Lernen, widerstehen
Von Daniel Bratanovic
Den Abschluss einer Rosa-Luxemburg-Konferenz bildet immer eine Podiumsdiskussion, an der Vertreter der ziemlich gerupften Linken dieses Landes teilnehmen. In diesem Jahr bildete das gigantische Aufrüstungsprogramm, das sich dieser Staat verordnet hat, den Hintergrund der Debatte. Alles spricht dafür, dass zugunsten von Tötungsgerät die Mittel zur Unterstützung der Lebenshaltung zusammengestrichen werden sollen. In der Ankündigung zu dieser Diskussion stand dazu einschränkend: »Kaum regt sich dagegen bisher gesellschaftlicher Widerstand, obwohl die Bevölkerung dieses Landes kein Interesse an Einschnitten in den Sozialstaat und einer dramatisch erhöhten Kriegsgefahr haben kann.«
Andernorts hingegen gibt es diesen Widerstand. Auf der diesjährigen Konferenz berichtete Cinzia della Porta von italienischen Hafenarbeitern, die immer wieder erfolgreich die Verladung von Waffen in die Ukraine oder nach Israel verhindert haben. Unterstützung erhielten sie dafür von ihrer Gewerkschaft, der klassenorientierten Unione Sindacale di Base (USB), die es sich, wie die USB-Sekretärin della Porta ausführte, zur Aufgabe gemacht hat, »den Zusammenhang zwischen Militarismus und Ausbeutung aufzudecken (…) und eine internationale Front der Arbeiterinnen und Arbeiter gegen Krieg und soziale Ungerechtigkeit aufzubauen«.
Widerstand bedarf unverzerrter Information. Das, was bisweilen Mainstreammedien genannt wird, ist da wenig hilfreich. Irene Zugasti Hervás schildert, wie die spanische Nachrichtenplattform Canal Red versucht, den etablierten Medien und deren Kriegserzählungen einen antimilitaristischen und internationalistischen Blick entgegenzusetzen. »Wir wollen einen kritischen Journalismus, der marxistisch und antiimperialistisch ist«, sagt sie.
Bloße tagesaktuelle Information reicht derweil nicht. Ohne theoretische Gesamtschau keine Erkenntnis. Jörg Goldberg betonte in seinem Referat die krisenhafte Bewegung der Kapitalakkumulation als Grundlage für den gegenwärtigen Rüstungswahn.
Mit diesem Tableau und noch einigem mehr zog die 31. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz mehr als 3.700 angereiste Teilnehmer an, hinzu kamen etliche tausend Zuschauer im Livestream.
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