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Lateinamerika

Rubio sammelt die Beute ein

Lateinamerikatour: US-Außenminister trifft mit US-Hilfe ins Amt gebrachte Staatschefs und schließt Militär- und Wirtschaftsabkommen

Foto: Fernando Vergara/Pool via Reuters
US-Amerikaner unter sich: De la Espriella (l.) und Rubio im kolumbianischen Barranquilla (8.9.2026)

Auf einer an diesem Donnerstag in Ecuador endenden Südamerikareise besuchte US-Außenminister Marco Rubio mehrere Staaten der Region, die Washington noch immer als seinen »Hinterhof« ansieht. Laut US-Medien sollen bei den Besuchen Handelsabkommen gefestigt, die Unterzeichnung von Verträgen über die Sicherung von Mineralien beschleunigt und – nach dem US-Angriff auf Venezuela – die militärische Koordination verstärkt werden. Zudem gehe es darum, China in der Region durch »transparente, vertrauenswürdige und für beide Seiten vorteilhafte« Angebote zurückzudrängen, erklärte Rubio. Während die rechten Staatschefs Kolumbiens, Perus und Ecuadors dem Vertreter des Trump-Regimes ihre Gefolgschaft zusicherten, warnten linke Oppositionsparteien, Gewerkschaften und soziale Bewegungen vor einer Aufgabe der Souveränität ihrer Länder.

Zum Auftakt der Reise kündigte Rubio am Dienstag nach einem Treffen mit Präsident Abelardo de la Espriella in der nordkolumbianischen Stadt Barranquilla ein »goldenes Zeitalter« für beide Länder an. Neben den sogenannten Barranquilla-Abkommen, die zum Wiederaufbau nach dem Erdbeben vom 10. August beitragen sollen, unterzeichneten die Gesprächspartner Vereinbarungen über eine mögliche Zusammenarbeit bei der Kernenergie sowie über die Sicherung der Versorgung mit strategisch wichtigen Ressourcen wie Lithium, Kupfer, Nickel, Kobalt, Graphit und seltenen Erden, die für die Produktion von Kampfflugzeugen, aber auch von Smartphones von Bedeutung sind. Von US-Präsident Donald Trump kürzlich verhängte Zölle in Höhe von 12,5 Prozent auf Importe aus Kolumbien kamen offenbar nicht zur Sprache.

Kolumbiens Außenminister Omar Bula erklärte, der Besuch markiere den »Wiederaufbau einer strategischen Allianz mit den USA« als »unserem wichtigsten Partner in der Region«. Bogotá lege den Schwerpunkt auf Gespräche über Sicherheit und die Verteidigung »gemeinsamer Werte«, bekräftigte de la Espriella, der neben der kolumbianischen und der italienischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Die »Annäherung an die USA und deren Interessen« sei »Teil eines Trends in der westlichen Hemisphäre«, kommentierte Rubio zufrieden. Wie Prensa Latina meldete, soll de la Espriella die US-Regierung darüber hinaus »eingeladen« haben, in der Stadt Medellín einen Stützpunkt der Militärkoalition »Escudo de las Américas« (Schutzschild der Amerikas) einzurichten.

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Der linke Oppositionsführer Iván Cepeda kritisierte, dass der mit Unterstützung von Trump ins Amt gelangte Staatschef ohne Beratung im Parlament und Genehmigung des Verfassungsgerichts Abkommen über die Mineral- und Energievorkommen des Landes unterzeichne. Auch mit der Beteiligung am »Escudo de las Américas« habe de la Espriella Hoheitsrechte an eine ausländische Macht abgetreten – hinter dem Rücken des kolumbianischen Volkes. Cepeda bezeichnete Rubios Besuch als einen »Akt der Aufgabe unserer Souveränität«. Auch der größte Gewerkschaftsverband des Landes, die »Central Unitaria de Trabajadores« (CUT), protestierte. In einer Erklärung lehnt die Organisation bereits begonnene gemeinsame Militär- und Geheimdienstoperationen ab. Nach nur einem Monat im Amt habe der rechte Staatschef, der auch die 2024 abgebrochenen Beziehungen zur Regierung in Tel Aviv wieder aufnahm, seine absolute Unterwerfung unter die imperialistische Politik des Weißen Hauses demonstriert.

Von Kolumbien aus flog der US-Außenminister weiter nach Ecuador, wo er mit Staatschef Daniel Noboa unter anderem die Koordinierung gemeinsamer Militäreinsätze gegen den »Drogenhandel auf See« vereinbarte. Kurz nach Rubios Ankunft in Quito hatten US-Streitkräfte ein weiteres Boot abgefangen und versenkt, das laut Washington »Verbindungen zur kriminellen Gruppe Los Choneros« gehabt haben soll. Bei diesem Einsatz sei die Besatzung nicht getötet, sondern den ecuadorianischen Behörden übergeben worden, teilte das US-Südkommando mit. Nach dem Zwischenstopp in Quito beendet Rubio seine Südamerikareise an diesem Donnerstag in Peru. Vor dem Gespräch mit der im Juni zur neuen Präsidentin gewählten Diktatorentochter Keiko Fujimori hatte er bereits die Aufnahme des Landes in den Militärpakt »Escudo de las Américas« verkündet. Auch in Peru protestieren Gewerkschaften und soziale Bewegungen seit Tagen dagegen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.09.2026, Seite 6, Ausland

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