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Chile

Diktaturopfer außen vor

Chile: Am 11. September 1973 putschte das Militär gegen Salvador Allende. Zum ersten Mal seit dem Ende der Diktatur findet dieses Jahr keine offizielle Gedenkfeier statt

Foto: Sebastian Silva/IMAGO/JNA Press
Gedenkfeier für den vor 53 Jahren gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende (Santiago, 6.9.2026)

Es ist der Jahrestag des Beginns einer grauenvollen Ära: An diesem Freitag jährt sich zum 53. Mal der Tag des faschistischen Putsches in Chile. Unterstützt von den USA bombardierten am 11. September 1973 Luftwaffeneinheiten des Generals Augusto Pinochet in Santiago den Regierungspalast La Moneda. Der vom Volk gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben. Tausende Gewerkschafter, Sozialaktivisten, Landarbeiter und Intellektuelle wurden verhaftet, gefoltert und ermordet. Der von den US-Beratern und Folterexperten direkt und von einigen westdeutschen Politikern indirekt unterstützte Terror gegen das Volk dauerte 17 Jahre.

Zum ersten Mal seit 1990 – als Pinochets Diktatur endete – findet in diesem Jahr keine offizielle Gedenkfeier der amtierenden chilenischen Regierung statt, um an die blutigen Ereignisse und die folgenden Menschenrechtsverletzungen zu erinnern. »Nein, es wird keine Regierungsveranstaltung geben, überhaupt keine«, erklärte der von Washington unterstützte ultrarechte Präsident José Antonio Kast, dessen Bruder dem Diktator als Minister diente. Kast bekannte sich mehrfach offen zu dessen Regime. »Wenn Pinochet noch lebte, würde er für mich stimmen«, erklärte er, als er 2017 bei der Präsidentschaftswahl kandidierte.

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Kasts Regierung versuche, die Pinochet-Diktatur reinzuwaschen, die »für einen großen Teil dieses Landes Tod, Verfolgung, Exil und Leid bedeutete. Das ist wirklich eine Schande, deshalb wage ich zu sagen, dass dies eine Regierung ist, die den Chilenen Schande bereitet«, so Arturo Barrios, der Generalsekretär der Sozialistischen Partei. Der traditionell am Wochenende vor dem Jahrestag stattfindende Gedenkmarsch zum Hauptfriedhof, um Allende und die anderen Opfer zu ehren, wurde in diesem Jahr von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Örtliche Medien berichteten, dass Carabineros in Seitenstraßen Wasserwerfer und Tränengas einsetzten. Dennoch beteiligten sich am Sonntag Tausende an der Demonstration. Sie erinnerten auch daran, dass der Verbleib von über 1.500 »Verschwundenen« noch immer ungeklärt ist.

In Deutschland wird auf Veranstaltungen an die Unterstützung Pinochets durch westdeutsche Politiker und Konzerne erinnert. Während die DDR die von den Putschisten verfolgten Menschen entschlossen unterstützte, lieferte die BRD dem Militär des faschistischen Regimes unter anderem Pistolen, Lkw, Hubschrauber und U‑Boote. Elf Tage nach dem Putsch zitierte der Bayernkurier den CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß: »Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang.« Neben US-Diensten bildete auch die berüchtigte deutsche Siedlung »Colonia Dignidad« Verhör- und Folterspezialisten des Regimes aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.09.2026, Seite 6, Ausland

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