Der erneuerte Anspruch auf die Malvinas
Das geopolitische Ringen um Rohstoffe und den Zugang zur Antarktis heizt den alten Territorialkonflikt an
Der seit 200 Jahren zwischen Argentinien und Großbritannien andauernde Territorialkonflikt um die Falklandinseln im Südatlantik ist um eine neue geopolitische Dimension reicher. Im Mittelpunkt stehen vor allem die dort vermuteten Ölreserven und der Zugang zur Antarktis. Neben der Regierung in London und Argentiniens Staatschef Javier Milei mischen sich inzwischen auch Israel, Chile und US-Präsident Trump in den Konflikt ein. Letzterer beschränkt sein Interesse an den Ölressourcen anderer Länder längst nicht nur auf Venezuela und den Iran.
Rund 220 Kilometer nördlich des in Lateinamerika als Las Malvinas bezeichneten Archipels soll ab 2028 Öl gefördert werden. Das britische Milliardenprojekt »Sea Lion« hat dafür kürzlich grünes Licht bekommen. Britische und israelische Firmen wollen in den kommenden Wochen mit den Installationen zur Ölförderung beginnen. Ermutigt von jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten unterstrich Milei am vergangenen Donnerstag in einer Fernsehansprache Argentiniens Anspruch auf die Inseln. Gleichzeitig verhängte er Sanktionen gegen Unternehmen, die sich an der Ausbeutung der Offshoresessourcen beteiligen, und kündigte die Einrichtung einer Militärbasis auf Feuerland an – 44 Jahre nach dem Falklandkrieg, bei dem über 900 argentinische und britische Soldaten getötet wurden. Während die USA bislang den NATO‑Partner Großbritannien stützten, habe Trump nun angekündigt, die Position zu den Malvinas »neu zu bewerten«, erklärte Milei nach seinem Besuch in Chile, wo er das Treffen der rechten Organisation Foro Madrid eröffnet hatte.
Dort hatte ihm sein chilenischer Amtskollege José Antonio Kast noch versichert, den argentinischen Anspruch auf die Inseln zu unterstützen. Die Regierung in Santiago ließ aber zugleich die Einrichtung einer regelmäßigen Schiffsverbindung zwischen den Häfen von Punta Arenas (Chile) und Puerto Argentino (Malvinen) zu. Laut einer Vereinbarung zwischen der Entwicklungsgesellschaft der Falklandinseln (FIDC) und der chilenischen Reederei Easter Island soll die Route ab November den Nachschub an Baumaterialien, Ersatzteilen, Lebensmitteln und Flüssigerdgas für die Enklave und die Offshoreprojekte nördlich des Archipels sicherstellen. Chile widersetzt sich damit faktisch der von Milei angedrohten administrativen und strafrechtlichen Ahndung illegaler Förderaktivitäten. Der ehemalige Oberbefehlshaber der chilenischen Marine, Admiral a. D. Julio Leiva, warnte bereits vor »unvermeidlichen Spannungen mit Argentinien«.
Die Provinz Feuerland bereite zudem ein Gesetz über Sanktionen gegen Unternehmen vor, welche die Infrastruktur der Provinz zur Versorgung der Falklands nutzen, berichtete die argentinische Tageszeitung Página12. Andrés Dachary, der Staatssekretär für die Falklandinseln, die Antarktis und die Südatlantikinseln, erklärte, Feuerland warne das argentinische Außenministerium bereits seit langem vor der Ausbeutung von Kohlenwasserstoffen auf den Malvinas. Die Provinz habe bereits Anzeigen gegen Ölkonzerne erstattet. Mileis Erklärungen könnten auch aus »politischem Opportunismus« erfolgt sein.
Angesichts einer lahmenden Wirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit, zunehmender sozialer Konflikte und sinkender Umfragewerte setzt der selbsternannte Anarchokapitalist nun auf die nationale Karte. Rückendeckung erhält er dabei von Donald Trump, auf die Frage nach einer möglichen Kursänderung zur Souveränität der Malvinen antwortete der, »immer alle Positionen« zu prüfen. Auch der israelische »Sicherheitsminister« Itamar Ben-Gvir mischte sich ein. Israel solle anerkennen, dass die Falklandinseln »besetztes argentinisches Territorium sind, das die Briten geraubt haben«, schrieb er in sozialen Netzwerken. Eine Geste der Solidarität sei das nicht, sondern, kommentierte Página 12, Ben-Gvir reagiere lediglich auf die Ankündigung des Vereinigten Königreiches, den Handel mit Waren und Dienstleistungen aus den israelischen Siedlungen im Westjordanland zu verbieten.
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