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Etappensieg für VW-Bosse
Aufsichtsrat stimmt Einschnitten zu: 50.000 Jobs fallen weg. Gewerkschaft und Betriebsrat mit an Bord
Am späten Donnerstag sind die Würfel gefallen: Nach monatelangem Streit über die Sanierungspläne des Vorstands, beschloss der Aufsichtsrat von Europas größtem Automobilkonzern einstimmig drastische Einschnitte. Damit setzte sich der Vorstand mit seinen bereits seit Monaten vorbereiteten Plänen gegen den zuvor zelebrierten Widerstand der »Arbeitnehmerseite« und des Landes Niedersachsen durch. Die Aufsichtsratssitzung – ursprünglich für Freitag geplant – war vorgezogen worden, nachdem offenbar ein Kompromiss ausgehandelt worden war.
Die Kapitalseite zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. An der Börse stiegen die VW-Vorzugsaktien bis Freitag mittag um zehn Prozent. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch – in Personalunion Vorstandsvorsitzender des mit Abstand größten VW-Anteilseigners Porsche SE – verbreitete Optimismus: Das Kontrollgremium sei überzeugt davon, dass mit der Umsetzung des Sanierungsplans die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen gesichert werde. Konzernchef Oliver Blume – wie Pötsch ein Mann aus der Kaderschmiede des Porsche-Universums – sprach laut Nachrichtenagentur Reuters noch am Donnerstag von einem »starken Signal für die Zukunft des Volkswagenkonzerns«. Und Wolfgang Porsche, Patriarch des Porsche-Piëch-Clans, machte klar, dass die Messen längst nicht gelesen sind: »Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.«
Hauptziel der Sanierung ist die Steigerung der Rendite bis 2030 auf neun Prozent. Kernpunkte des Vorstandskonzepts sind laut bislang verbreiteten Informationen der Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen und die Reduzierung des Modellportfolios. Gleichzeitig droht »überflüssigen« Werken weiter die Schließung. Verklausuliert liest sich das so: Bis Ende Juni 2027 werde ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt. Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen in Europa bestünden und für die Werke Emden, Zwickau, Neckarsulm und Hannover derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden könne. »Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft.«
Gewerkschaft und Betriebsrat kommentierten ihren Rückzug von bislang vertretenen Positionen nicht direkt. Statt dessen betonten sie, dass sie Schlimmeres verhindert hätten. In einer gemeinsamen Erklärung sagten IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo: »Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist vom Tisch, der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen damit erfolgreich abgewehrt.« Zudem werde kein Werk aufgegeben, die Schließungen seien nicht besiegelt. Cavallo bezeichnete den »Zukunftsplan« als Notwendigkeit, um den Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gingen.
Das Land Niedersachsen – Anteilseigner und dank VW-Gesetz mit einer Vetoposition im Aufsichtsrat vertreten – deutete an, dass man demnächst die Konkurrenz stärker in die Schranken weisen müsse. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, hier sei die Politik am Zug. »Es braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine Handelspolitik, die unseren Industriestandort in einem zunehmend harten Wettbewerb stärkt.«
Die Regulierungspanik hat Gründe: Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage (ARD-Deutschland-Trend) befürworten die Befragten politische Hilfe für die deutsche und EU-Automobilindustrie gegen die Konkurrenz aus China. Anhänger aller Parteien seien demnach mehrheitlich dafür, dass die Elektroautoförderung auf in der EU produzierte Autos beschränkt wird. Dass derartige Maßnahmen Reaktionen des Haupthandelspartners provozieren, scheint die Befragten nicht zu stören.
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