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Profitrausch in Krisenzeiten
Dax-Konzerne melden im zweiten Quartal Rekordgewinne. Jobvernichtung geht rasant weiter
Die im deutschen Börsenleitindex Dax zusammengefassten 40 Kapitalgesellschaften haben zwischen April und Juni satte Profite eingefahren. Gleichzeitig wurden Tausende Arbeitsplätze gestrichen. Dies geht aus einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungskonzerns EY (ehem. Ernst und Young) hervor, die am Freitag bekannt wurde. Demnach stieg der operative Gewinn (also das Ergebnis vor dem direkten Zugriff des Staates) auf den Rekordwert für ein zweites Quartal von 52,6 Milliarden Euro. Dies waren fast sieben Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum, wie die Nachrichtenagenturen Reuters, dpa und AFP meldeten.
Derartig inflationäre Gewinnsprünge sind nicht unbedingt auf die Genialität der Unternehmensbosse zurückzuführen, sondern eher auf deren knallharte Kalkulationen – und die damit verbundenen Routineentscheidungen. Denn trotz aller temporären tatsächlichen und schöngerechneten Erfolge bleiben zwei Faktoren für deren Handeln bestimmend: Kostensenkung und Flexibilität. Und wo gibt es – auch dank des inzwischen vermehrten Einsatzes von KI – höheres »Sparpotential« als bei den Beschäftigten?
Zum Stichtag 30. Juni waren in den 40 Dax-Konzernen rund 3,49 Millionen Personen beschäftigt. Laut EY-Studie 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Es wurde also von den Bossen kräftig zugelangt – was durchaus auch mit der »Durchschnittsvergütung« von Dax-Vorständen in Höhe von 3,9 Millionen Euro pro Jahr zu tun hat. 41.000 zumeist überdurchschnittlich bezahlte Arbeitsplätze lösten sich in Luft auf. Das befeuerte den Trend der Jobvernichtung in Deutschland insgesamt weiter.
Vor allem in der Industrie ging im ersten Halbjahr 2026 der Arbeitsplatzabbau ungebremst weiter. Das verarbeitende Gewerbe zählte laut Statistischem Bundesamt vom Freitag Ende Juni noch 5,29 Millionen Beschäftigte – 144.100 oder 2,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. »Besonders betroffen ist die Automobilindustrie«, teilte das Bundesamt am Freitag laut Reuters mit. In der Branche arbeiteten 42.300 Beschäftigte weniger als noch ein Jahr zuvor – ein Rückgang von 5,8 Prozent. Dieser fiel den Statistikern zufolge so hoch aus wie in keiner anderen großen Industriebranche mit mindestens 200.000 Mitarbeitern.
691.500 Beschäftigte zählten die Autobauer noch – ein weiterer Tiefstand: »Seit 2005 waren noch nie weniger Menschen in der Branche beschäftigt«, erklärte das Bundesamt. Dennoch blieben die »Mobilitätskonzerne« gemessen an der Beschäftigtenzahl immer noch die zweitgrößte Industriebranche. Kaum ein Trost für die Gefeuerten.
Trotz Dax-Rekordgewinnen hat sich an der grundsätzlichen Krisenlage, in der sich die BRD-Wirtschaft seit spätestens 2020 befindet (die 2019 erzielte Wirtschaftsleistung wurde seitdem nicht mehr erreicht), nichts verbessert. Im Gegenteil. Nach der Coronapandemie und der Entscheidung der damaligen SPD-Grünen-FDP-Regierung, Russland zunächst den Wirtschaftskrieg zu erklären und sich die Nord-Stream-II-Pipeline wegsprengen zu lassen, fand sich das Land – oder besser, der Wirtschaftsstandort – plötzlich in einer prekären Lage. Die Energie wurde knapp – und deutlich teurer. Erdgas kostet inzwischen laut Experten fünfmal mehr als vor dem Februar 2022.
Gleichzeitig verschärften die politischen Pappkameraden des deutschen Kapitals in Brüssel die Lage durch ein Dauerfeuer von Sanktionen, den (offen diskutierten) Diebstahl von Zinsgewinnen aus Einlagen russischer Gelder in der EU und die zunehmende staatliche Piraterie auf den Seehandelswegen. Und weil die Welt größer ist als die BRD oder die EU – die beide sind noch dazu rohstoffarm und auf funktionierende Lieferketten für ihre Ex- und Importe angewiesen – kam dann noch ein weiterer Schlag ins Kontor hinzu: Die USA und Israel brachen einen Krieg gegen Iran vom Zaun.
Seitdem brennt es in Nahost. Die Straße von Hormus ist nur noch gelegentlich für den Transport von Erdgas, Öl oder Harnstoff (für die Düngemittel- und Chemieindustrie) aus Katar, den Emiraten, Saudi-Arabien oder Kuwait funktionsfähig. Auch das Rote Meer hat zumindest vorübergehend als Hauptwasserstraße für den Transport von und nach Europa ausgedient. Das EU-Kapital – immerhin clever genug, aus der sich verschärfenden Krise Honig zu saugen – kann darauf mittelfristig nicht mehr setzen – was die Tendenz zur Flucht beschleunigen dürfte. Die Zeche – ständig steigende Preise, ein gewaltiger Staatsschuldenberg und zerstörte Beziehungen zu einem großen Teil der Welt – zahlen die Zurückgebliebenen.
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