Serientäter
Eher lustlos gehen die deutschen Großmedien auf die Schließung der Goethe-Institute in Russland ein: Die russische Gelassenheit nervt offensichtlich. In der FAZ wird allerdings der deutschnationale Russenhasser Reinhard Veser losgelassen. Er macht es lyrisch und nennt die Goethe-Institute schleimend »kleine Inseln relativer Freiheit«. Demnach macht Deutsch sprechen oder lesen frei, vor allem in Einrichtungen, die nicht zuletzt der Rekrutierung von Einflussagenten dienen. Vom Schmierigen kommt der Redakteur schnell zur Blödelei: »Die Goethe-Institute in Russland konnten solche Zufluchtsorte sein in einem Land, in dem die Zensur inzwischen auch die Bibliotheken erreicht.« Das erzählt einer in einem Land, in dem nach 1990 eine »kalte Bücherverbrennung« (Peter Sodann) in Ostdeutschland Tausende Bibliotheken und Millionen Bücher vernichtete – vom Aussortieren Puschkins, Dostojewskis, Tolstois usw. aus Bibliotheken der Ukraine zu schweigen.
Die Schließung der Goethe-Institute sei jedenfalls, so Veser, »wirklich eine schlechte Nachricht«. Aber deswegen auf das Verjagen des Russischen Hauses verzichten? »Dass diese Institution auch viereinhalb Jahre nach dem Überfall auf die Ukraine im Zentrum der deutschen Hauptstadt noch Propaganda des Aggressors verbreiten konnte, war ein unerträglicher Zustand.« Denn Russisch reden oder lesen macht unfrei. Veser: »Der politische Schaden wäre größer, hätte Berlin auf den Drohnenanschlag von Leipzig nicht reagiert.« Von der Friedrichstraße aus wäre wahrscheinlich demnächst Berlin russisch geworden, denn die Moskowiter nähern sich nicht der Oder, sie sind unter uns. In Berlin übrigens weit über hunderttausend. Veser ahnt nicht, was längst los ist.
Im Handelsblatt ärgert sich der stellvertretende Chefredakteur Martin Knobbe weniger über Russland als über die Bundesregierung. Nach dem Auftritt der beiden Helden Johann Wadephul und Alexander Dobrindt zur Attacke auf Russland am Weltfriedenstag waren seine Hoffnungen noch groß: »Es sah aus wie die detailliert geplante Choreographie neuer deutscher Strenge: endlich Klartext aus Berlin.« Aber dann: »Was folgte, wirkte dagegen seltsam matt. So, als verkündete ein Richter dem notorischen Serientäter nach einem klaren Schuldurteil als Strafe ein paar Sozialstunden im örtlichen Altenheim.« Es ist wirklich schlimm. Da marschiert die NATO seit 30 Jahren an die russische Grenze, hat die Bundeswehr demnächst in Litauen 5.000 Soldaten stehen, kündigen die USA sämtliche Abrüstungs- und Rüstungskontrollverträge, hat Moskau keine Sicherheitsinteressen zu haben, weil Russland ohnehin »in Trümmern« liege. Das sagte Barack Obama vor mehr als zehn Jahren. Ursula von der Leyen, Friedrich Merz und ihre Freunde helfen bis heute nach. Der angeglich am Boden liegende Gewohnheitsverbrecher gibt einfach nicht auf.
Knobbe interessiert sich für den Unfug nicht so obsessiv wie der ostlandreitende FAZ-Redakteur. »Schließung des russischen Generalkonsulats Bonn«? Von dessen Existenz habe mancher dadurch überhaupt erst erfahren. Da Knobbe aber nur eine »Serie der Bösartigkeiten aus Moskau« kennt, sind die Maßnahmen der Bundesregierung für ihn »Business as usual, keine scharfe Reaktion«. Und auch das noch: »Beeindruckt zeigt sich Moskau bislang trotzdem nicht.«
Auch im Handelsblatt möchten sie gern, dass Moskau Figuren wie Merz, »Russland-bleibt-immer-Feind« Wadephul oder gar Dobrindt mit mehr als Achselzucken bedenkt. Sie alle wissen nicht: Russland reagiert auf Angriffe. In der Regel angemessen. Kann in deutschen Redaktionen keiner ahnen.
Auch im Handelsblatt möchten sie gern, dass Moskau Figuren wie Merz, »Russland-bleibt-immer-Feind« Wadephul oder gar Dobrindt mit mehr als Achselzucken bedenkt. Sie alle wissen nicht: Russland reagiert auf Angriffe. In der Regel angemessen.
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