Tropfen um Tropfen
Die Wasserknappheit in Indonesien zwingt die Menschen im Dorf Gunung Batur dazu, mühsam Wasser aufzufangen und streng zu rationieren
In ganz Indonesien läutet die verschärfte Wasserknappheit den Anfang einer harten, durch das periodisch auftretende Wetterphänomen »El Niño« bedingten Trockenzeit ein. Die Behörden warnen vor anhaltend niedrigen Niederschlägen. In diesem Jahr steht weit mehr auf dem Spiel als »nur« Einbußen bei den Ernteerträgen. Mit zunehmender Dürre sind die Grundwasservorräte bedroht, die Stromerzeugung aus Wasserkraft wird beeinträchtigt, und das Risiko großflächiger Waldbrände steigt drastisch an.
Im äußersten Westen der Insel Java sind die Folgen davon bereits zu spüren: Weit und breit ist nur das Knirschen von Gummisandalen auf trockenen Bambusblättern zu hören. Maia Ruda geht einen steilen Pfad hinunter zu einem schmalen Flussbett im Dorf Gunung Batur in Cilegon. Sie trägt einen leeren 15-Liter-Plastikkanister auf dem Rücken. Während die Sonne untergeht, warten unten bereits andere Frauen und unterhalten sich auf Javanisch. Ihr Blick ist auf kleine Wassertropfen gerichtet, die aus den Felsen sickern. Um das Wasser aufzufangen, verwenden sie hohle Bambusstangen und große Antap-Blätter (Sterculia oblongata). Das Befüllen eines einzigen 15-Liter-Kanisters dauert mühsame 30 Minuten.
Für Maia und ihre Nachbarn gehört das Warten auf Wasser in der Abenddämmerung mittlerweile zum Alltag. Sie verbringen Stunden in der Schlucht. Da die Lage immer schwieriger wird, muss die Dorfgemeinschaft das Wasser streng rationieren. Gruppen von fünfzehn Haushalten wechseln sich in Zwölf-Stunden-Schichten ab, vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung und von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen.
Etwa 99 Kilometer von der Hauptstadt Jakarta entfernt offenbart die Wasserknappheit Zeugnisse vergangener Zeiten: Im Zuge des zwischen 2015 und 2024 errichteten Karian-Staudamms wurden elf Dörfer überflutet. Die Menschen wurden umgesiedelt, um Platz für einen 1.773 Hektar großen künstlichen See zu schaffen, der Jakarta und seine Vororte mit Wasser versorgen sollte. Nun, da der Wasserstand innerhalb nur eines Monats um ein bis drei Meter gesunken ist, kommen die Dächer und Höfe dieser alten Dörfer wieder zum Vorschein.
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