einen »so noch nie dagewesenen Dialog mit dem berühmten Gebäude«. Wie oft die Neue Nationalgalerie in ihrem Leben schon angeschrien wurde, ist nicht dokumentiert, sicher scheint allerdings, dass sie bislang nie zurückgeschrien hat.
Auch der Künstler selbst stimmte ein ins geschäftsmäßige Geraune. Statt ehrlich und sympathisch zu sagen: »Ich will doch nur spielen«, verriet er der Zeit, die Ausstellung sage was aus über Deutschland. Wenigstens in diesem Punkt sollte man ihm nicht widersprechen.
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