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3 Leserbriefe
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Wurstmilchreis Dessauer Art
Ilsebill zuckerte nach. Sie hatte den Kindern ein deutsches Mittagessen versprochen, wenn sie aus der Koranschule kommen. Das war ihr doch schwerer gefallen als erwartet. Für Rindsrouladen und Schweinebraten war heute keine Zeit, am Ende des Monats auch kein Geld übrig. Angestrengt tickte die Küchenuhr, die Teebeutel trockneten über dem Herd. Und überhaupt – »deutsch«? Sie war in der Altmark aufgewachsen, nie hatte sie Labskaus oder Obazda gegessen. Badische Schneckensuppe oder Himmel un Ääd klangen waren ihr fremd.
Da erinnerte sie sich an einen Schulausflug in die Kantine im Bauhaus Dessau. Milchreis mit Knacker, das war hierzulande doch gute Tradition. Ihre Mutter hatte es zwar nie gekocht, aber an diese einmalige kulinarische Erfahrung mitten im Weltkulturerbe musste sie bis heute denken. Die roten Wurstkreise auf weißem Grund waren ihr Farb- und Formenlehre genug. Kandinsky und Klee? Die Kinder haben Hunger! Totale Gräue und schwere Not in der DDR mussten dieses Gericht erfunden haben. Man machte eben das Beste aus dem wenigen, was da war: Schweinefett und Beilagen. Als sie 250 g Rundkornreis in einem Esslöffel Butter anschwitzte, musste sie an ihre Scheidung denken. Dank des Exmanns brannte ihr der Reis gleich an. Sie kippte den Liter Vollmilch dazu und ein Päckchen Vanillinzucker, den billigen mit Aroma. So kurz wie ihre Ehe kochte die Masse auf, dann schaltete sie den Elektroherd zurück, ließ den Reis ziehen. Kurz probiert. Die Kinder mochten sonst gerne Dubaischokolade und alkoholfreies Tiramisu. Lieber noch eine Prise Rübenzucker. Die Knacker in Scheiben geschnitten, bruzelten in der Pfanne.
Währenddessen hatten Elvis und Mandy es durch die blühenden Landschaften Bitterfeld-Wolfens geschafft. Es war Freitag, die Häuser saniert, die Straßen leer. Zum Zeitvertreib hatten sie die Spätis und Dönerläden gezählt, von der Koranschule bis nach Hause waren es 27 gewesen. Wein und Bier gab es nur noch bei Rossmann. Von weitem blitzte gold-grau der nachhaltige Neubau des Bahnhofs. Nur noch am DM vorbei, dann waren sie zu Hause. Beide freuten sich schon sehr auf Muttis deutsches Rezept, bismillah.
Stolz hatte Ilsebill die guten Mitropa-Teller aus dem Buffet geholt. Die knusprigen Wurstscheiben auf die eine Seite des Milchreises drapiert, ging quer durch den Teller ein Graben, in den das rotleuchtende Fett der Knacker gelaufen war. Auf der anderen Seite staubte Zimtzucker als Garnitur. Schön war das geworden, es sollte die Kinder spielerisch an das Landeswappen von Sachsen-Anhalt erinnern. »Was ist das, Mutti?« Mandy ging schon in die zweite Klasse, sie hatte den Gesichtsschleier zum Essen abgenommen. Elvis wollte es genauer wissen: »Wallah, ist das Schweinefleisch, Mama?«
»Das ist unsere Heimat …« murmelte Ilsebill, das Gesicht zu den Fliesen, stur in den Resten des bitteren Milchreises rührend. Elvis und Mandy brachten die vollen Reichsbahnteller zur Mutter, bedankten sich artig, gingen zum Badezimmer und wuschen sich die Füße. Dann knieten sie vor ihren Kinderbetten und beteten still gegen den Hunger.
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Yannik Mallmann aus Mannheim 7. Sept. 2026 um 13:06 UhrMan fragt sich schon, was Maximilian Schäffer mit seinem Artikel eigentlich vermitteln möchte. Beim Lesen hinterlässt der Text aufgrund seiner unglücklichen Formulierungen in Bezug auf den Islam einen mehr als unangenehmen Eindruck. Allein die Tatsache, dass die Frau in Schäffers Artikel ein Gericht mit Schweinefleisch für ihre beiden Kinder zubereitet, die sich gerade in der Koranschule befinden, wirkt befremdlich. Fragen wirft auch folgender Satz auf: »Mandy ging schon in die zweite Klasse, sie hatte den Gesichtsschleier zum Essen abgenommen.« Schäffer meint damit vermutlich einen Niqab, der im Islam weder eine allgemeine religiöse Pflicht darstellt noch üblicherweise bereits vor der Pubertät vorgesehen ist. Insgesamt offenbaren sich meines Erachtens erhebliche Unkenntnisse des Autors über den Islam. Ich frage mich auch, was Schäffer mit dem Hinweis ausdrücken möchte, dass die Kinder auf dem Weg von der Koranschule nach Hause insgesamt 27 Dönerläden und Spätis zählen, in denen es kein Bier und keinen Wein mehr zu kaufen gibt. Was soll diese auffällige Aneinanderreihung islambezogener Motive dem Leser vermitteln? Was offenbar als Kochrezept gedacht ist, wirkt auf den Leser vielmehr wie eine Warnung vor einer angeblichen »Islamisierung Deutschlands«. Vor dem Hintergrund der gestrigen Landtagswahlergebnisse in Sachsen-Anhalt, verstärken die islambezogenen Kommentare Schäffers im Zusammenhang mit einem klassischen Dessauer Gericht – Dessau ist schließlich eine Stadt in Sachsen-Anhalt – diesen Eindruck zusätzlich. Die eigentliche Frage, die ich mir jedoch stelle, ist, warum die »Junge Welt« einen solchen Artikel überhaupt abdruckt. Einen Text dieser Art hätte ich eher in rechten Medien wie der »Jungle World« oder bei NIUS erwartet. Von einer Tageszeitung, die sich selbst als links und marxistisch bezeichnet, erwarte ich an dieser Stelle mehr – insbesondere einen kritischeren und sachkundigeren Umgang mit Darstellungen des Islam.
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Ich weiß wirklich nicht, wer oder was hier (vermutlich?) parodiert werden soll. Soll hier das Bild der schleichenden Islamisierung auf den Arm genommen werden? Oder wird ihr hier vielleicht sogar im Gegenteil das Wort geredet, weil man als Marxist ja »religionskritisch« ist? »Bismillah« sagt man übrigens tatsächlich, wenn man den ersten Bissen oder Schluck nimmt. Aber nicht, wenn man sich auf etwas freut. Hier offenbart der Autor in unangenehmer Weise, dass er von dem, worüber er da schreibt, keine Ahnung hat – völlig egal, ob er sich als links, »multikulti« und Kritiker von rechten Kulturkämpfern versteht oder als »Religionskritiker«. Beim Lesen jedenfalls wechseln sich Verwirrung, Unbehagen und Fremdscham ab.
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finde, die ist misslungen. ich habe keine lust, die ganzen IDYLLE mit
meinem weiterdenken (auf was spielt er denn da noch so an?) zu
analysieren, es ist auch einfach zu viel. nur, was mir sehr wichtig
erschien, waren einige assoziationen. die, vorsichtig ausgedrückt,für
mich bedenklich waren. oder auch unverständlich.
wieso hatte die mutter ein "deutsches" mittagessen versprochen? wieso
z.b. kommen die kinder am anfang der geschichte aus einer koranschule?
und für die zubereitung von schweinebraten ist keine zeit. und ihre
isebill hat auch keine ahnung von labskaus usw.
bei manchen menschen sind wörter wie koranschule - schweinebraten,
deutsches essen schon ganz fest sitzende negative reizwörter, mit denen
sie ausländerfeindlichkeit begründen.
auch, wie sie der armen isebill unterstellen, sie sei so einfältig, dass
sie nicht wußte, was labskaus oder andere regionale speisen sind. weil
diese gerichte aus dem ehemaligen westdeutschland sind. während in der
DDR nur "totale Gräue und schwere Not" herrschte und weswegen es dort
nur milchreis mit knacker gab - da kriegt die DDR, zwar völlig
verschwurbelt, aber für ihre hasser mal wieder ihr fett weg.
und so geht es weiter. elvis und mandy, wo waren das doch gleich die
bevorzugten namen? und spätis sind eigentlich immer mit alkohol
bestückt. aber an der stelle durften dönerläden nicht fehlen,
schließlich wurden schon einige abgefackelt oder deren besitzer halbtot
geschlagen, s.o.
nun denn, was die mutter (warum an dieser stelle nicht "mutti") zusammen
gerührt hatte, veranlasste die mandy, die "den gesichtsschleier zum
essen abgenommen" hatte zu der fragen, "wallah ist das schweinefleisch,
mama?" - die kinder, nun endlich als moslems charkterisiert, wuschen sich
die füsse und beteten still gegen den hunger. so ein quatsch. aber wer
wird hier mit bedient?
eine mutter übrigens, weiß immer, was ihre kinder essen. und nicht
essen! und das unabhängig von religionsschulen, gesichtsschleiern und
kniegebeten. auch aus dieser perspektive ist das thema verquast.