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Aus: Ausgabe vom 30.03.2024, Seite 4 / Inland
Tod in Gewahrsam

Dessauer Beamte im Verdacht

Sachsen-Anhalt: Anzeige im Fall des 1997 gestorbenen Facharbeiters Hans-Jürgen Rose bei Bundesanwaltschaft eingereicht
Von Kristian Stemmler
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Tochter Diane und Iris Rose, Witwe des Verstorbenen, bei der Pressekonferenz neben Nadine Saeed und Luke Harrow (v. l. n. r.) in Berlin (28.3.2024)

Den vor 26 Jahren gestorbenen Facharbeiter Hans-Jürgen Rose haben vor dessen Tod offenbar mindestens vier Dessauer Polizisten schwer malträtiert. Zu diesem Ergebnis kommen die Hinterbliebenen – darunter die Witwe Iris Rose – und das »Recherche-Zentrum«, wie sie am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berloin mitteilten. Der Maschinenbauingenieur war am 8. Dezember 1997, kurz nachdem er aus dem Gewahrsam des Dessauer Polizeireviers entlassen worden war, seinen schweren inneren Verletzungen erlegen. Eine 40 Seiten umfassende Anzeigeschrift wegen Mordes sei am Donnerstag beim Generalbundesanwalt eingereicht worden, sagte Nadine Saeed, Mitglied von »Recherche-Zentrum«.

Rose war am 7. Dezember 1997 nach einer Alkoholfahrt von der Polizei aufgegriffen und ins Revier Dessau gebracht worden. Etwa vier Stunden später wurde er schwer verletzt an einem Treppenaufgang wenige Meter vom Revier entfernt aufgefunden. Sein Fall ist einer von drei ungeklärten Todesfällen, die mit dem Dessauer Revier in Verbindung stehen. 2002 wurde der alkoholkranke Mario Bichtemann mit einem Schädelbasisbruch in der Ausnüchterungszelle Nummer fünf des Reviers gefunden. 2005 verbrannte der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh in derselben Zelle.

In einem Video, das die Familie Rose bereits vor der Pressekonferenz veröffentlicht hatte, spricht die damals zuständige Rechtsmedizinerin Uta Romanowski vom »Bild einer Misshandlung«. Es seien auf Roses Leiche »parallele und streifenförmige Hautunterblutungen« zu erkennen gewesen. Diese seien vermutlich von Schlagstöcken verursacht worden. Die Initiative stützt ihre Anzeige unter anderem auf ein Gutachten des britischen Schriftforensikers John Welch, demzufolge die Ermittlungsakte manipuliert worden war. Luke Harrow vom »Recherche-Zentrum« erklärte, dies sei offenbar geschehen, »um den Verdacht von den mutmaßlichen beteiligten Polizeibeamten abzulenken«.

Die innenpolitische Sprecherin der Linkspartei in Sachsen-Anhalt, Henriette Quade, erklärte am Donnerstag, dass angesichts der neuen Recherchen »ungeheuerliche Fragen« im Raum stünden. Sie hoffe, dass die Umstände von Roses Tod neu untersucht würden und der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernehme. Der Verdacht von Fehlverhalten und Manipulation von Akten müsse »politisch alarmieren«.

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