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Elitenverachtung
Ja, es sind verwirrende Zeiten. In Sachsen-Anhalt wird an diesem Sonntag gewählt, und die Partei, die da deutlich vorn liegt, und die Leute, die die da wählen, scheint man in den Redaktionen nur begrenzt zu verstehen.
Während man sich in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung vom Freitag damit begnügt, ein TV-Duell der Spitzenkandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) vom Mittwoch nachzuerzählen, schaltet der Spiegel abermals unfreiwillig in den Wahlkampfmodus. Den Auftakt hatte das Blatt bekanntlich bereits Mitte August mit dem Konterfei Siegmunds auf der Titelseite gemacht. Via Leitartikel empört man sich nun: »Wie kann man nur die AfD wählen?« Wie nur, »im Land der Täterinnen und Täter«? Denn: »In Deutschland, bei uns, auch in Sachsen-Anhalt, wurde der teuflische Plan ausgeheckt, an dessen Ende sechs Millionen Juden ermordet wurden.« Und: »Mitglieder und Anhänger der AfD vertreten die gleichen Ideen, die damals den Nährboden für den Aufstieg der NSDAP bereitet haben: Nativismus, Nationalismus, Elitenverachtung, und, was am schlimmsten ist, die Vorstellung vom Deutschen als eine Art höherwertiges Wesen.« So tief geht die liberale Vorstellung davon, was der Faschismus war.
Stichwort »Elitenverachtung«: Eine solche moniert auch das Manager-Magazin. Demnach sei die AfD »durchsetzt vom Wunsch, Rache am Establishment zu üben«. Noch schlimmer: »Dazu gehören auch die Unternehmen.« Kreisch. »Die AfD ist keine freundliche Partei, auch keine wirtschaftsfreundliche.« Nicht wirtschaftsfreundlich, unter anderem weil AfD-Kandidat Siegmund es im Wahlkampf »trotz mehrfacher Anfragen« nicht für nötig hielt, »mit den Unternehmern der örtlichen IHK in den Dialog zu gehen«. Nicht freundlich, unter anderem weil AfD-Bundeschefin Alice Weidel mal »Wenn wir am Ruder sind …« gerufen haben soll, und auch Joseph Goebbels soll diese Formulierung gern genutzt haben. Das »dürfte kaum Zufall sein«.
Näher dran ist man bei Springer. »Der Alarmismus gegen die AfD wirkt wie Besitzstandswahrung der Etablierten. Wer die Nase sowieso schon voll hat, dem reicht es jetzt erst recht«, liest man bei Bild. Überzeugen tut das bisher niemanden, denn »zu sehr wirkt es, als würden schlicht die eigenen Pfründe verteidigt«. Dürfte so stimmen. Ebenso im Handelsblatt: Die Brandmauer habe nicht nur »ein Biotop geschaffen, in dem die AfD florieren konnte«, sondern diene auch »dem Schutz der CDU«. Auf ihrem »Weg zum Umsturz« ziele die AfD auf die »Zerstörung der Union als systemrelevante Bewahrerin des bundesrepublikanischen Status quo« und sei somit eine »revolutionäre Kraft«, womit man wieder bei der Elitenverachtung wäre. (mag)
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Roland Winkler aus Aue 7. Sept. 2026 um 11:56 UhrDemokratie ist ein großes Wort, von deutschen Politikern immer gern, viel, irreführend im Maule geführt. Der amtierende Kanzler Merz hat vor vielen Jahren, zu Zeiten Merkels Kanzlerschaft, die Weisheit von sich gegeben, Wahlen, als wählen dürfen verstanden, seien Kern und das Höchste dieser Demokratie. Die eigentlichen Akteure einer wahren Demokratie – wann und wo sind sie je in Erscheinung getreten? Vom wahren Wesen der Demokratie wollen Politiker nichts wissen. Der einzige Gebrauchswert ihrer sogenannten Demokratie liegt in der Eignung und Benutzung zum Machterhalt, Stabilisator der gesellschaftlichen Verhältnisse und derzeit deutlich erkennbar im Kampf um Plätze an den Futtertrögen, Machtpositionen, Einfluss, Pöstchen, Sitzen auf Regierungsbänken. Unverzichtbar dazu gehört Volksbetrug, das Volk im Glauben zu halten, es gehe demokratisch-freiheitlich zu. Hinter allem Theater, Show, geheuchelten Befürchtungen um wachsenden Einfluss der AfD wie allen rechten Denkens: Wo ist da etwas Demokratisches erkennbar? Brandmauern, rote Linien und alles Getön kündet von nichts anderem als Machtkämpfen unter den Kapital- und Regierungsfraktionen, Interessenkonflikten unter den Herrschenden. Die Arbeitenden, Ausgebeuteten, Besitzlosen sind am Klassenkampf nicht mehr beteiligt, haben sich angedient, andienen lassen oder haben sich resignierend einer Alternative zugewandt, die scheinbar die ihre sein könnte. Es ist mehr als ekelerregend, was der sogenannte Wahlkampf dieser Tage in Thüringen und Sachsen-Anhalt an Volksverdummung bietet, ohne auch nur annähernd ernsthaft Antworten auf die Sorgen, Ängste, Nöte und Befürchtungen der Bevölkerung zu geben. Wer hat und treibt ein Volk massenweise einmal mehr in die Hände der Rattenfänger? Woher haben sich die Rechten vor Jahrzehnten schon rekrutiert? Woher kommt das Gedankengut samt Personal, das sich heute als Alternative gibt? Mit einem Volk, dem jeder Funke Geschichtsbewusstsein aus den Köpfen gespült ist, dem alle individualistischen, egoistischen Eigenschaften eingeimpft wurden, einem Volke, dem kaum mehr eine politische Kraft und organisierte Klasse und Partei zur Seite steht, die politische Interessen der Arbeitenden vertritt und die Interessen der politischen Gegner beim Namen nennt: Wohin kann es gelenkt, gesteuert und benutzt werden? In Geschichtsbüchern ist es nachlesbar. Sich noch links gebende oder verstehende politische Akteure sind längst in der Demokratie der Herrschenden angekommen, unterstützen und stabilisieren sie um den Judaslohn der Teilhabe. Regierende erweisen sich zunehmend unfähig, noch annähernd demokratisch zu regieren. Sie stellen es mehr und mehr unter Beweis mit Abbau der Demokratie und elementarer Rechte. Sie bahnen den Weg für die Rechten seit Jahren und heucheln heute, die Demokratie vor den Rechten zu retten. Wie wird über kurz oder lang in diesem Lande der Machtwechsel von der einen in die andere Hand vor sich gehen? Von Machtergreifung war in deutscher Geschichte mal die Rede, die keine war. Es braucht sie auch heute nicht und noch viel weniger. Ist die Machtübertragung nicht längst in vollem Gange? Welche Kraft wird dieses Volk aufbringen können, zu verhindern, dass es wieder in die Katastrophe getrieben wird? Hoffen wir auf die Kräfte des Friedens, der Völkerfreundschaft, Solidarität, auf die Kräfte mit gesundem Geist und Verstand in diesem Volke, welche wir immer sehen konnten und auch in diesem Herbst vielleicht in Millionen zählen können und den Herrschenden Demokratie lehren.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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