Imperator des Tages: Roberto Vannacci
Das Zeitalter einer kaputten Welt, sittlich und moralisch im Sinkflug, bringt ganz einfach auch kaputte Typen hervor, die, sofern sie über politischen Einfluss verfügen, ihrerseits dafür sorgen, dass die Welt noch ein Stückchen kaputter wird. Verhaltensauffälligkeiten wie Megalomanie und Narzissmus sind derzeit einfach in. Wer es in der classe politique zu etwas bringen will, der muss sich einfach eine solche Psychopathologie zulegen.
So wie General Roberto Vannacci, der jetzt für vermutlich bloß gespielte Empörung (siehe oben) sorgt, weil er sich in KI-generierten Videos als römischer Imperator inszeniert, der – Daumen hoch oder Daumen runter – über Leben und Tod politischer Gegner entscheidet.
Wer ist Vannacci? Der Mann war als Soldat der italienischen Armee seit den 1990er Jahren an so ziemlich jedem Schauplatz jener Kriege, die NATO-Staaten seither entweder gleich angezettelt oder wenigstens angemessen betreut haben: Somalia, Ruanda, Jemen, Bosnien, Afghanistan, Irak. Parallel dazu verlief sein Aufstieg in der Militärhierarchie. Zuletzt war er Chef des Generalstabs der operativen Landstreitkräfte. Den Posten behielt er indes nicht lange, nur wenige Wochen nach seiner Ernennung erfolgte die Suspendierung; die Staatsanwaltschaft in Rom hatte eine Untersuchung wegen vermeintlicher »Aufstachelung zum Rassenhass« angeordnet.
Matteo Salvini von der Lega befand daraufhin, dass ein Mann von solchem Schrot und Korn ideal in seinen Laden passt, und machte ihn zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden. Imperatore Vannacci indes macht man nicht zum Vize, ihm gebührt Höheres. Seit Januar ist er Gebieter über seine eigene Partei mit dem Namen Futuro Nazionale, da ihm die Lappen von der Rechtsregierung um Meloni und Salvini einfach nicht rechts genug sind. Der Sozialdarwinist Vannacci stellt »Exzellenz« gegen »Egalitarismus« und will schon selbst darüber befinden können, wer in der Arena zu Löwenfutter wird und wer nicht.
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