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Konkurrenzdruck

Varta im Pleitestrudel

Nach Apple-Rückzug soll BRD-Batteriehersteller zerschlagen werden: Jobverluste inklusive

Foto: dpa/picture alliance
Trotz Pleite: Varta-Investor will Know-how der Batterieproduktion in Europa halten

Die Varta AG steckt erneut in einer tiefen Krise. Der schwäbische Batteriehersteller hat am Freitag laut dpa nach Angaben aus Finanzkreisen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Was das für die Standorte Ellwangen, Nördlingen, Dischingen, Brașov (Rumänien) und Batam (Indonesien), die Beschäftigten und den begehrten Markennamen bedeutet, ist offen. Gläubiger und Anteilseigner haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Krise behoben werden kann. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt die (erneute) Zerschlagung.

Bereits 2024 war das Unternehmen einem »Sanierungsverfahren« laut Restrukturierungsgesetz unterworfen worden, um der Zahlungsunfähigkeit zu entgehen. Im April 2025 verkündete Varta, dass die Maßnahme abgeschlossen sei. Die Wirksamkeit der vermeintlichen Sanierung – inklusive des Herausdrängens alter Aktionäre – ließ allerdings zu wünschen übrig. Jetzt liegt anscheinend ein neues Puzzle um Produktionsbereiche, Schuldentilgung, Eigentümerstruktur und Zukunftsfähigkeit auf dem Tisch der Gläubiger und Anteilseigner. Doch zunächst braucht es Geld.

Laut der Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank und drei »Finanzinvestoren« werde ein zweistelliger Millionenbetrag als operativer Liquiditätsbedarf benötigt. Doch »trotz intensiver Gespräche« habe sich bislang kein Investor oder anderer Beteiligter bereit erklärt, die fehlenden Finanzmittel bereitzustellen, zitierte dpa einen Sprecher der Gläubiger. Zudem bestehe erheblicher weiterer Kapitalbedarf, um den Geschäftsbetrieb dauerhaft fortzuführen, wie die Nachrichtenagentur hinzufügte.

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Die Gläubiger seien deshalb zu dem Schluss gekommen, dass die Herauslösung und Stabilisierung des Geschäftsbereichs Consumer Batterie der tragfähigste Weg ist, die aktuellen Probleme zu lösen. Übersetzt ist es der wahrscheinlich profitabelste Bereich – dessen Marktwert laut einem Bericht der Wirtschaftswoche auf 240 Millionen Euro taxiert wird. Und was wird aus den anderen Bereichen?

Die sollen anscheinend bei den aktuellen Eigentümern verbleiben – dem Autobauer Porsche (VW) und dem österreichischen Milliardär Michael Tojner. Während Porsche weiter am Segment E-Mobilität festhalten will (seit 2025 unter dem Namen V4Smart ausgegliedert), setzt Tojners Montana-Gruppe laut einem Bericht der Augsburger Allgemeinen (Donnerstag und Freitag) darauf, die Microbattery-Sparte und das Solutionsgeschäft aus dem Sanierungsverfahren herauszulösen. Tojner hoffe, »das Know-how in der Batterieproduktion in Europa zu behalten und weiterzuführen«, hieß es. Dies würde auch die Varta Innovation Graz und die Tochtergesellschaft in Rumänien umfassen. »Das wird jedoch mit einem weiteren Sanierungsverfahren und harten Einschnitten verbunden sein«, ließ sich Tojner zitieren.

Doch die Probleme des Konzerns sind nicht dem aktuellen Geldmangel geschuldet, sondern eher der mangelnden Profitabilität. Deutschland entwickelt sich zusehends zu einem Standort, an dem es immer schwerer wird, weltweit konkurrenzfähige Industriewaren herzustellen. Auslöser der aktuellen Liquiditätsprobleme bei Varta war der Ausstieg eines Großkunden: des globalen US-Multis Apple. Der ließ bei Varta Batterien für seine schnurlosen Airpods-Kopfhörer herstellen. Dafür war das Werk Nördlingen extra ausgebaut worden. Doch Apple suchte und fand andere Lieferanten. Deshalb liefert künftig ein chinesischer Hersteller Akkus für die nächsten Airpods-Generationen. Die Produktion in Nördlingen läuft im Oktober aus. Konsequenz: Das Werk muss geschlossen werden. Betroffen sind 350 Beschäftigte: Die verlieren ihren Job.

→ Zusatzinfo: Die heutige Varta AG ist das Überbleibsel einer Industrielegende. Die 1890 gebildete Akkumulatorenfabrik AG (AFA) besaß damals die Lizenzrechte für Deutschland des Patents von Camille Alphonse Faure für über auf die Bleiplatten aufgetragene Bleioxide und konnte sich durch Patentrechtsprozesse die Marktführerschaft im Deutschen Reich sichern. Der Name Varta resultiert aus der Übernahme einer Berliner Firma im Jahre 1904, deren Vertriebsgesellschaft (Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren – Varta) später als Markenzeichen weltbekannt wurde.

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.07.2026, Seite 5, Inland

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